. Antibiotika-Resistenzen

Antibiotika-Cycling soll gegen Resistenzen helfen

Antibiotika-Resistenzen gefährden die öffentliche Gesundheit. Wie sollen bakterielle Infektionen mit einer schwindenden Zahl wirksamer Antibiotika behandelt werden? Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) testeten, wie sich mit Antibiotika-Cycling ihre Wirksamkeit erhalten lässt. Ihre Studie erschien im Fachmagazin Evolutionary Applications.

Kolonien von Pseudomonas aeruginosa wachsen in einer Petrischaleeiner

Kolonien des multiresitenten Keims Pseudomonas aeruginosa

Das Team um Prof. Hinrich Schulenburg und Dr. Gunther Jansen von der Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik untersuchte, wie sich die abwechselnde Gabe zweier in der klinischen Praxis gebräuchlicher Antibiotika-Paare auf das Bakterium Pseudomonas aeruginosa auswirkt. Dieses Bakterium ist häufig multiresistent und kann bei immungeschwächten oder chronisch kranken Patienten lebensbedrohliche Infektionen verursachen.

Im Behandlungsalltag ist das Antibiotika-Cycling bereits üblich, bislang werden die verschiedenen Präparate jedoch für jeweils mehrere Wochen am Stück gegeben. Diese Intervalle sind wahrscheinlich zu lang. Bakterien sind in der Lage, innerhalb weniger Tage, im Extremfall sogar Stunden, Resistenzen auszubilden, heißt es weiter in einer Mitteilung der Universität.

Antibiotika-Cycling im raschen Wechsel wirkte gegen Resistenzen

Im Experiment wurden klinisch relevante Antibiotika in zwölfstündigem Wechsel eingesetzt und mit der dauerhaften Gabe eines einzelnen Antibiotikums verglichen. Der schnelle Wechsel erwies sich dabei als besonders wirkungsvoll.

„Uns hat überrascht, dass wir in unseren Experimenten trotz nicht-tödlicher Dosierung der Antibiotika dennoch die Eliminierung von Bakterienpopulationen erreichen konnten. Eine zeitlich komplexe Umgebung, wie sie durch den schnellen Wechsel der verschiedenen Antibiotika geschaffen wird, scheint in diesen Fällen die Resistenzbildungsmechanismen von Pseudomonas aeruginosa zu überfordern“, so Schulenburg.

 

Ergänzung zur Entwicklung neuer Medikamente

Die jüngsten Ergebnisse der Kieler Forschungsgruppe ergänzen die Entwicklung neuer resistenzhemmender Antibiotika-Klassen. „Die Entwicklung neuer Medikamente wird nicht mit der Geschwindigkeit mithalten können, mit der die Evolution der Krankheitserreger neue Behandlungsresistenzen hervorbringt. Unser Ansatz zielt daher darauf ab, die bereits bestehenden Wirkstoffe sinnvoller einzusetzen“, sagt Studien-Autor Roderich Römhild.

Ein weiterer Forschungs-Ansatz, um Alternativen zur Antibiotika-Behandlung aufzutun, nimmt in Europa derzeit wieder Fahrt auf: Phagen, bakterienvernichtende Viren, werden in einer französischen Studie an Patienten mit Verbrennungen getestet.

Foto: Christian Urban, Universität Kiel

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotika-Resistenzen

| Die Entdeckung des Penicillins vor 90 Jahren war ein Meilenstein der Medizingeschichte. Diese glückselige Ära könnte bald vorbei sein. Antibiotikaresistenzen könnten bis 2050 zur größten weltweiten Gesundheitsbedrohung werden, prognostizieren Experten.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
In Europa sind diesen Sommer schon mehr als 700 Menschen am West-Nil-Fieber erkrankt. 71 Menschen starben. Auch in Deutschland wurde das das West-Nil-Virus jetzt entdeckt. Es wird von Stechmücken übertragen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.