. Hormonelle Kontrazeptiva

Antibabypille: Beipackzettel muss auf Suizidrisiko hinweisen

Hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille können zu Depressionen führen – das ist bekannt. Eine Studie hat nun gezeigt, dass auch das Suizidrisiko durch die Einnahme erhöht wird. Darauf muss künftig im Beipackzettel hingewiesen werden.
Pille, Antibabypille, Depressionen, Suizid, Selbstmord

Die "Pille" kann das Risiko für Depressionen und Suizide erhöhen

Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass die Antibabypille und andere hormonelle Kontrazeptiva Depressionen auslösen oder sich zumindest negativ auf die Stimmung der Anwenderinnen auswirken können. Eine dänische Studie hatte zudem ergeben, dass auch das Risiko für Suizide signifikant erhöht wird. Das gilt nicht nur für Frauen, welche die Antibabypille einnehmen, sondern auch für solche, die einen Vaginalring oder Kontrazeptivpflaster verwenden. Als Konsequenz muss nun in den Gebrauchsinformationen auf dieses Risiko hingewiesen werden. Das haben die Arzneimittebehörden beschlossen.

Depressionen unter hormonellen Verhütungsmitteln häufiger

Die Studie des Forscherteams um Øjvind Lidegaard vom Rigshospitalet in Kopenhagen war bereits im vergangenen Jahr im „American Journal of Psychiatry“ veröffentlicht worden. Zwar handelte es sich „nur“ um eine epidemiologische Studie, die keine direkte Kausalität beweisen kann. Doch es gilt schon lange als erwiesen, dass Östrogene und Gestagene das Gemüt negativ beeinflussen können. So haben bereits frühere Untersuchungen gezeigt, dass Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption durchführen, häufiger Antidepressiva verschrieben bekommen. Zudem werden sie öfter aufgrund von Depressionen in psychiatrische Kliniken eingewiesen.

Offensichtlich gilt dies insbesondere für jüngere Frauen. So hat eine frühere Analyse von Lidegaard und seinen Kollegen zeigen können, dass Frauen und Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren am stärksten gefährdet sind, unter oralen Kontrazeptiva eine Depression zu entwickeln. Die Rate an Erstverordnungen von Antidepressiva lag bei jungen Frauen, die Östrogen-Gestagen-Pillen erhielten, um 80 Prozent und bei reinen Gestagepräparaten um 120 Prozent höher als bei denjenigen, die keine hormonelle Kontrazeption erhielten.

 

Bei auftretenden Stimmungsschwankungen an den Arzt wenden

Die Wahrscheinlichkeit für eine Depression ist offenbar aber auch von der Dauer des Hormongebrauchs abhängig. So war in der früheren Studie nach sechsmonatiger Behandlung ein durchschnittlicher Risikoanstieg um 40 Prozent zu verzeichnen, nach ein bis vier Jahren um 20 Prozent und nach vier bis sieben Jahren um 10 Prozent.

Nun konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es bei Frauen, welche die Pille oder andere hormonelle Kontrazeptive einnahmen, im Vergleich zu Frauen, die das nicht taten, dreimal häufiger zu einem vollendeten Suizidversuch kam. Die stärkste Assoziation bestand dabei zwei Monate nach Beginn der Kontrazeption. Die Arzneimittelbehören fordern betroffene Frauen daher auf, sich im Falle des Auftretens von Stimmungsschwankungen oder depressiven Symptomen so schnell wie möglich mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen.

Foto: © pixelfreund - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Depression , Suizid , Antibabypille
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hormonelle Kontrazeptiva

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Starkes Übergewicht und Mangelernährung sind zwei Risikofaktoren für eine schwere Infektion mit dem Coronavirus. Ein Ernährungsmediziner erklärt, mit welcher Ernährung man das Immunsystem stärken kann.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.