Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Anspruch auf Zweitmeinung vor dem Einsetzen einer Kniegelenk-Prothese

Freitag, 30. Oktober 2020 – Autor:
Der Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung gilt künftig auch vor dem geplanten Einsetzen einer Knie-Endoprothese.
Knie-Endoprothese, Gelenkschmerzen, Knie-Operation

Vor dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks kann sich der Patient von einem zweiten Arzt beraten lassen – Foto: ©RFBSIP - stock.adobe.com

Der Anspruch von Patienten auf eine qualifizierte ärztliche Zweitmeinung gilt künftig auch bei dem geplanten Einsetzen einer Knie-Endoprothese. Bei dieser Operation wird das natürliche Kniegelenk ganz oder teilweise durch eine Prothese aus Metall und Kunststoff ersetzt.

Unabhängige Fachärzte prüfen im Zweitmeinungsverfahren, ob die empfohlene Operation medizinisch notwendig ist, und beraten die Versicherten zu möglichen Behandlungsalternativen - und zwar auf Kassenkosten. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA).

Knieprothese besonders häufig bei Arthrose

Knieprothesen-Implantationen werden in der Regel bei einer fortgeschrittenen degenerativen Erkrankung des Kniegelenks, insbesondere bei einer Arthrose, erwogen. Die Zahl dieser Eingriffe steigt in Deutschland in den letzten Jahren fast kontinuierlich an - aktuell werden bundesweit rund 190.000 Implantationen pro Jahr durchgeführt. Analysen zeigen hierbei deutliche regionale Unterschiede bei Erstimplantationen.

Zu den konservativen und weniger invasiven Behandlungsmöglichkeiten von Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Kniegelenk gehören insbesondere Physiotherapie sowie eine medikamentöse Therapie. Das neue Zweitmeinungsverfahren greift, wenn Patienten die Implantation einer Total- oder Teilendoprothese des Kniegelenks empfohlen wird. Der Anspruch besteht auch, wenn es sich um eine Revisionsoperation, also einen Folge-, Wechsel- oder Korrektureingriff an der Knie-Endoprothese, handelt.

 

Medizinisch nicht gebotene Eingriffe vermeiden

Ziel des Angebots ist es, Patienten bei der Entscheidung für oder gegen eine solche Operation zu unterstützen und medizinisch nicht gebotene Eingriffe am Kniegelenk zu vermeiden. Der G-BA beauftragte zudem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wissenschaftlich fundierte und unabhängige Gesundheitsinformationen zu Knie-Endoprothesen zu erstellen. Das IQWiG veröffentlicht hierzu eine Entscheidungshilfe auf seiner Website.

Fachärzte folgender Fachrichtungen können die Genehmigungg erhalten, Zweitmeinungsleistungen zu einer geplanten Knie-Endoprothese abzurechnen: Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädie, Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie, Physikalische und Rehabilitative Medizin. Sie werden auf der Website des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter www.116117.de/zweitmeinung zu finden sein.

Anspruch auf Zweitmeinung vor Einsetzen der Kniegelenk-Prothese

Der Beschluss über den Anspruch auf Zweitmeinung bei einer Kniegelenk-Prothese wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Er tritt nach Nichtbeanstandung durch das BMG und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Bislang besteht ein vom G-BA geregelter Zweitmeinungsanspruch bei Operationen an den Gaumen- und/oder Rachenmandeln (Tonsillektomien, Tonsillotomien), bei Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) und arthroskopischen Eingriffen am Schultergelenk. Der Beschluss des G-BA zum Zweitmeinungsverfahren bei Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom ist noch nicht in Kraft getreten.

Foto: Adobe Stock/RFBSIP

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Chirurgie , Gelenke
 

Weitere Nachrichten zum Thema Knieschmerzen

05.01.2021

Moderne Kunstgelenke halten in der Regel viele Jahre: 15 Jahre nach der Operation haben mehr als 80 Prozent der Patienten noch ihre ursprüngliche Prothese. Trotz medizinischer, technischer und qualitativer Fortschritte hält ein Gelenkersatz nicht ewig. Durch ihren Lebensstil und den bewussten Umgang mit den Gelenken können Betroffene das Kunstgelenk aber schützen und dessen Lebensdauer verlängern.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ein Schrank voller Nudeln, Klopapier und Wasserflaschen: Das ist eine Art, mit aktuellen Krisen wie Ukraine-Krieg und Klimawandel umzugehen. Eine weitere Art ist, alles zu tun, dass man psychisch stabil und gesund bleibt. Experten sagen: Das kann man lernen.

Wespen und Stechmücken haben sich gemeinsam mit dem Sommer verabschiedet. Ruhe vor lästigen Insekten haben wir damit nicht. Zecken etwa sind weiterhin aktiv – solange das Thermometer die 8-Grad-Marke nicht unterschreitet. Beim Pilze-Sammeln heißt es deshalb: aufpassen!

Fieber, Husten, Insektenstiche: Wickel aus Kartoffeln oder Quark können wärmen oder kühlen und damit leichte Erkrankungen und sogar Schmerzen bei Kleinkindern lindern helfen. Experten erklären, wie man dieses Hausmittel richtig anwendet.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin