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Angst und Depression in der Schwangerschaft: Probleme früher erkennen

Montag, 28. Januar 2019 – Autor: anvo
Nicht jede werdende Mutter durchlebt eine glückliche Schwangerschaft. Viele von ihnen leiden unter Ängsten, Stress und Depressionen. In Baden-Württemberg startet nun ein erstes systematisches Screening und Behandlungsprogramm für psychisch belastete Schwangere. Damit sollen Probleme früher erkannt werden.
Schwangerschaft, Depression in der Schwangerschaft

Schwangeren mit Depressionen kann geholfen werden

Während und nach einer Schwangerschaft erleben viele Frauen ein Auf und Ab der Gefühle. Dabei können Traurigkeit oder Angst so stark zunehmen, dass sich eine ernsthafte Depression daraus entwickelt. Dazu gehört nicht nur eine gedrückte und niedergeschlagene Stimmung, Interessenverlust und Antriebslosigkeit, sondern auch übermäßige Selbstzweifel, Schuldgefühle und Schlafstörungen. Bis zu 20 Prozent der werdenden Mütter sind Studien zufolge von einer Depression und bis zu 25 Prozent von Ängsten betroffen. Nun soll das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) geförderte „Programm für mehr Achtsamkeit in der Schwangerschaft“ (Mind:Pregnancy) Schwangere gezielt auf Störungen der Stimmungslage untersuchen lassen und damit eine Versorgungslücke schließen.

Neues Vorsorgeprogramm startet Ende Januar

Am 28. Januar 2019 startet das neue Pilotprojekt in ganz Baden-Württemberg. Rund 15.000 Frauen können im Rahmen des Projektes versorgt werden. Schwangere, die bei einer der beteiligten Krankenkassen (Techniker Krankenkasse, mhplus Betriebskrankenkasse, AOK Baden-Württemberg, BARMER und die über die GWQ ServicePlus AG teilnehmenden Betriebskrankenkassen) versichert sind, können sich auf freiwilliger Basis mit einem Fragebogen auf Anzeichen von Depressionen, Ängsten und Stress untersuchen lassen.

Zeigt sich in dieser ersten Untersuchung durch den behandelnden Frauenarzt, dass eine schwangere Frau eine starke psychische Belastung hat, wird sie durch Mitarbeiter der an dem Projekt teilnehmenden Universitätsfrauenkliniken Heidelberg und Tübingen kontaktiert und bekommt direkt psychologische Hilfe. Schwangere, die mildere Anzeichen von Störungen der Stimmungslage zeigen, werden eingeladen, an einem onlinebasierten Selbsthilfeangebot zur Achtsamkeit teilzunehmen.

 

Psychische Probleme der Mutter belasten auch die Kinder

„Mithilfe des Online-Angebotes werden Schwangere mit Anzeichen für eine psychische Belastung unter anderem im Umgang mit Ängsten und körperlichen Veränderungen geschult. Zudem sollen durch diese Maßnahme das Selbstvertrauen und die Lebensqualität gefördert werden“, so Dr. Stephanie Wallwiener, Projektleiterin und Privatdozentin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. In dem insgesamt über dreieinhalb Jahre laufenden Projekt wird untersucht, ob die mit dem Mind:Pregnancy-Selbsthilfeangebot versorgten Schwangeren weniger depressive Symptome haben als Patientinnen, denen diese Form der Selbsthilfe nicht zur Verfügung steht.

„Das Programm Mind:Pregnancy schließt eine Versorgungslücke, denn bisher erfolgt keine systematische Erhebung der psychischen Belastung von Schwangeren im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen“, sagt Prof. Dr. Markus Wallwiener, Geschäftsführender Oberarzt der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik. Durch das Screening und passende Maßnahmen sollen sich auch ungünstige Auswirkungen auf die Kinder verringern lassen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich psychische Probleme in der Schwangerschaft negativ auf die motorische und geistige Entwicklung des Kindes auswirken können sowie mit kindlichen Verhaltensstörungen und ADHS in Verbindung stehen.

Bei Erfolg bundesweites Screening möglich

„Die Datenlage verdeutlicht die Notwendigkeit wirksamer Screening-, Präventions- und Interventionsprogramme, um Hinweise auf psychische Störungen frühzeitig zu erkennen und den betroffenen Frauen Unterstützungs- und Therapieangebote zugänglich zu machen“, so Prof. Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. „Sollten die Projekt-Daten diese Annahmen bestätigen, wäre eine Ausweitung des Screenings im Rahmen der Regelversorgung auf das gesamte Bundesgebiet sinnvoll.“

Foto: © kieferpix - Fotolia.com

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