. Kommunikationstraining im Medizinstudium

Arzt-Patienten-Gespräche sollen verbessert werden

Ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch ist von großer Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. Angehende Ärzte sollen daher in Zukunft besser auf Gespräche mit Patienten vorbereitet werden. Dafür wurde ein neuer Lehrplan für Medizin-Studenten vorgestellt, der nun bundesweit umgesetzt werden soll.
Arzt-Patienten-Kommunikation sollen verbessert werden

Ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung

Vom Verlauf des Arzt-Patienten-Gesprächs hängt viel ab. Denn wenn der Patient das Gefühl hat, dass der Arzt ihm zuhört, seine Sorgen versteht und ihn verständlich informiert, ist er eher bereit, dem Arzt zu vertrauen. Das erhöht den Behandlungserfolg und trägt, wie Studien zeigen, maßgeblich zum Gesundungsprozess bei. Gerade bei niederschmetternden Diagnosen wie einer Krebserkrankung benötigen Ärzte nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern einiges an kommunikativer Kompetenz. Doch nicht alle Mediziner verfügen über die notwendige Empathie und entsprechende kommunikative Fähigkeiten. Nun wurde unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg im Rahmen des Nationalen Krebsplans ein neuer Kommunikations-Lehrplan erarbeitet, der an allen medizinischen Fakultäten umgesetzt werden soll. Gefördert wurde die Erarbeitung des Mustercurriculums vom Bundesministerium für Gesundheit.

Mustercurriculum für verbesserte Kommunikation in der Medizin

Professor Jana Jünger, Oberärztin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg, stellte die wesentlichen Inhalte und Ziele des „Nationalen longitudinalen Mustercurriculum Kommunikation in der Medizin – ein Projekt des Nationalen Krebsplans“ beim Abschluss-Symposium in Heidelberg vor. Dieses sieht an allen medizinischen Fakultäten ab dem ersten Semester ein ausführliches Gesprächstraining zu Themen aus möglichst allen medizinischen Disziplinen vor. „Der Stand der Ausbildung in ärztlicher Gesprächsführung ist an den medizinischen Fakultäten bisher sehr heterogen – was sich auch in den kommunikativen Kompetenzen der Ärzte in Deutschland widerspiegelt", so Jünger. Daher gelte es, möglichst einheitliche Standards zu etablieren.

Bisher werde das Thema Patientengespräche an den Ausbildungsstätten zu theoretisch und meist zu wenig klinisch integriert gelehrt, kritisiert Jünger. „Die besonderen Herausforderungen in den einzelnen Fächern mit ihren sehr unterschiedlichen Patientengruppen kommen dabei zu kurz." Dabei könne man Empathie lernen, doch dazu gehöre das regelmäßige Üben in allen Fächern.

Kommunikationstraining soll Arzt-Patienten-Gespräche verbessern

Für das Mustercurriculum wurden Übungen und Trainingsmöglichkeiten auf einer Online-Plattform zusammengestellt. „Mit Hilfe dieser praxistauglichen Vorschläge können die Fakultäten ihre eigenen Lehrpläne ressourcensparend und entsprechend der vorhandenen Möglichkeiten ausbauen. Keiner muss das Rad neu erfinden“, so Jünger. In Zukunft soll das Kommunikationstraining mit speziell geschulten Schauspielern und am Patientenbett die angehenden Mediziner während ihres gesamten Studiums begleiten. „Das Gespräch mit dem Patienten wird so von Anfang an zur Selbstverständlichkeit“, sagt Jünger. Insgesamt sind 300 Unterrichtseinheiten für das Gesprächstraining vorgesehen.

Vertreter der Institutionen, die an der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung teilhaben, verabschiedeten im Rahmen des Abschluss-Symposiums in Heidelberg die „Heidelberger Erklärung“. Sie bekunden damit ihre Absicht, sich bundesweit für eine Förderung der kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung einzusetzen.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Arzt-Patienten-Kommunikation

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.