Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.06.2017

Arbeitsklima wichtig für die psychische Gesundheit

Eine gute Unternehmenskultur ist ein wichtiger Baustein zur Erhaltung der psychischen Gesundheit von Arbeitnehmern. Das zeigt eine Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Besonders wichtig ist eine vertrauensbasierte und wertschätzende Zusammenarbeit.
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz

Zu hohe Arbeitsintensität und geringe Handlungsspielräume können Arbeitnehmer psychisch krank machen

Immer mehr Untersuchungen zeigen, wie wichtig ein gutes Arbeitsklima ist, um die psychische Gesundheit von Mitarbeitern zu erhalten. Mit Hilfe einer telefonischen Umfrage unter 2.007 Erwerbstätigen im Alter von 16 bis 65 Jahren hat nun die AOK in ihrem zuletzt veröffentlichten Fehlzeitenreport den Zusammenhang von Unternehmenskultur und Gesundheit untersucht. Das Ergebnis: Beschäftigte, die ihre Unternehmenskultur negativ erleben, leiden häufiger unter psychischen Beschwerden. Entscheidend ist dabei offenbar das Arbeitsklima.

Wertschätzende Arbeitskultur fördert die Gesundheit

Zur Unternehmenskultur gehören verschiedene Bereiche, wie die Art und Weise von Entscheidungsprozessen, der Führungsstil, Mitarbeiterorientierung, Entlohnungsgerechtigkeit, Problemlösungsverhalten im Unternehmen, Arbeitsklima, Wettbewerbs- und Kundenorientierung sowie Unternehmensumwelt. Der kürzlich veröffentlichte Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) ergab, dass Betriebliches Gesundheitsmanagement zur psychischen Gesundheit der Beschäftigten beiträgt, wenn eine mitarbeiterorientierte Arbeitsplatzkultur unterstützt wird. Von besonderer Bedeutung für das Wohlergehen der Mitarbeiter ist dabei eine vertrauensbasierte und wertschätzende Zusammenarbeit, die sich in den Beziehungen der Arbeitnehmenden untereinander, zu den Führungskräften und zum Unternehmen selbst zeigt.   

Wie stark eine als negativ empfundene Unternehmenskultur mit psychischen Beeinträchtigungen zusammenhängt, zeigen folgende Zahlen: 65 Prozent der Erwerbstätigen, die eine schlechte Beurteilung abgaben, berichteten über mindestens ein psychisches Belastungssymptom, wie beispielsweise Schlafstörungen oder Erschöpfung. Bei der Vergleichsgruppe, die ihre Unternehmenskultur positiv erlebte, waren es nur 36 Prozent. Vor allem das Arbeitsklima des Unternehmens spielt dabei offenbar eine große Rolle: 69 Prozent der Befragten, die dieses als schlecht bewerteten, gaben psychische Beschwerden an, die sie auf ihre berufliche Tätigkeit zurückführten.            

 

Geringe Handlungsspielräume + hohe Arbeitsintensität besonders problematisch

Erst im vergangenen Jahr hatte die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung bestimmte Faktoren identifiziert, die bei Arbeitnehmern Stress auslösen. Das Forscherteam um Professor Renate Rau von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hatte in einer Auswertung verschiedener Studien und Metaanalysen elf Arbeitsbedingungen ausgemacht, die sich als gesundheitsgefährdend herausstellten. Dazu gehörten unter anderem eine hohe Arbeitsintensität, geringe Handlungsspielräume, geringe soziale Unterstützung, geringe Wertschätzung (auch finanziell), Überstunden, Schichtarbeit, aggressives Verhalten am Arbeitsplatz sowie Arbeitsplatzunsicherheit.

Foto: © Marco2811 - Fotolia.com

Foto: Marco2811 - Fotolia

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Burnout , Arbeitsbelastung , Depression , Stress , Psychische Krankheiten , Prävention
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeit und Gesundheit

01.04.2019

26,3 Tage pro Jahr im Schnitt fallen Arbeitnehmer krankheitsbedingt aus, wenn sie zu den Berufen mit den höchsten Krankenständen gehören. Bei den „gesündesten“ Berufen dagegen sind es nicht einmal halb so viele. Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) entscheidet der Beruf mit: bei der Länge der Krankschreibung – und bei den Diagnosen.

Von der Autoindustrie bis zum Supermarkt: Betriebliche Ersthelfer müssen fit sein, um Kollegen oder Kunden im Notfall professionell zu helfen und Leben zu retten. Fortbildung alle zwei Jahre ist deshalb Pflicht. Nur: Zum Erste-Hilfe-Seminar gehen bei Corona-Ansteckungsgefahr? „Absagen“, empfiehlt jetzt ganz offiziell die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin