. Nasales Mikrobiom

Antibiotika erhöhen Risiko für chronische Rhinosinusitis

Antibiotikatherapien verändern das Mikrobiom der Patienten und können in der Folge auch das Risiko für eine chronische Rhinosinusitis erhöhen. Das ist das Ergebnis einer Studie US-amerikanischer Forscher.

Eine chronische Rhinosinusitis kann sehr belastend sein

Schon vor einigen Jahren kamen aus der Mikrobiom-Forschung Hinweise, dass bei Patienten mit chronischer Rhinosinusitis (CRS) die Bakterienvielfalt signifikant reduziert ist. Zugleich ist bekannt, dass jede Antibiotikaeinnahme – egal, wogegen sie eingesetzt werden – die Diversität des Mikrobioms empfindlich stören können. Forscher vom Massachusetts Eye and Ear Infirmary Sinus Center in Boston wollten nun die Vermutung bestätigen, dass Antibiotika auch das Risiko für eine chronische Rhinosinusitis erhöhen können. Für ihre Studie untersuchten sie 1162 Patienten, die alle an sinunasalen Beschwerden litten.

Chronische Rhinosinusitis häufiger nach Antibiotikatherapie

Bei 410 Probanden konnte eine chronische Rhinosinusitis festgestellt werden. Die restlichen 752 Patienten, bei denen andere Erkrankungen vorlagen, stellten die Kontrollgruppe. Deutlich mehr CRS- als Kontrollpatienten gaben an, in der Vergangenheit unabhängig von der Sinusitis ein Antibiotikum verschrieben bekommen zu haben. Auch unter Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren konnten die Forscher um Alice Maxfield einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer vorangegangenen Antibiotikatherapie und der Manifestation einer chronischen Rhinosinusitis feststellen.  

Die Studienautoren betonen daher, dass Antibiotikabehandlungen bei nichtsinunasalen Infektionen mit einem erhöhten Risiko für eine chronische Rhinosinusitis assoziiert sind. Eine eindeutige Kausalität lasse sich dadurch aber noch nicht beweisen, räumen die Forscher ein. Dennoch sind sie davon überzeugt, dass jede Antibiose als Risikofaktor für eine chronische Rhinosinusitis gewertet werden muss, und appellieren an alle praktizierenden Ärzte, bei jeder Antibiotikaverschreibung sorgfältig den Nutzen gegen die Risiken abzuwägen.

 

Antibiotika zurückhaltender verschreiben

„Antibiotika werden nach wie vor zu häufig verschrieben“, erklären die Forscher und verweisen auf eine aktuelle Erhebung aus den USA, wonach auf 1000 US-Bürger 506 Antibiotikaverschreibungen pro Jahr kommen. Dabei stellten sich etwa 30 Prozent der Verschreibungen im ambulanten Bereich als nicht zielführend heraus. Auch in Deutschland mehren sich die Hinweise, dass Antibiotika häufig ohne eindeutigen Nutzen verschrieben werden. Experten hoffen, dass die steigende Zahl der Antibiotikaresistenzen, aber auch das zunehmende Wissen um die Bedeutung des Mikrobioms für unsere Gesundheit zu größerer Vorsicht bei der Verschreibung führen werden.

Foto: freshidea - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rhinosinusitis

| Die Erforschung innovativer therapeutischer Ansätze bei der Behandlung von Menschen mit chronischer Sinusitis oder Rhinosinusitis und auch Asthma schreitet voran. Das bestätigen Experten wie Prof. Claus Bachert von der Universität in Ghent (Belgien) und Prof. Lars-Olaf Cardell, vom Karolinska Institutet in Stockholm (Schweden).
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer Kinder hat, lebt länger als Kinderlose. Eine Adoption wirkt sich sogar noch stärker auf die Lebenserwartung aus. Eine neue Untersuchung, ist nun den Gründen nachgegangen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Restaurant „Altes Zollhaus“, Carl-Herz-Ufer 30, 10961 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.