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AOK testet digitale Patientenakte

Die elektronische Gesundheitskarte wurde eingeführt, um darauf alle medizinisch relevanten Daten des Patienten zu speichern. Die Pläne gerieten ins Stocken. Die Krankenkassen AOK und TK machen nun einen eigenen Vorstoß und testen die digitale Patientenakte.
Patientenakte

Die AOK testet die digitale Krankenakte

Seit Jahren diskutieren Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Kassen über die elektronische Gesundheitskarte. Die wurde eingeführt, um dereinst alle medizinisch relevanten Informationen des Versicherten darauf zu speichern. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten. Der Schutz der sensiblen Patientendaten bereitet Kopfzerbrechen - ebenso das ursprünglich vorgesehene Zwei-Augen-Prinzip. Danach sollte der Patient nur im Beisein des Arztes seine Daten einsehen dürfen.

Mit der TK und der AOK machen jetzt zwei Krankenkassen einen eigenen Vorstoß . Die AOK testet die digitale Patientenakte in zwei Regionen. Das kündigte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, vor der Presse an. Das von der AOK aufgesetzte digitale Netzwerk ermöglicht den Datenaustausch zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten und Kliniken. Im Zentrum steht die elektronische Patientenakte, über die sich medizinische Informationen und Dokumente bereitstellen und abrufen lassen. Das soll die Behandlung optimieren und für mehr Patientensicherheit sorgen.

Datenaustausch zwischen niedergelassenen Ärzten und Klinik

Im November 2017 startet ein erstes Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 8.000 AOK-Versicherten. Beteiligt sind zwei Kliniken und das Ärztenetz HaffNet. Vier Anwendungen werden dort erprobt: Das Aufnahme- und Entlassmanagement der beteiligten Kliniken, der Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, die Möglichkeit zum Hochladen eigener medizinischer Dokumente wie Organspendeausweis oder Impfpass sowie die Option, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte (Gewicht, Blutdruck) in die eigene Akte einfließen zu lassen.

Im Januar 2018 folgt das zweite Pilotprojekt mit 114.000 AOK-Versicherten in Berlin. Beteiligt sind neun Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren des Krankenhauskonzerns Vivantes sowie das Sana-Klinikum Lichtenberg. Zusätzlich zu den bereits in Mecklenburg-Vorpommern erprobten Anwendungen kann der Patient über das digitale Netzwerk seinen aktuellen Medikationsplan und die Labordaten der beteiligten Ärzte abrufen sowie Termine mit Kliniken und Ärzten vereinbaren.

Besser über Behandlungsoptionen mitentscheiden

„Mit der Digitalisierung erhalten die Patienten einen besseren Einblick in ihre Gesundheitsdaten. Sie werden damit in die Lage versetzt, noch stärker als bisher über Behandlungsoptionen mit zu entscheiden“, betont Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vivantes Netzwerk für Gesundheit.

Das Ziel sei ein bundesweites Angebot für die AOK-Versicherten, das regional verschieden ausgestaltet werde, erklärt Martin Litsch. Das AOK-Gesundheitsnetzwerk ist als offene Plattform konzipiert. Es soll schrittweise allen Akteuren im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen, auch anderen Krankenkassen.

AOK testet digitale Patientenakte mit dezentraler Datenhaltung

Um den Datenschutz zu gewährleisten, hat die AOK ein spezielles Verfahren entwickelt: Die Daten bleiben beim Arzt oder der Klinik, wo sie erhoben wurden. Die Krankenkasse hat keinen Zugriff auf die Gesundheitsdaten. Zudem kann der Patient selbst entscheiden, welcher Arzt welche Informationen und Dokumente in der digitalen Patientenakte einsehen darf. Die dezentrale Datenhaltung schütze vor Datendiebstahl, sagt Christian Klose, Projektleiter für das AOK-Gesundheitsnetzwerk.

Auch bei der elektronischen Gesundheitsakte, die die TK derzeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Softwareunternehmen IBM entwickelt, soll der Patient entscheiden dürfen, wer auf seine Daten zugreift. Der Versicherte ist "Herr der gebündelten Daten", heißt es in einer Pressemitteilung des UKE - und er kann die entsprechenden Informationen jederzeit selbst abrufen.

TK arbeitet mit Partnern an Standards für die Datenerfassung

In einem ersten Schritt speist die TK nach Zustimmung des Versicherten nur die Daten ein, die der Kasse von ihm vorliegen. In einem weiteren Schritt sollen weitere Akteure im Gesundheitswesen entsprechende Informationen beisteuern. "Nur so lässt sich das Krankheits-, Diagnose- und Behandlungsgeschehen umfassend abbilden", erklärt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg.

Die Partner wollen zudem feste, allgemeingültige Standards für die Einbindung von Diagnose- und Behandlungsdaten in die elektronische Gesundheitsakte erarbeiten. Neben dem UKE haben auch die Klinik-Gruppen Helios, Agaplesion und Vivantes sowie das Universitätsklinikum Heidelberg ihre Kooperation zugesichert.   

Foto: momius/fotolia.com

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