. Neuer Behandlungsansatz

Angstlösendes Mittel schaltet chronischen Juckreiz ab

Chronischer Juckreiz ist nicht nur zermürbend, sondern auch schwer zu therapieren. Linderung verspricht jetzt ein experimentelles Medikament aus der Schweiz. Es dockt an Rezeptoren an, die den Juckreiz in den Nervenzellen unterdrücken.
chronischer Juckreiz, Behandlung

Neuer Behandlungsansatz bei chronischem Juckreiz: Bei Hunden funktioniert er schon

Wenn’s mal juckt, ist das ganz schön unangenehm. Aber meist hat der Juckreiz einen sichtbaren Grund, etwa ein Mückenstich, und ist nach ein paar Tagen wieder verschwunden. Anders bei Menschen, die unter chronischem Juckreiz leiden. Neben Neurodermitis können etwa Nieren- oder Lebererkrankungen einen immer wiederkehrenden oder gar ständigen Juckreiz verursachen. Das ist zermürbend, zumal es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gibt. Oft werden dann Medikamente verschrieben, die die eigentlich für andere Krankheiten entwickelt wurden, zum Beispiel Antidepressiva oder Immunsuppressiva. Diese "Verlegenheitsmedikamente" verschaffen den Betroffenen häufig nicht die erhoffte Linderung und haben dazu noch Nebenwirkungen.

Juckreiz wird nicht weitergeleitet

Nun verspricht ein experimenteller Ansatz der Universität Zürich, akuten und chronischen Juckreiz zu lindern. Der Trick: Ein ursprünglich als angstlösendes Medikament entwickelter Arzneistoff dockt an zwei kürzlich entdecke Rezeptoren und verhindert, dass das Juckreizsignal weitergeleitet wird. Oder anders ausgedrückt: Die Wirkung bestimmter Nervenzellen im Rückenmark, die die Weiterleitung von Juckreizsignalen ins Hirn hemmen, wird durch das Mittel verstärkt.

 

Ekzeme schneller geheilt

Bisher wurde der Wirkstoff an Mäusen und Hunden getestet: Bei ihnen verschwand offenbar nicht nur der akute Juckreiz, sondern auch chronischen Juckbeschwerden bei ekzemartigen Veränderungen der Haut: „Mäuse, die den Arzneistoff verabreicht bekamen, kratzten sich weniger und ihre Hautveränderungen verheilten deutlich schneller als bei Tieren, die mit Plazebo behandelt wurden“, berichtet Prof. Hanns Ulrich Zeilhofer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Dieselbe juckreizlindernde Wirkung habe sich auch in Versuchen mit Hunden gezeigt. Unerwünschte Nebenwirkungen seien in keinem der Experimente aufgetreten. 

Ähnliche Wirkung bei Menschen erhofft

„Die Ergebnisse unserer Studie lassen hoffen, dass die Substanz, die wir getestet haben, auch beim Menschen wirkt“, so der Pharmakologe. Gleichzeitig seien die Erkenntnisse für die Tiermedizin wertvoll, denn, so Zeilhofer: «Haushunde leiden wie Menschen häufig an chronischem Juckreiz. Auch sie können also von einer neuen Therapie profitieren.“

Die am Juckreiz beteiligten Nervenzellen hatte Zeilhofers Arbeitsgruppe bereits vor drei Jahren entdeckt. Anschließend konnten die Forscher mithilfe von genetischen Mausmodellen zwei spezifische Rezeptoren identifizieren, über die sich die Wirkung der besagten Nervenzellen im Rückenmark steuern lässt. Es handelt sich dabei um Rezeptoren aus der GABA-Familie, über die zum Beispiel Benzodiazepine oder andere Schlaf- und Beruhigungsmittel wirken. Das jetzt in Zürich erfolgreich getestete Medikament dockt an den beiden neu entdeckten GABA-Rezeptoren an.

Aufgrund der viel versprechenden Ergebnisse entwickeln die Forscher die Substanz nun zusammen mit einer Firma zu einem Arzneimittel für die Human- und Tiermedizin weiter.

Foto: © sushytska - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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