Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.03.2017

Asylsuchende haben mehr Stresshormone im Blut

Flucht bedeutet auch Stress. Dass Asylsuchende tatsächlich mehr vom Stresshormon Cortisol im Blut haben als die übrige deutsche Bevölkerung, haben nun Forscher aus Marburg nachgewiesen.
Haarproben zeigen: Bei Asylsuchenden ist die Cortisol-Konzentration um 42 Prozent höher als bei deutschen Vergleichspersonen

Haarproben zeigen: Bei Asylsuchenden ist die Cortisol-Konzentration um 42 Prozent höher als bei deutschen Vergleichspersonen

Kurz nach der Ankunft in Deutschland weisen Flüchtlinge deutliche Stressanzeichen auf. Das belegt eine Untersuchung der Universität Marburg. Die Forscher hatten Haarproben von kürzlich eingereisten Asylsuchenden auf Cortisol untersucht und fanden 42 Prozent mehr von dem Stresshormon als bei deutschstämmigen Vergleichspersonen. Schon länger hier lebende Migranten aus der Türkei hatten dagegen einen Cortisolwert, der um 23 Prozent niedriger lag, als bei den Bio-Deutschen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Lag eine Posttraumatische Belastungsstörung vor, war der Cortisolspiegel nicht höher als wenn diese Diagnose nicht vorlag. Ein Teil der untersuchten Flüchtlinge hatte diese Nebendiagnose.

Cortisolproduktion beeinflusst die Gesundheit

„Wer gerade erst traumatisierende Erfahrungen hinter sich hat, weist relativ hohe Cortisolwerte in den Haaren auf, während man bei Personen, deren Traumatisierung schon länger zurückliegt, eher niedrige Werte findet“, fasst die Erstautorin Ricarda Mewes von der Philipps-Universität Marburg die Ergebnisse zusammen. Vermutlich leite der Körper Gegenmaßnahmen ein, nachdem es zu einer Traumatisierung gekommen sei. Das kann gesundheitliche Folgen haben. „Sowohl eine zu hohe als auch eine zu niedrige Cortisolproduktion birgt das Risiko, dass sich eine stressbedingte Erkrankung entwickelt“, sagt Mewes.

 

Haarproben zeigen den Stresspegel

Die Cortisol-Konzentration in den Haaren erlaubt es, die Ausschüttung des Hormons rückblickend über einen Zeitraum von mehreren Monaten zu erheben. Das körpereigene Hormon, das zu den Glucokortikoiden zählt, ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt und wird bei Stress vermehrt freigesetzt. Da es dämpfende Wirkung auf das Immunsystem wird es in der Medizin häufig genutzt, um überschießende Reaktionen zu unterdrücken und Entzündungen zu hemmen.

Die Studie “Elevated hair cortisol concentrations in recently fled asylum seekers in comparison to permanently settled immigrants and non-immigrants” ist die erste Studie zur Cortisol-Konzentration im Haar, die jüngst geflüchtete Personen mit dauerhaft ansässigen Migranten verglichen hat. Sie wurde vom Europäischen Flüchtlingsfonds und die Volkswagenstiftung gefördert und im Fachmagazin „Translational Psychiatry“ publiziert.

Foto: © Jonathan Stutz - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Flüchtlinge

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin