Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.09.2020

Apotheken dürfen keine Corona-Selbsttests verkaufen

Corona-Selbsttests, die ähnlich wie ein Schwangerschaftstest funktionieren, gibt es bereits. Doch in deutschen Apotheken ist der Verkauf verboten.
Corona-Schnelltest für Zuhause: Nicht in deutschen Apotheken

Corona-Schnelltest für Zuhause: Nicht in deutschen Apotheken

Habe ich eine Corona-Infektion? In Deutschland dürfen diese Frage nur Ärzte beantworten. Letzte Gewissheit bringt ein PCR-Test aus dem Fachlabor. Dabei gibt es längst Corona-Selbsttests, die ähnlich wie ein Schwangerschaftstest funktionieren.

Deutschen Apotheken ist der Verkauf an Laien jedoch verboten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Test das Virus direkt nachweist oder Antikörper gegen eine Infektion mit COVID-19. Die Abgabe entsprechender In-vitro-Tests ist nur an medizinische Fachkreise erlaubt. Probenbehältnisse, in denen Körperproben gesammelt und anschließend "in vitro" untersucht werden sollen, fallen auch unter dieses Verbot, wenn sie für den direkten oder indirekten Nachweis von COVID-19 bestimmt sind.

Die entsprechenden Verbote sind in der Medizinprodukteabgabeverordnung (MPAV) und dem Infektionsschutzgesetz geregelt. Wenn ein Apotheker entgegen dem Verbot einen Schnelltest an Patienten abgeben würde, wäre das eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann.

ABDA: Corona-Selbsttests sind nichts fürs Badezimmer

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rechtfertigt das Verbot. Es sei verständlich, dass sich besorgte Bürger selbst auf eine Corona-Infektion testen wollten, meint ABDA- Vizepräsident Mathias Arnold.  „Aber diese Tests sollen nach den gesetzlichen Regelungen den Fachkreisen vorbehalten bleiben. Das ist nichts, was man wie einen Schwangerschaftstest zuhause im Badezimmer machen kann.“

Deutschlands Labore sind zwar nach eigenen Aussagen an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt, weswegen Reiserückkehrer jetzt nicht mehr kostenlos getestet werden sollen. Dennoch rückt die Politik nicht von ihrem Schnelltestverbot ab. Dabei heißt die Devise eigentlich: testen, testen, testen.

Verbot epidemiologisch fragwürdig

Bei vielen Experten stößt das Verbot auf Unverständnis. Der Virologe und Epidemiologie Alexander Kekulé von der Uni Halle fordert die Tests seit Beginn der Pandemie und erklärt, die Politik habe ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte kürzlich dem ZDF: „Wir müssen schneller und mehr testen und aus meiner Sicht auch mit anderen Tests arbeiten. Tests, die etwas billiger sind, vielleicht nicht ganz so gut, aber gut genug und das Ergebnis sehr viel schneller bringen.“

Tatsächlich hatte kürzlich ein Arbeit der Universität Harvard gezeigt: Mehr ungenauere Tests sind aus epidemiologischer Sicht besser als weniger genaue. Zum Vergleich: Ein Antigen-Selbsttest fischt etwa 80 von 100 Infizierten heraus, der PCR-Test aus dem Fachlabor 99,9 von 100. Durch das Verbot bleiben die 80 dann unentdeckt.

Foto: © Adobe Stock/jarun011

Foto: ©jarun011 - stock.adobe.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona-Schnelltest

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Saubere Hände sind nicht nur in der Corona-Pandemie wichtig. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich mit gründlicher Händehygiene vermeiden: Erkältungen, Magen-Darm-Probleme – und sogar Wurm-Erkrankungen. Mit kreativen Ideen kann man Kinder dazu motivieren, dass Hände waschen für sie in bestimmten Situationen des Alltags zum festen Ritual wird.

Seit August ist bekannt, dass die Impfquote in Deutschland höher ist als dem Robert Koch Institut gemeldet. Nun rechtfertigt das RKI die Untererfassung, die nach neusten Schätzungen fünf Prozentpunkte beträgt. Das Digitale Impfquotenmonitoring sei als Mindestimpfquote zu verstehen.

 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin