Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Arbeit an der Leistungsgrenze: Pflegeberufe besonders betroffen

Etwa jeder sechste Arbeitnehmer arbeitet häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit. Pflegeberufe sind dabei besonders betroffen. Das zeigen Ergebnisse einer Befragung, die das von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte Faktenblatt "Arbeiten an der Leistungsgrenze" zusammenfasst.
Pflegeberufe, Arbeiten am Limit, Pflege

Pflegekräfte geraten häufig an ihre Leistungsgrenzen

Wer häufig an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit arbeitet, leidet oft unter psychosomatischen Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit. Mitarbeiter in Pflegeberufen sind besonders häufig betroffen. Sie berichten auch vermehrt über Beschwerden wie Schmerzen im Schulter-­ und Nackenbereich. Das sind die Ergebnisse der BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2012, die jetzt in einem von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichten Faktenblatt erschienen sind.

Körperliche und psychische Belastungen in der Pflege besonders hoch

Der Befragung zufolge arbeiten 16 Prozent der abhängig Beschäftigten häufig an der Leistungsgrenze; in den Pflegeberufen ist dieser Anteil nahezu doppelt so hoch (30 Prozent). Wenn Beschäftigte häufig die Grenzen ihrer Belastbarkeit gelangen, geht dies oft mit hohen psychischen Anforderungen ihrer Tätigkeit einher. So verspüren 83 Prozent der Betroffenen häufig Termin- oder Leistungsdruck. Bei Beschäftigten hingegen, die nur manchmal, selten oder nie an ihre Grenzen gehen, tritt dieser Druck nur bei 46 Prozent auf.

Auch wer oft verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreut, sehr schnell arbeiten muss und bei der Arbeit oft gestört oder unterbrochen wird, gelangt häufiger an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit, so das Faktenblatt. In dieser Personengruppe berichtet zudem jeder Dritte über häufige gefühlsmäßige Belastung (31 Prozent), während das bei den übrigen Beschäftigten nur jeder zwölfte aussagt.

Neben den psychischen Anforderungen werden auch körperliche Überlastungen angegeben. Wer häufig seine Leistungsgrenze erreicht, arbeitet doppelt so häufig unter Zwangshaltung (28 Prozent) oder bewegt schwere Lasten (40 Prozent) als die übrigen Erwerbstätigen. Im Pflegebereich sind die körperlichen Belastungen sogar noch deutlich höher.

 

Arbeitgeber sollten für gute Arbeitsbedingungen sorgen

Die höheren körperlichen und psychischen Belastungen von Menschen, die häufig an ihre Leistungsgrenze gehen, spiegeln sich in ihrer gesundheitlichen Situation wider. Rund zwei Drittel der Betroffenen geben an, unter drei oder mehr psychosomatischen Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit zu leiden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Beschwerden im Bewegungsapparat.

Die Befragung zeigt: Gerade in Berufen mit besonders hohen psychischen und körperlichen Anforderungen, wie etwa in der Pflege, sollte die Gestaltung guter Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt gerückt werden. Führungskräfte sollten geeignete Maßnahmen ergreifen, z. B. zusätzliches Personal einplanen, realistische Ziele mit den Beschäftigten vereinbaren sowie unterstützende Fort- und Weiterbildungen anbieten. Auch neue Technologien sollten daraufhin beurteilt werden, ob sie den Arbeitsalltag der Beschäftigten erleichtern können.

Foto: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Autor: anvo
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Pflegekräfte
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegeberufe

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Kopfbälle gehören zu den coolsten Spieltechniken im Fußball – doch sie haben ihren Preis. Eine Studie aus Schottland zeigt: Das Risiko für Profifußballer, später an neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, ist dreieinhalb mal so hoch wie bei der Allgemeinbevölkerung. Ein Spielertyp ist besonders in Gefahr.


Viele Eltern meinen es gut, wenn sie vor ihren Kindern über eine Demenz bei deren Großeltern nicht sprechen. Sie wollen sie nicht belasten. So schwer es für Kinder ist, diese Erkrankung zu verstehen – so sehr spüren sie, dass etwas nicht stimmt. Experten raten deshalb zu einer kindgerechten Offenheit.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin