Antibiotikaresistenzen bald größte Gesundheitsbedrohung

Die Entdeckung des Penicillins vor 90 Jahren war ein Meilenstein der Medizingeschichte. Diese glückselige Ära könnte bald vorbei sein. Antibiotikaresistenzen könnten bis 2050 zur größten weltweiten Gesundheitsbedrohung werden, prognostizieren Experten.
Antibiotikaresistenzen 2018

1928 hat Alexander Flemming das Penicillin entdeckt. 2018 haben Antibiotikaresistenzen ein bedrohliches Ausmaß erreicht

Wundinfektionen, Diphtherie oder Lungenentzündung: Die Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 war ein Segen für die Menschheit. Sämtliche Antibiotika basieren auf der Entdeckung Alexander Flemmings und haben Millionen Menschen das Leben gerettet. 90 Jahre danach ist die wichtigste Waffe im Kampf gegen Infektionskrankheiten zum Sorgenkind geworden: Immer mehr Bakterienstämme werden gegen Antibiotika resistent und neue Substanzen sind nicht in Sicht. Mediziner berichten, die Behandlung von Infektionen, sei in den letzten Jahren schwieriger geworden.

Infektionen werden zur tödlichen Gefahr

Menschen könnten bald wieder an banalen Infektionen sterben, warnt die WHO, weil die die Medikamente nicht mehr wirken. Laut Weltgesundheitsorganisation werden Antibiotikaresistenzen bis 2050 die größte Gesundheitsbedrohung darstellen, noch vor Krebs.

Es sei denn, man bekommt das Problem der Resistenzen in den Griff. Doch Experten sind skeptisch. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Bakterien im Laufe der Zeit an die Medikamente anpassen. Dieser Zeitpunkt ist längst erreicht: So sind schon vor zehn Jahren allein in der EU geschätzte 25.000 Menschen an Infektion mit multiresistenten Bakterien, die nicht mehr auf Antibiotika ansprachen, gestorben. Die US-Gesundheitsbehörde Center for Disease Control and Prevention (CDC) geht von 23.000 Todesfällen pro Jahr aus und schätzt, dass mehr als zwei Millionen Menschen in den USA jährlich an Infektionen von antibiotikaresistenten Bakterien und Pilzen erkranken.

 

Reduzierung des Antibiotikaverbrauchs dringend geboten

Mit Schuld daran ist der Mensch, da der übermäßige Einsatz die Entwicklung der Antibiotikaresistenzen beschleunigt. Eine Reduzierung des Verbrauchs in der Humanmedizin wie in der Landwirtschaft wäre der einfachste Schritt, die Resistenzentwicklung zu verlangsamen. Doch dafür ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Und Geld: Rückstände von Antibiotika sind auch in der Umwelt zu finden, und sorgen so für beste Bedingungen, dass sich die Keime anpassen können.

Multiresistenter Tripper auf dem Vormarsch

Gerade hat das CDC für die USA einen Höchststand von sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) bekanntgegeben und in diesem Zuge vor zunehmenden Antibiotikaresistenzen bei Gonorrhoe gewarnt. Viele gängige Antibiotika wirken gegen die häufigste STI schon nicht mehr. Kürzlich wurde der Fall eines Mannes aus England bekannt, bei dem gar kein Antibiotikum mehr wirkte.

Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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| Die WHO hat eine neue Richtlinie vorgelegt, um den Antibiotikaverbrauch in der Tiermast drastisch zu drosseln. Bauern und Industrie werden aufgefordert, die Medikamente nicht mehr gesunden Tieren zu füttern. Hintergrund ist nicht das Tierwohl, sondern die bedrohlichen Antibiotikaresistenzen.
 
 

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