Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.04.2017

Atemtest diagnostiziert Lungenkrebs

Ein Atemtest erkennt mit hoher Treffsicherheit Lungenkrebs. Das neue Früherkennungsverfahren vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung soll nun zur Marktreife weiterentwickelt werden.
Lungenkrebs früher erkennen: Ein neuer Atemtest könnte bald das Diagnostikspektrum ergänzen

Lungenkrebs früher erkennen: Ein neuer Atemtest könnte bald das Diagnostikspektrum ergänzen

Lungenkrebs wird in den meisten Fällen zu spät entdeckt, denn der Tumor macht lange nur sehr unspezifische Symptome. Die meisten Lungenkrebspatienten sterben schon fünf Jahre nach der Diagnose. Zudem gibt es bislang keine verlässlichen Screening-Methoden. Weltweit wird daher nach neuen Diagnostika gefahndet.

Jetzt melden Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim einen bemerkenswerten Erfolg: Eine Atemluft-Analyse erkennt Lungenkrebs mit einer Zuverlässigkeit von 98 Prozent. Damit ist der Test treffsicherer als die bisherigen Röntgen- und CT-Untersuchungen, zudem kommt er ganz ohne Strahlenbelastung aus.

„Der Test lag mit der Diagnose Lungenkrebs in neun von zehn Fällen richtig. Damit hat die Methode eine derart hohe Trefferquote, dass sie im Klinikalltag zur Früherkennung angewendet werden könnte“, berichtet Guillermo Barreto, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim.

Test misst RNA-Moleküle in der Atemluft

Für die Entwicklung des Atemtests haben sich die Wissenschaftler um Barreto Moleküle zu Nutze gemacht, die mit jedem Atemzug ausgeatmet werden. Es handelt sich dabei um bestimmte RNA-Moleküle, die sich zwischen gesunden Probanden und Lungenkrebspatienten unterscheiden. Die Krebszellen gleichen dabei Lungenzellen im Embryonalstadium.

In ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler Atemproben von 138 Probanden genommen. Zunächst wurden die RNA-Moleküle isoliert und dann deren Zusammensetzung analysiert. Aus diesen Daten berechneten die Max-Planck-Wissenschaftler dann die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Lungenkrebs. Bei 98 Prozent der Probanden, die tatsächlich Lungenkrebs hatten, lagen sie richtig. Und bei 90 Prozent der entdeckten Auffälligkeiten handelte es sich tatsächlich um Krebs.

 

Früherkennung von Lungenkrebs verbessern

„Die Atemluft-Analyse könnte die Erkennung von Lungenkrebs in frühen Stadien einfacher und zuverlässiger machen, sie wird die herkömmlichen Verfahren aber nicht völlig ersetzen können“, sagt Guillermo Barreto, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim. Der Test könne jedoch ergänzend eingesetzt werden, um frühe Krebsstadien besser zu erkennen und die falsch-positive Diagnosen zu reduzieren.

Wegen seiner hohen Treffsicherheit soll der Test nun zur Marktreife weiterentwickelt werden. Die Wissenschaftler werden dabei von der Technologietransferorganisation Max-Planck-Innovation unterstützt. Zunächst sind aber noch weitere Studien nötig, um die Treffsicherheit des Atemtests an größeren Populationen zu belegen.

Foto: © hywards - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Lungenkrebs , Krebsfrüherkennung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenkrebs

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin