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ASS als Primärprävention weiter umstritten

Bei der Einnahme von ASS als Primärprävention gegen kardiovaskuläre Erkrankungen übersteigen die Risiken einen möglichen Nutzen. Das hat eine neue Studie bestätigt. Nur in der Sekundärprävention, beispielsweise nach einem Herzinfarkt, ist ASS unumstritten.
ASS als Primärprävention

ASS kann nur in wenigen Fällen vor Herzinfarkten schützen.

Da viele Studien eindeutig belegt haben, dass die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) nach einem Herzinfarkt die Wahrscheinlichkeit für weitere kardiovaskuläre Ereignisse senken kann, ist der Gedanke naheliegend, dass ASS auch Menschen mit entsprechendem Risikoprofil vor solchen Erkrankungen schützen kann, noch bevor sie auftreten. Doch die prophylaktische Einnahme das Thrombozytenhemmers ist umstritten.

Da Acetylsalicylsäure häufig zu inneren Blutungen führt, stellt sich die Frage, ob die Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Blutungsrisiko aufwiegt. Neue Daten liefert dazu nun eine japanische Analyse, die im Fachmagazin JAMA veröffentlicht wurde. Demnach überwiegen bei der Primärprävention mit ASS die Nachteile.

Keine signifikanten Unterschiede durch ASS

An der Studie nahmen 14.658 Männer und Frauen mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren teil. Alle Probanden wiesen kardiovaskuläre Risikofaktoren wie erhöhten Blutdruck oder schlechte Blutfettwerte auf. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten entweder eine niedrig dosierte Prophylaxe mit ASS (100 mg pro Tag) oder ein Placebo. Die Dauer der Nachbeobachtung betrug rund fünf Jahre.

Da nach einer Zwischenanalyse keine relevanten Unterschiede entdeckt werden konnten und die Studienleiter vermuteten, dass sich auch bei fortgesetzter Beobachtung keine signifikanten Ergebnisse aufdecken lassen würden, wurde die Studie vorzeitig gestoppt. Das könnte natürlich die Aussagekraft der Resultate schmälern.

In dem verkürzten Studienzeitraum unterschieden sich die Wahrscheinlichkeiten für schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei den Patienten, die ASS erhielten, nicht wesentlich von den anderen. Es gab nur einen signifikanten Unterschied, nämlich eine Abnahme von nicht tödlichen Herzinfarkten, die relativ betrachtet zwar hoch (47 Prozent), absolut betrachtet aber sehr gering war (0,30 versus 0,58 Prozent). Zudem stand diesem Ergebnis eine signifikante Zunahme von schweren Blutungen um 85 Prozent gegenüber.

 

Frühere Studien bestätigt

Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass in der Primärprävention mit ASS die Risiken überwiegen. Damit unterscheiden sich die aktuellen Daten nicht wesentlich von denen bisheriger Untersuchungen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Primärprävention mit ASS eine bescheidene Reduktion der Herz-Kreislauf-Ereignisse von etwa zehn Prozent bewirkt. Und eine Metaanalyse aus dem Jahr 2012 hatte gezeigt, dass dieser Reduktion eine Zunahme von Blutungen in nahezu gleicher Größenordnung gegenübersteht.

Die aktuelle Studie hat auch bestätigt, dass es durch die Primärprävention mit ASS keine relevanten Unterschiede bei Schlaganfällen und bei der durch kardiovaskuläre Ereignisse bedingten Sterblichkeit gibt. Dennoch laufen derzeit noch mehrere klinische Studien, in denen bei unterschiedlichen Populationen in westlichen Ländern das Potenzial von ASS in der Primärprävention weiter erforscht werden soll.

Foto: © Michael Tieck - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
 

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