. Lebenserwartung in Deutschland

Armut erhöht Sterberisiko

Wer arm ist, stirbt früher. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. Demnach ist die Lebenserwartung von Männern, die über wenig Geld verfügen, um mindestens fünf Jahre verkürzt.
Armut und Lebenserwartung

Armut verkürzt die Lebenserwartung.

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt – doch das gilt nicht für alle. Denn hierzulande können sich Reiche nicht nur mehr leisten, sie sind auch gesünder und leben länger. Dies wurde in einer umfangreichen Analyse von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung gezeigt.

Schon früher haben Studien auf den Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung hingewiesen. Die nun vorgestellte Studie ist jedoch die bisher größte dieser Art. Die Forscher um Vladimir Shkolnikov werteten dafür Daten der deutschen Rentenversicherung aus. Dabei bezogen sie sich hauptsächlich auf Männer. Bei Frauen lasse sich das erwirtschaftete Einkommen schwerer berechnen, da es häufig auch auf dem Gehalt und der Rente des Ehemannes beruhe, so die Studienautoren.

Reiche leben mehr als fünf Jahre länger als Arme

Es zeigte sich, dass Männer, die hohe Renten (mehr als 65 Rentenpunkte) bezogen, eine um fünf Jahre höhere Lebenserwartung hatten als Bezieher niedriger Renten (30 bis 39 Rentenpunkte). Diese Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2008. Da der Unterschied in der Lebenserwartung aber immer größer wird, sind es heute möglicherweise sogar schon mehr als fünf Jahre.

Vermutlich sind die realen Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Unter- und Oberschicht in Deutschland sogar noch größer als die Studie zeigt. So gingen weder die Daten von Selbständigen, bei denen es große Unterschiede im Einkommen gibt, noch die Informationen über Menschen mit Migrationshintergrund, die häufig weniger als der Durchschnitt verdienen, in die Analyse mit ein. Andere Studien hatten bereits auf Unterschiede bis zu elf Jahren hingewiesen.

 

Gute Ernährung und weniger Stress

„Es ist eine Schande, dass die Lebenserwartung in unserem reichen Land von der sozialen Schicht abhängt“, erklärte bereits im vergangenen Mai Ärztepräsident Frank Montgomery anlässlich des Deutschen Ärztetages in Hannover. Die Gründe für die Unterschiede sind nicht genau bekannt. Vermutlich handelt es sich um eine Kombination verschiedener Ursachen. So können sich Menschen, die mehr Geld verdienen, eine bessere medizinische Versorgung leisten. Meist haben sie auch nicht so stark körperlich gearbeitet wie Niedrigverdiener und damit ihrem Körper weniger geschadet.

Auch die Ernährung und allgemeine Lebensweise ist bei Reicheren meist besser, und sie gehen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen. Zudem sorgen unsichere Jobs, Arbeitslosigkeit und Geldsorgen für hohen Stress, der krank machen kann. Bekannt ist ebenfalls, dass Menschen mit höheren Einkommen häufiger Sport betreiben und Menschen aus den unteren sozialen Schichten häufiger chronisch krank sind.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Autor:
 

Weitere Nachrichten zum Thema Demografischer Wandel

| Die Urbanisierung gehört zu den wichtigsten globalen Veränderungen, denen die Menschen in den nächsten Jahrzehnten ausgesetzt sein werden. Prognosen zufolge sollen im Jahr 2050 weltweit etwa 80 Prozent der Menschen in Metropolen leben. Die Bedeutung einer „gesunden Stadt“ wird damit immer größer. Doch was ist das eigentlich?
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Kein Abi-Ball, keine Klassenfahrten, keine Sportwettkämpfe – und das Gefühl, beim Ausleben von Freundschaften und Beziehungen ausgebremst zu werden: Nach einer Studie der Universitäten Hildesheim und Frankfurt treffen die Kontaktbeschränkungen der Corona-Krise Jugendliche besonders hart. Sie verlieren wichtige Entwicklungszeit und fühlen sich oft von Lehrern und Eltern alleingelassen.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.