. AOK-Krankenhaus-Report 2014

AOK- Report: Qualität und Menge hängen eng zusammen

Dort wo viel Erfahrung ist, wird auch besser behandelt. Diese einfache Formel belegt der AOK-Krankenhaus-Report anhand von belastbaren Zahlen. Am Dienstag wurde der neue Report in Berlin vorgestellt.
AOK- Report: Qualität und Menge hängen eng zusammen

Der AOK Krankenhaus-Report zeigt Verbesserungspotenziale auf

Der aktuelle AOK-Krankenhaus-Report zeigt: Die Qualität einer Behandlung hängt maßgeblich davon ab, wie oft diese in einem Krankenhaus vorgenommen wird. Beispiel Frühgeburt: Das Sterblichkeitsrisiko von Frühchen mit weniger als 1.250 Gramm Geburtsgewicht ist in Kliniken mit weniger als 15 Fällen pro Jahr um 87 Prozent höher als in Kliniken, die mehr als 45 Frühchen pro Jahr versorgen. Ein anderes Beispiel sind planbare Hüftgelenk-Operationen. Diejenigen Kliniken, die pro Jahr die wenigsten Eingriffe durchführen müssen laut AOK Report 37 Prozent mehr Wiederholungsoperationen durchführen als die Kliniken mit der größten Anzahl. Wiederholungseingriffe werden notwendig, wenn bei der ersten OP nicht alles glatt gegangen ist.

Mit der Routine kommt die Qualität

„Vieles spricht dafür, dass mit steigender Erfahrung und Routine bessere Ergebnisse erzielt werden", sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports. Klauber und seine Mitautoren plädieren aufgrund der Ergebnisse für mehr Spezialisierung. „Viele Krankenhäuser versuchen, sich zu 'kleinen Universitätskliniken‘ zu entwickeln, die alles anbieten“, sagte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes bei der Vorstellung des Reports am Dienstag in Berlin. Für eine hochwertige medizinische Versorgung sei jedoch Spezialisierung das Gebot der Stunde. Deh forderte zugleich die Kapazitäten der Kliniken stärker an die Qualität des einzelnen Hauses und an den tatsächlichen Bedarf in einer Region zu koppeln.

In Punkto Patientensicherheit – ein wichtiger Qualitätsindikator - weist der AOK Report auf einige Schwachstellen hin. Thematisiert werden beispielsweise unerwünschte Arzneimittelereignisse, Hygienemängel und die wenig geregelte Einführung medizinischer Innovationen. Bei etwa fünf bis zehn Prozent aller Krankenhausbehandlungen finde ein unerwünschtes Ereignis statt, bei einem Prozent handle es sich um echte Fehler, heißt es in dem Bericht. Die Autoren schätzen, dass aufgrund von fehlerhaften Krankenhausbehandlungen jedes Jahr rund 19.000 Menschen sterben.

Investitionen der Länder in um 20 Prozent zurückgegangen

Gleichzeitig weist der Report auf die finanzielle Notlage vieler Kliniken hin. Vielerorts seien Investitionen für die vorhandenen Krankenhäuser kaum noch möglich. Zwischen 2002 und 2012 sind die Investitionen der Länder für die Krankenhäuser um 19 Prozent auf 2,62 Milliarden Euro gesunken. Gleichzeitig sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen um 35 Prozent auf knapp 62 Milliarden Euro gestiegen. Ein Strukturfonds, wie in den Koalitionsverhandlungen angedacht, mit dem die Krankenhauslandschaft vor Ort umsichtig und schrittweise umgebaut werden kann, sei auf jeden Fall hilfreich, so das Fazit von AOK-Chef Uwe Deh.

Autor: red
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Qualität , Krankenhäuser , Krankenkassen

Weitere Nachrichten zum Thema Qualität

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Wer Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, achtet besser auf die Dosis: Die sollte 250 Milligramm am Tag nicht überschreiten. Das meldet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.