. Gefäße

Atherosklerose ist keine Einbahnstrasse

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass sich atherosklerotische Gefässveränderungen zurückbilden können. Bislang galt die Atherosklerose als unumkehrbar.
Atherosklerose dorch umkehrbahr

Atherosklerose dorch umkehrbahr

Atherosklerotische Plaques können unter Therapie mit hochdosierten Statinen schrumpfen. Das legen aktuelle Daten zur Wirksamkeit Cholesterin-senkender Medikamente nahe, die auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim im April 2012 präsentiert wurden.

Bislang war man davon ausgegangen, dass Atherosklerose, also der Prozess der Plaque-Bildung in den Blutgefässen, wenn er einmal begonnen hat, bestenfalls verlangsamt werden kann. Ergebnisse der SATURN Studie zeigen, dass es auch in die andere Richtung geht: Atherosklerotische Plaques können unter Therapie schrumpfen.

"Das ist eine sehr wichtige Studie, die erstmals prospektiv gezeigt hat, dass es bei rund zwei Drittel der Patienten zu einer Regression der Plaques kommt, wenn ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl erreicht wird", berichtete Prof. Dr. Raimund Erbel von der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Essen auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim. "Regression bedeutet weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle."

Atherosklerose: Hochdosierten Statine lassen gefährlichen Plaques schrumpfen

Studienziel von SATURN (Study of CoronaryAtheroma by InTravascular Ultrasound: Effect of Rosuvastatin Versus AtorvastatiN) war eigentlich, Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den Statinen Atorvastatin und Rosuvastatin nachzuweisen. In der Studie wurden atherosklerotische Gefässveränderungen mittels intravaskulärem Ultraschall (IVUS) kontrolliert, indem eine Ultraschall-Sonde in das Gefäss eingeführt wurde. Der Vorteil des IVUS liegt darin, dass er es erlaubt, die unmittelbaren Auswirkungen der Therapie auf die Atherosklerose zu bewerten, während man üblicherweise auf klinische Endpunkte angewiesen ist. Eine Rückbildung der Plaques kann in solchen Endpunktstudien jedoch nur vermutet, aber nicht nachgewiesen werden.

Die Dosis der Statine muss hoch genug sein

In der Studie schnitten die beiden Statine nahezu gleich gut ab. Nach intensiver Therapie konnte in beiden Gruppen eine Regression der Plaques, die bei mehr als zwei Drittel der Patienten an Volumen abnahmen, beobachtet werden. Für die Wissenschaftler ein Beleg, dass die Atherosklerose bei geeigneter Therapie reversibel ist.

Prof. Erbel: "Die Dosis der Statine muss bei Risikopersonen hoch genug sein. Das LDL-Cholesterin muss unter 80 mg/dl gesenkt werden, in den USA gilt sogar ein Zielwert von 70 mg/dl. Deshalb wurde in früheren Studien auch keine Rückbildung der Plaques gesehen. Die LDL-Senkung war einfach nicht deutlich genug. Das liegt zum Teil auch daran, dass man mit den älteren Statinen die heutigen Zielwerte in den meisten Fällen gar nicht erreichen kann."

Die Rückbildung der Plaques wird sich langfristig in einer Reduktion klinischer Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle niederschlagen, ist der Experte überzeugt: Die Therapie mit hochdosierten Statinen sei jedenfalls machbar, zumal die Nebenwirkungsrate in SATURN gering war. Bei keinem einzigen der rund 1.000 Patienten trat eine Rhabdomyolyse. Auf. Der Zerfall der Muskelfasern ist die gefürchtetste Komplikation der Statin-Therapie.

Foto: Deutsche Gesellschaft für Angiologie

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Atherosklerose , Statine , Gefäßerkrankungen

Weitere Nachrichten zum Thema Gefäße

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.