. Improvisieren in der Pandemie

Atemschutzmasken aus dem 3-D-Drucker: Start-Up sucht Abnehmer

Über online-Aufrufe werden Unternehmen und Bevölkerung gebeten, doch bitte Atemschutzmasken zu produzieren. Während bei privaten Initiativen die Nähmaschinen rattern, schmeißen technoaffine Unternehmer ihre 3-D-Drucker an. Ein Beispiel aus dem Saarland.
Start-up-Gründer Tim Vollmer stellt im Home Office per 3-D-Drucker Atemschutzmasken her

Start-up-Gründer Tim Vollmer stellt im Home Office per 3-D-Drucker Atemschutzmasken her

Nichts wird derzeit händeringender gesucht als Atemschutzmasken. Zahlreiche online-Aufrufe wollen Unternehmen und Bevölkerung motivieren, doch bitte Atemschutzmasken zu produzieren, zum Beispiel zu nähen.

Ein Start-Up der Universität im Saarland ist so einem online-Aufruf gefolgt und hat über Nacht seine Produktion auf wiederverwendbare Atemschutzmasken umgestellt. Dafür stellen die Jungunternehmer von 2log.io ein Kunststoffgestell in einem im 3-D-Drucker her, in das ein zurechtgeschnittenes Stoffstück geklemmt wird. Die so zusammengesetzte Atemschutzmaske kann dann mit herkömmlichen Gummiringen oder einen einfachen Schnur an den Ohren befestigt und getragen werden.

In acht Minuten eine Maske

„Der Vorteil unseres Verfahrens ist, dass wir die Atemschutzmaske sehr schnell produzieren können – wir benötigen für eine Maske etwa acht Minuten – und man kann den Stoff dafür problemlos und schnell austauschen“, erklärt Tim Vollmer, einer der beiden Gründer des Start-ups „2log.io. „Die Maske ist damit wiederverwendbar und nachhaltig.“

Der eigentliche Mund-Nasen-Schutz besteht aus Baumwolle. Tim Vollmer fand nämlich eine Studie der University of Cambridge, die reine Baumwolle als besten Kompromiss zwischen Schutz und Tragekomfort empfiehlt. Medizinische Einrichtungen, die solche Atemschutzmasken benötigen, können sich per E-Mail info(at)2log.de an das Start-up wenden.

 

Produktion im Home Office

Die eigentliche Geschäftsidee von 2log.io ist, kleineren Handwerksbetrieben die ersten Schritte in die Digitalisierung zu ermöglichen. Doch momentan hat das vierköpfige Team auf die Produktion von Atemschutzmasken umgestellt. Und die läuft im Home office, genauer gesagt in der Abstellkammer von Tim Vollmer. „Donnerstagnacht habe ich online einen Aufruf für die Herstellung von Atemschutzmasken gelesen, da machte ich mich sofort an die Arbeit. Am Freitagvormittag waren die ersten Masken fertig“, berichtet Vollmer.

Inzwischen hat er um die hundert Masken in drei verschiedenen Größen produziert, die nun verteilt werden können. „Wer uns dabei helfen will, darf sich gerne melden“, so Vollmer. Seine Motivation erklärt er so: „In der Viruskrise muss jeder helfen. Die großen Unternehmen improvisieren ja auch gerade und produzieren medizinische Produkte. Warum also nicht auch ein Start-up wie unseres.“


Das Start-up wird von der IT Inkubator GmbH und der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer an der Universität des Saarlandes unterstützt und seit Februar über das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert.

Foto: ©2log.io

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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