Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Ansteckungsgefahr beim Einsteigen ins Flugzeug besonders hoch

Beim Einsteigen ins Flugzeug, dem so genannten Boarding, ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Infektionskrankheiten können sich dabei leicht verbreiten, warnen US-Forscher.
Flugzeug-Passagiere

Besonders beim Einsteigen ins Flugzeg können Passagiere sich bei anderen anstecken

Forscher der Florida State University setzten eine Computer-Simulation ein, um die Dynamik von Krankheitsübertragungen in der zivilen Luftfahrt nachzuvollziehen. Danach sind die Flugzeugkabinen ein fruchtbarer Boden für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Hintergrund war die sich 2014 auch durch Reisende ausbreitende, in Westafrika grassierende Ebola-Epidemie. Verfahren, die dafür sorgen sollen, die Passagiere schnell und effizient im Flugzeug zu verteilen, begünstigen die Verbreitung von Erregern, so Informatik-Professor Ashok Srinivasan.

Sein Team verwendete Supercomputer-Simulationen, um unter hunderten von internationalen Flügen diejenigen zu identifizieren, die am anfälligsten für die Ausbreitung der Infektionskrankheit waren. Die Forscher gaben dabei variable menschliche Verhaltensmuster ein: Wie lange brauchen die Passagiere, um ihr Gepäck in der Klappe über ihren Sitzen zu verstauen? Wann hat auch der letzte Nachzügler seinen Platz eingenommen? Ein Szenario dauerte 20 Minuten.

Ansteckungsgefahr beim Einsteigen ins Flugzeug am größten

Das Einsteigen barg dabei mehr Ansteckungs-Risiken als das Aussteigen. Das Drei-Zonen-Boarding-System, das viele Fluggesellschaften einsetzen, ist dabei deutlich riskanter als andere Boarding-Methoden. Dabei stehen die Passagiere in drei Wartenzonen zusammen. „Die Menschen in der gleichen Zone neigen dazu, sehr nah aneinander zu stehen. So lassen sich Infektionen leicht übertragen“, erläutert Srinivasan.

Den Forschern zufolge könnte eine bessere Option ein Zwei-Zonen-System sein, bei dem das Flugzeug in Längsrichtung in zwei Abschnitte geteilt wird, wobei die Passagiere erst auf der rechten und dann auf der linken Seite jeweils zufällig einsteigen. Diese System ist zwar weniger effizient, doch die dem Zufallsprinzip gehorchenden Boarding-Muster reduzierten die Passagier-Cluster, in denen Infektionen gedeihen.

 

20 neue Ansteckungen pro Monat

„Im Großen und Ganzen dauert das zufällige Boarding länger, aber wenn die Passagiere die Wahl hätten zwischen Ebola und ein paar Minuten mehr Wartezeit auf ihren Sitzplatz, würden sie sicher das letztere bevorzugen“, so der Wissenschaftler. Die Studie zeigte auch, dass sich Infektionen in kleineren Flugzeuge seltener verbreiten als in größeren Maschinen. Größere Passagier-Gruppen erhöhen das Risiko, sich mit einer übertragbaren Krankheit anzustecken.

Nach dem Rechenmodell läge die Wahrscheinlichkeit, sich mit Ebola anzustecken, bei den derzeitigen Boarding-Routinen bei  67 Prozent. Das wären  20 neue Infektionen pro Monat. Durch den Einsatz kleinerer Flugzeuge und anderer Einstiegs-Strategien reduziere sich diese Wahrscheinlichkeit auf 13 Prozent.

Die entsprechende Studie erschien im Fachmagazin Physical Review.

Foto: asawinklabma/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Ebola
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ebola

07.01.2015

Der Ursprung der akuten Ebola-Epidemie scheint aufgeklärt. Ein zweijähriger Junge aus Guinea soll sich vor gut einem Jahr beim Spielen in einem hohlen Baum an Fledermaus-Exkrementen angesteckt haben. An der Detektivarbeit waren auch deutsche Wissenschaftler beteiligt.

23.10.2014

Der Hamburger Ebola-Patient ist trotz schwerer Komplikation geheilt. Ärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf konnten den WHO-Mitarbeiter allein mit intensivmedizinischen Maßnahmen retten – ganz ohne experimentelle Mittel. Der Fall könnte Wissenschaftlern wichtige neue Erkenntnisse liefern.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Mit einer steilen These hat sich der Berliner Infektionsschutzexperte Klaus-Dieter Zastrow in die laufende Debatte über Wege aus den Lebensbeschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie eingeschaltet. „Warum desinfizieren wir uns nicht die Mundhöhle, da wo das Virus sitzt?", sagte Zastrow im TV-Sender Phoenix. Wenn man das befolge, könnten Schulen, Geschäfte, Restaurants und Kulturstätten in Kürze wieder öffnen.

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
 
Kliniken
Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.

Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin