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Arzneimittelausgaben steigen moderat

Einsparungen durch Rabatte und auslaufende Patente gleichen die Mehrausgaben für innovative Arzneimittel nahezu aus. Dies geht aus dem Arzneimittel-Atlas 2011 hervor, der den Arzneimittelverbrauch in der GKV für 2010 analysiert.
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Für das Jahr 2010 betrugen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel 30,2 Mrd. Euro. Dies waren nur 177 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Die Steigerungsrate lag bei 0,6 % und war damit sehr viel niedriger als 2009 mit 5,7 %.

Für Arznei- und Verbandmittel aus Apotheken belief sich der Umsatz 2010 auf 32,8 Mrd. Euro und lag damit um 1.038 Mio. bzw. 3,3% höher als 2009. Im Vorjahr war der Umsatz noch um 1.664 Mio. Euro gestiegen.

Der Umsatz wurde 2010 durch Rabatte und Zuzahlungen sehr viel stärker gemindert als im Vorjahr. Hier entfaltete das "Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften" (GKV-ÄndG) seine Wirkung, welches 2010 in Kraft trat. Seit August 2010 gilt ein Preismoratorium und der Herstellerabschlag wurde von 6 % auf 16 % angehoben.

Die Rabatte der Hersteller waren 2010 mit insgesamt 2.876 Mio. Euro um 1.095 Mio. Euro höher als im Vorjahr. Dazu trugen die erhöhten Abschläge und das Preismoratorium zu rund zwei Dritteln bei, die individuellen Rabatte ( § 130a Abs. 8 SGB V) zu etwa einem Drittel.

"Wie in den Vorjahren war die Entwicklung der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen gekennzeichnet von einem Ausgleich zwischen Einsparungen - insbesondere durch auslaufende Patente - und Mehrausgaben für Innovationen. Dämpfend wirkten sich ausserdem der seit Jahren rückläufige Mehrverbrauch an Arzneimitteln aus sowie die starken Einsparungen durch die seit August 2010 zusätzlich erhobenen Arzneimittelrabatte. Dies alles hat zu einem Stillstand der Ausgabenentwicklung bei den Arzneimitteln beigetragen und die Ausgaben der Krankenkassen stabilisiert", erklärte Prof. Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des IGES Instituts für das Autorenteam.

Die weiteren Ergebnisse des Arzneimittel-Atlas 2010 im Überblick:

  • Unter den 31 im Detail betrachteten Indikationsgruppen war in 17 Gruppen im Vergleich zum Vorjahr ein Ausgabenanstieg zu beobachten. An erster Stelle lagen erneut die Immunsuppressiva mit 188 Mio. Euro (2009: 250 Mio. Euro), gefolgt von den Mitteln bei obstruktiven Atemwegserkrankungen mit 46,3 Mio. Euro (2009: 137 Mio. Euro). An dritter Stelle lagen die Antihämorrhagika (Mittel zur Behandlung von Störungen des Gerinnungssystems, die i.d.R. mit Blutungen odereiner erhöhrten Blutungsneigung einhergehen) mit 39 Mio. Euro (2008: -1 Mio. Euro).
  • Vorjahren - zurück und betrug 899 Mio. Euro (2009: 965 Mio. Euro). Der grösste Anteil der verbrauchsbedingten Mehrausgaben betraf 2010 Medikamente zur Behandlung von immunologischen, Herz-Kreis¬lauf- und säurebedingten Erkrankungen.
  • Der Anteil höherpreisiger Analog-Wirkstoffe und die Modernisierung der Therapie erhöhten 2010 die Ausgaben mit insgesamt 482 Mio. Euro stärker als 2009 mit 401 Mio. Euro. Zu dem Anstieg der Therapieansatz-Komponente trugen am stärksten die Antidiabetika und die Immunsuppressiva bei.
  • Besonders auffällig war 2010 die Preis-Komponente, die mit -775 Mio. Euro die Ausgaben drastisch reduzierte; ein Effekt der erhöhten Herstellerabschläge und des Preismoratoriums. 2009 hatte die Preis-Komponente noch zu Mehrausgaben von 406 Mio. Euro geführt. Die Einsparungen durch den vermehrten Einsatz von Generika waren 2010 mit -193 Mio. Euro nur unwesentlich geringer als im Vorjahr mit rund 221 Mio. Euro.


Auch in der jüngsten Ausgabe des Arzneimittel-Atlas werden erneut in Sonderkapiteln zwei aktuelle Themen diskutiert - die gesamtwirtschaftliche Lage und der Wert von Arzneimitteln (Value of Medicines).

Die wichtigsten Ergebnisse daraus:

  • Die Schätzung des Gesamtsaldos für den Gesundheitsfonds und die gesetzlichen Krankenkassen - in den vom GKV-Schätzerkreis betrachteten Abgrenzungen - veränderte sich innerhalb eines Jahres von einem Defizit in Höhe von rund 3,2 Mrd. Euro zu einem Überschuss in Höhe von rund 2,8 Mrd. Euro.
  • Eine Untersuchung, ob es für bereits etablierte Wirkstoffgruppen bzw. Wirkstoffe eine Korrelation zwischen Zusatznutzen und Mehrkosten für die Arzneimitteltherapie gibt, kam zu einer positiven Zusammenhang: Ein höherer Zusatznutzen geht mit höheren Kosten für die Arzneimitteltherapie einher. Eine noch stärkere Korrelation fand man zwischen den Mehrkosten und der Zahl der behandelbaren Patienten.

Den jährlich erscheinenden Arzneimittel-Atlas erstellt das Berliner IGES Institut im Auftrag des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa).

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