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05.03.2018

Arbeiten in der Freizeit doch nicht so schlimm

Das Wochenende soll eigentlich der Erholung dienen. Manchmal kann es jedoch besser sein, eine Arbeit abzuschließen – auch wenn das Freizeit kostet, sagen Psychologen.
Freizeitarbeit

Menschen lassen begonnene Aufgaben ungerne liegen. Daher ist Arbeiten in der Freizeit generell nicht etwas Schlechtes

Ja, der Mensch braucht Erholungspausen. Und ja, er braucht Abstand von der Arbeit. Aber was, wenn der Kopf ständig um unerledigte Aufgaben kreist und sich der Erholungseffekt nicht einstellen will? Dann kann es tatsächlich besser sein, die Arbeit zu erledigen, egal ob dies auf Kosten der Freizeit geht. Zu diesem Ergebnis kommen jetzt Psychologen von der Universitäten Rostock und Bamberg.

In einer Tagebuchstudie hatte das Team um Oliver Weigelt 83 Berufstätige aus unterschiedlichen Branchen über drei Monate hinweg jeden Freitag und Montag Tagebuch führen lassen. Darin sollten die Probanden jeden Freitag ihre unerledigten Aufgaben notieren. Montags sollten sie angeben, ob sie im Verlauf des Wochenendes in ihrer Freizeit gearbeitet haben und wie sie sich erholen konnten. Wer gearbeitet hatte, musste die Gründe dafür darlegen und über das Fortkommen berichten. Vier Aspekte des Erholungserlebens wurden abgefragt: Abschalten von der Arbeit, Entspannung, erlebte Autonomie und Bewältigungserfahrungen.

Eine Arbeit abzuschließen, ist wichtig

„Erholung und Arbeit am Wochenende schließen sich keinesfalls aus und können mit einer gelungenen Work-Life-Balance vereinbar sein“, fasst Organisations- und Personalpsychologe Weigelt die Ergebnisse zusammen. Warum das so ist, erklärt er so: „Aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass Menschen einmal begonnene Arbeitsaufgaben nur ungern unerledigt lassen – und sogar persönliche Nachteile in Kauf nehmen, um die Aufgaben abschließen zu können.“

Dieses Phänomen konnten die Wissenschaftler auch in ihrer Untersuchung bestätigen. Tatsächlich arbeitete ein Teil der Berufstätigen am Wochenende, um Arbeitsaufgaben abzuschließen oder sich auf die kommende Arbeitswoche vorzubereiten. Sie konnten sich zwar schlechter erholen, aber, gibt Weigelt zu bedenken: „Auf den ersten Blick ist Arbeit in der Freizeit damit eigentlich nicht zu empfehlen. Wenn man aber berücksichtigt, dass Freizeitarbeit auch Chancen bietet, Unerledigtes abzuschließen und dadurch die innere Ruhe am Wochenende wiederzugewinnen, dann ergibt sich ein weit positiveres Bild.“

 

Verbleibende Freizeit umso erholsamer

Wer besonders viel Arbeit am Wochenende auf dem Teller hatte, konnte sich in der Untersuchung schlechter erholen als die anderen. Das klingt logisch. Konnten aber über das Wochenende einige oder sogar alle Aufgaben erledigt werden, gelangen auch die Erholung und besonders das Abschalten von der Arbeit insgesamt besser. „Wer auf seine Work-Life-Balance achten, aber dennoch am Wochenende arbeiten möchte, tut also gut daran, Aufgaben abzuschließen, sich also in einer produktiven Weise mit der Arbeit zu befassen“ schlussfolgert Christine Syrek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Bamberg. „Unerledigtes erschwert das gedankliche Abschalten von der Arbeit in der Freizeit und regt zum Weiterarbeiten an“, ergänzt Oliver Weigelt. Gelinge es in der Freizeit aber, mit den unerledigten Aufgaben voranzukommen, könne man die verbleibende Freizeit umso mehr genießen, so das Fazit der Psychologen.

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Demografischer Wandel
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