. Psychische Krankheiten

Antidepressiva können Tinnitus verschlimmern

Millionen von Menschen leiden unter Tinnitus, andauernden Ohrgeräuschen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Bestimmte Antidepressiva könnten den Tinnitus verstärken.
Ohrgeräusche

Antidepressiva können Tinnitus verstärken

Tinnitus ist definiert als die chronische Wahrnehmung von Geräuschen, ohne dass eine akustische Quelle existiert. Die Ohrgeräusche - ein Klingeln, Rauschen oder Fiepen, können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und der psychischen Gesundheit schaden. Ein Forscherteam Oregon Heath & Science University (OHSU) zeigte jetzt, dass eine bestimmte Klasse von Antidepressiva die Entwicklung eines Tinnitus fördern könnten: die SSRI.

Diese selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer werden bei mäßigen bis schweren Depressionen und Angststörungen eingesetzt. Sie erhöhen den Serotonin-Pegel im Gehirn. Serotonin ist eine chemische Verbindung, die als Neurotransmitter wirkt und  für die Aufrechterhaltung der Stimmung verantwortlich ist.

Antidepressiva können Tinnitus verschlimmen

In der wissenschaftlichen Literatur berichten viele Patienten über eine Verschlimmerung des Tinnitus, kurz nachdem sie mit der Einnahme dieser Antidepressiva, den SSRI, begannen. Das erläutert Studien-Leiter Dr. Zheng-Quan Tang. Für die im Fachmagazin Cell Reports veröffentlichte Studie untersuchten die Wissenschaftler nun das Hirngewebe von Mäusen, insbesondere die dorsalen Cochleariskerne, wo der Tinnitus entsteht.

Sie entdeckten, dass Neuronen in dieser Gehirnregion hyperaktiv und überempfindlich gegenüber Reizen werden, wenn sie Serotonin ausgesetzt sind. „Die Aktivität dieser Neuronen ging durch die Decke", sagt Studien-Autor Laurence Trussell, Professor für HNO an der OHSU School of Medicine.

 

Auswirkungen auf die Verschreibungs-Praxis

Diese Ergebnisse könnten Auswirkungen auf die Verschreibungs-Praxis haben. „Wenn ein Arzt einen Patienten mit Depressionen behandelt, der auch unter Hörverlust oder Tinnitus leidet, sollte er vorsichtig sein“, so Trussell, der selbst von Tinnitus betroffen ist. „SSRI könnten das Problem verschärfen, das man beheben will.“

Schätzungsweise leiden 10 Prozent der Bevölkerung an Tinnitus. Die OHSU-Wissenschaftler wollen ihre Forschung nun auf eine Art von Ionenkanal in der Membran der Neuronen, die durch Serotonin aktiviert werden, erforschen. Werden diese Kanäle deaktiviert, könnten Patienten von den positiven Effekten der Antidepressiva profitieren und gleichzeitig den Schweregrad des Tinnitus reduzieren.

SSRI gehören zu einer neueren Klasse von Antidepressiva. Sie gelten als recht nebenwirkungsarm und werden daher gern eingesetzt. Dazu zählen Citalopram, Escitalopram, Sertralin und Fluoxetin.

Foto: andy ilmberger/fotolia.com

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