. Corona-Krise

Anstieg von Depressionen bei Senioren befürchtet

Der soziale Austausch fehlt und die Unsicherheit, was kommen wird, ist groß: Die Corona-Krise ist für viele Menschen eine psychische Belastung, für ältere Menschen jedoch ganz besonders. Experten befürchten nun eine Zunahme von Depressionen bei Senioren.
Corona-Krise, Depressionen, Senioren, ältere Menschen

Die soziale Isolation während der Corona-Krise setzt besonders älteren Menschen zu

Schon vor der Corona-Krise wurde deutlich: Immer mehr ältere Menschen leiden unter Depressionen. In der aktuellen Situation fürchten Experten nun, dass sich die Situation noch verschlimmern könnte. Denn Einsamkeit und Ängste sind gerade für Senioren schwer zu verkraften. Während junge Menschen sich häufig über Social Media, WhatsApp und Skype verbinden, bleiben die Älteren aktuell oft tage- und wochenlang ohne Ansprechpartner. Für diejenigen, die sowieso schon unter psychischen Problemen leiden, ist das besonders gefährlich.

Altersdepressionen nehmen zu

Einer Datenanalyse der KKH Kaufmännische Krankenkasse sind in Deutschland über drei Millionen Menschen über 60 Jahren von Depressionen betroffen. Aufgrund der Corona-Krise rechnet die KKH mit einem weiteren Anstieg. Da ältere Menschen zur Corona-Risikogruppe gehören, haben sie nicht nur besonders stark mit Ängsten zu kämpfen, sondern müssen noch mehr als andere auf persönliche Kontakte verzichten, um sich nicht anzustecken.

Vor allem Frauen sind gefährdet, denn sie sind etwa doppelt so häufig von einer sogenannten Altersdepression betroffen wie Männer. Allerdings registriert die KKH bei den Männern einen mehr als doppelt so hohen Anstieg als bei den Frauen.

 

Depressionen bei Senioren nicht verharmlosen

Die Gründe für die steigende Zahl an Betroffenen – auch schon vor der Corona-Pandemie – sind vielfältig. Sie reichen von traumatischen Erlebnissen in früherer Zeit über gegenwärtige Krisen etwa durch den Tod des Partners bis hin zu nachlassender Fitness und mangelnder Akzeptanz in der Gesellschaft. Zudem stecken häufig andere Erkrankungen oder psychische Störungen hinter depressiven Leiden bei Senioren – etwa eine Angststörung oder Demenz.

Ähnlich wie eine beginnende Demenz können sich auch Altersdepressionen in Konzentrations-, Sprech- und Gedächtnisstörungen äußern. Trotz der hohen Diagnoseraten bei Senioren gelten Depressionen in der Gesellschaft immer noch als Krankheit, die eher im jungen und mittleren Lebensalter auftritt. Altersdepressionen werden daher schnell verkannt oder bagatellisiert, denn eine anhaltende gedrückte Stimmung bei Älteren wird häufig als eine normale Reaktion auf das bislang Erlebte beziehungsweise die Widrigkeiten des Lebens wahrgenommen. Das kann dazu führen, dass die Krankheit im Alter häufig gar nicht oder falsch behandelt wird.

Zuhören und einen Arzt aufsuchen

Darüber hinaus geben sich Betroffene oft selbst die Schuld, wenn sie entkräftet und hoffnungslos sind und gehen deshalb nicht zum Arzt. Viele Senioren haben aber nicht nur mit Antriebslosigkeit, Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen, sondern in der Folge auch mit körperlichen Leiden zu kämpfen. Umgekehrt können physische Erkrankungen durch Vereinsamung in eine Depression münden. Das kann geschehen, wenn Menschen nicht mehr allein aus dem Haus gehen können, oder, wenn sie, wie jetzt in der Corona-Krise, keinen Besuch mehr empfangen können.

Wer sich Sorgen macht, dass ein Angehöriger unter Depressionen leidet, sollte darauf hinwirken, dass dieser zunächst zu seinem Hausarzt geht. Dort können körperliche Ursachen für die Symptome ausgeschlossen und gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet werden. Wichtig ist es zudem, zuzuhören und Hilfe anzubieten, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Foto: © Adobe Stock/didesign

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin , Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter , Coronavirus , Depression
 

Weitere Nachrichten zum Thema Depressionen im Alter

| Welche Effekte hat die Corona-Pandemie auf Menschen mit geringer Resilienz? Was hilft bei Sorgen und Ängsten in einer Pandemie, die viele Menschen als nicht beeinflussbar empfinden? Und wie gestaltet sich die Versorgung von Patienten in der Psychiatrie? Zu diesen Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit Dr. Iris Hauth, Ärztliche Direktorin im Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee, einen Podcast durchgeführt.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Gäbe es bereits ausgereifte Robotersysteme in Medizin und Pflege, würde das Corona-Infektionsrisiko für Ärzte und Pfleger sinken. Über den Stand der Entwicklung intelligenter Roboterwerkzeuge, den Schub für Digitalisierung und Robotik durch den EU-Aufbaufonds nach der Coronakrise und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei intelligenten und sichereren Assistenzrobotern hat Gesundheitsstadt Berlin mit Prof. Dr. Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence an der TU München, einen Podcast durchgeführt.
Rund 60.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland vorzeitig aufgrund hoher Feinstaubbelastung der Luft. Gegen die Luftverschmutzung auf der Straße kann der Einzelne wenig ausrichten. Gegen Ultrafeinstaub in der Wohnung aber offensichtlich schon. Nach einer Studie des Leibniz-Instituts sind die Luftschadstoffe zu Hause vor allem eines: hausgemacht.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.