Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.09.2019

Asthma-Sprays unter Doping-Verdacht

Auffällig viele Leistungssportler nehmen Asthma-Medikamente ein. Eine Studie der Uni Ulm untersucht jetzt, ob die Sprays nicht doch eine Doping-ähnliche Wirkung haben. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) finanziert die Ulmer Studie mit 315.000 Dollar.
Könnten Asthma-Sprays wie Doping wirken? Uni Ulm geht dieser Frage im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur nach

Könnten Asthma-Sprays wie Doping wirken? Die Uni Ulm geht dieser Frage im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur nach

Asthma-Sprays sind ein häufig genutztes Medikament im Leistungssport. Einige Mittel stehen bereits auf dem Index der Welt-Doping Agentur, andere sind noch erlaubt. Sportmediziner des Universitätsklinikum Ulm prüfen jetzt, ob die Sprays nicht doch eine Doping-ähnliche Wirkung haben.

„Der häufige Gebrauch von Asthma-Sprays bei Leistungssportlern legt den Verdacht auf leistungsfördernde Nebenwirkungen nahe“, sagt Prof. Dr. Jürgen Steinacker, Ärztlicher Leiter der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm. So könnten Asthmasprays Effekte auf den Muskel haben und zum Beispiel das Muskelwachstum anregen. Allerdings gebe es auch spezielle Sportgruppen, wie nordische Skisportler oder Radfahrer, die tatsächlich vermehrt unter Asthma litten. „Das häufige Einatmen von kalter oder staubiger Luft kann Asthma provozieren kann, so Steinacker.

Welt-Anti-Doping-Agentur sieht Aufklärungsbedarf

Dass Asthma-Sprays Effekte auf die Muskeln haben, konnte zwar bisher in keiner Studie gezeigt werden. Dennoch sieht auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Aufklärungsbedarf und fördert die Ulmer Studie mit 315.000 Dollar.

Die Studie wird zwei Jahre dauern, ein Jahr für den praktischen Teil und ein Jahr für die Auswertung. Für den praktischen Teil werden 12 sportliche Männer und 12 sportliche Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren rekrutiert. Die 24 Probanden sollen einmal in der Woche am Uniklinikum Ulm unter Beobachtung mit maximaler Kraft zehn Minuten radeln, wobei eine Gruppe ein Asthma-Medikament einnimmt und die andere ein Placebo. Zum Einsatz kommen die Medikamente Formoterol und Salbutamol in verschiedenen Dosierungen und Kombinationen.

 

Sportler werden auf Herz und Nieren geprüft

Ärzte kontrollieren derweil den Blutdruck, das Herz-Zeit-Volumen und die Sauerstoffsättigung im Blut und werden nach der Belastung eine Muskelbiopsie am Oberschenkel nehmen. „Wir schauen auf die molekularen Signaturen unter der Akutbelastung“, erklärt Professor Jürgen Steinacker. Durch maximale Anstrengung mit bzw. ohne Medikament werde sich zeigen, ob die Medikamente muskelfördernde Wirkungen haben oder nicht, so Prof. Steinacker.

Je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt, könnte es Auswirkungen auf die Doping-Kontrolle dieser Substanzen haben. An der Studie sind neben der Uni Ulm auch Anti-Doping-Forscher der FU Berlin und Deutsche Sporthochschule Köln beteiligt.

Foto: pixabay

Autor: ham
 

Weitere Nachrichten zum Thema Doping Effekte

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Joggen im Nadelwald, segeln, schwimmen, tanzen: Wer an Asthma leidet, muss auf Sport nicht verzichten. Behutsames und regelmäßiges Training ohne leistungssportliche Ambitionen kann die Beschwerden sogar wirkungsvoll lindern und die Widerstandskraft des Körpers stärken.
 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin