. AOK-Krankenhaus-Report 2014

AOK- Report: Patientensicherheit oder Panikmache?

Der neue Krankenhaus-Report der AOK hat Fehler in der Medizin und die Patientensicherheit in den Mittelpunkt gestellt. Doch was gut gemeint daher kommt, stößt in der Branche auf Kritik. Krankenhäuser warnen vor Panikmache.
AOK- Report: Patientensicherheit oder Panikmache?

Qualität in Kliniken: Finanznöte sind aus Sicht der Krankenhäuser das eigentliche Problem

Am Dienstag hat die AOK ihren Krankenhaus-Report 2014 vorgestellt. In dem Report heißt es, dass es in einem Prozent aller Krankenhausbehandlungen zu tatsächlichen Fehlern kommt und ein Promille sogar tödlich endet. Das bedeutet bei jährlich 19 Millionen Krankenhausbehandlungen: 190.000 Fehler und 19.000 Todesfälle im Jahr.

Dass die Zahl von 19.000 Todesfällen lediglich eine Schätzung ist – sie basiert auf der Auswertung von mehreren Dutzend ausländischen Studien, die man dann auf Deutschland hochgerechnet hat, dürfte in dem Rummel um die skandalösen Zahlen ziemlich untergehen und wohl niemanden interessieren. Krankenhäuser sehen aber gerade in der Negativkampagne der AOK den eigentlichen Skandal.

Krankenhaus-Report: Zahl der Todesfälle wurde auf Deutschland hochgerechnet

„Jeder medizinische Eingriff kann auch unter optimalen Rahmenbedingungen zu einem unerwünschten Ereignis führen, aber die AOK stellt die Realität in den Kliniken bewusst verzerrt dar“, kritisiert Matthias Blum, der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW). „Diese Negativkampagne der AOK verunsichert die Patienten unnötig und wertet den hohen täglichen Einsatz der Mitarbeiter in den Krankenhäusern ab.“ Das ungelöste Problem sei nicht mangelnde Qualität, sondern die unzureichende Finanzierung.

Die AOK stellt in ihrem Report beispielsweise fest, dass rund die Hälfte der unerwünschten Ereignisse vermeidbar wäre und eine Fehlerkultur in Krankenhäusern oft vernachlässigt wird. „Die Mitarbeiter müssen noch stärker für das Thema sensibilisiert und die bereits eingeführten Fehlerberichtssysteme besser genutzt werden, um aus eigenen Fehlern und den Fehlern anderer Krankenhäuser zu lernen", so Prof. Dr. Max Geraedts von der Universität Witten/Herdecke, Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports.

Krankenhausgesellschaften mahnen zu sachlicheren Diskussion

Blum kontert: Die Klinken hätten nichts zu verbergen und beförderten eine offene Fehlerkultur. In NRW habe man landesweit das Lernsystem "CIRS NRW" für medizinische Beinahe-Fehler (CIRS: Critical Incident Reporting System) eingeführt. Weiterhin nutzten Krankenhäuser zahlreiche Instrumente wie Patientenarmbänder, OP-Checklisten, Sturz- und Dekubitusprophylaxe und MRSA-Screenings, um die Risiken für ihre Patienten zu minimieren. „Wir nehmen das Qualitäts- und Risikomanagement sehr ernst und wollen uns zum Wohle unserer Patienten ständig verbessern,“ so der Geschäftsführer des Verbandes der 385 Kliniken in Nordrhein-Westfalen. Nicht ohne Grund würden deutsche Bürger bei einem Krankheitsfall im Ausland schnellstmöglich eine Behandlung in einem Krankenhaus in der Heimat anstreben.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte anlässlich des AOK Krankenhausreports vor einer Verunsicherung der Patienten und teilte in einem schriftlichen Statement mit: "Nie hatten wir höhere Sicherheitsstandards in den Kliniken.“

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhäuser

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Der Gesundheitsweise Professor Ferdinand Gerlach über das neue Gutachten des Sachverständigenrates und warum die Kluft zwischen Praxen und Kliniken überwunden werden muss.
. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.