. Pflege

Arbeitgeber: 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze sind möglich

50.000 zusätzliche Arbeitskräfte in der Pflege innerhalb von 15 Monaten verspricht der Arbeitgeberverband Pflege. Doch seine letzte Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive steckt noch im Sumpf der Bürokratie fest.

Mehr Betreuung für Alte: 50.000 zusätzliche Arbeitskräfte für die Pflege

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege ist optimistisch: „Ich bin davon überzeugt, dass wir 50.000 zusätzliche Arbeitskräfte binnen 15 Monaten einstellen können, wenn alle an einem Strang ziehen.“ Thomas Greiner hat Hausaufgaben für die neu gewählte Bundesregierung: Würde das Konzept der Pfege-Arbeitgeber umgesetzt, könnten 25.000 Pflegehilfskräfte, die länger als drei Jahre in der Altenpflege arbeiten, nach einem verkürzten Qualifizierungsverfahren schneller einen Fachabschluss machen und gut 800 Euro mehr verdienen. Weitere 25.000 angelernte Betreuungskräfte könnten eingestellt werden, um die Pflegefachkräfte bei der Betreuung Demenzkranker zu entlasten. Dies würde den Bund 500 Millionen Euro kosten, während für die Qualifizierung der Pflegehilfskräfte Mittel der Bundesagentur für Arbeit abgerufen werden könnten, so Thomas Greiner.

Zwei Pflegehelfer pro Heim zur Fachprüfung

Mit der zügigen Qualifizierung ließen sich Menschen binden, die bereits in der Pflege arbeiten: „In jedem Seniorenheim finden wir  zwei Hilfskräfte, die sich qualifizieren und dann als Pflegefachkräfte arbeiten können“, erklärt Greiner. Der Arbeitgeberverband  sieht auch in der Anwerbung von Pflegehilfskräften ein großes Potenzial, um Wiedereinsteiger in den Beruf, Migranten oder Arbeitslose für die Pflege zu gewinnen. „Der Mangel an Pflegekräften lässt sich eher durch Kreativität, Sachverstand und Pragmatismus in den Griff kriegen, als durch dramatische Appelle“, so Greiner.

Bürokratie hemmt Qualifizierung

Doch zehn Monate, nachdem Bundesregierung, Länder und Bundesagentur für Arbeit (BA) mit Pflegeverbänden eine „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“ vereinbart haben, wird dieses Projekt „im Behördendickicht des Förderalismus“ ausgebremst, wie Greiner beklagt. Auf Bundesebene seien mehrere Ministerien an der Umsetzung beteiligt, dieselbe Situation spiegelt sich noch einmal auf Länderebene.

Das hemmt die zügige Qualifizierung der Pflegefachkräfte: Den Pflegeschulen fehlen Ausbildungsrichtlinien, es sei unklar, welche Pflegeschulen die Umschulung anbieten dürfen, Pflegeheimbetreiber, die eine Förderung für die Qualifizierungsoffensive beantragen wollen, treffen bei der Arbeitsagentur auf ahnungslose Sachbearbeiter, die Bundesagentur für Arbeit verweist auf die Richtlinen im Intranet. Die Pflege-Arbeitgeber fordern deshalb den Bund auf, in den Ländern Druck zu machen, denn die Zahl der Pflegepatienten wird schnell wachsen.

Derzeit bekommen in Deutschland 2,5 Millionen Menschen Hilfen der Pflegeversicherung, davon ist ein Drittel stationär in Pflegeheimen untergebracht.

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

| Hohe Arbeitslosigkeit und Kurzzeitjobs im Süden Europas, Pflegenotstand in Deutschland: Mit spanischen Pflegekräften wollen deutsche Altenheime dem Fachkräftemangel entgehen. Die ersten Spanier beenden im Sommer ihre Sprachkurse und arbeiten dann als examinierte Pflegefachkräfte.
| NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat die Bedeutung altengerechter Quartiere für die künftige Pflegepolitik betont. Sie unterstützt ein Projekt das Fachkräfte qualifiziert, um Unterstützungs- und Pflegeangebote für die wohnortnahe Versorgung zu bündeln.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.