Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Angst beeinflusst das Immunsystem

Mittwoch, 11. Oktober 2017 – Autor:
Angst kann auf Dauer das Immunsystem beeinflussen. Das fanden Forscher Helmholtz Zentrums München und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie heraus.
Angst

Chronische Angst beeinflusst das Immunsystem – Foto: ©pichetw - stock.adobe.com

Angst ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers. Sie entsteht, wenn auf auslösende Stimuli eine übermäßige Stress-Reaktion folgt. Ist die Angst nicht mehr kontrollierbar, und sind Betroffene länger solch extremen Stress-Reaktionen ausgesetzt, führt dies zu Veränderungen, die sich auch ungünstig auf das Immunsystem auswirken. Das fanden Forscher des Helmholtz Zentrums München und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie heraus.

Den ersten Hinweis lieferte die KORA F4-Studie. Dafür wurden 1.522 Erwachsenen im Alter von 32 bis 72 Jahren, die aus Augsburg und den angrenzenden Landkreisen stammten, Blutproben entnommen. Einige Probanden litten an einer Angststörung.

ASB1-Gen spielt im Immunsystem eine wichtige Rolle

Mithilfe der Blutproben wollten die Wissenschaftler mehr über die sogenannte DNA-Methylierung erfahren. Dies ist ein Teil der Epigenetik, einem wichtiger Vermittler zwischen Genen und Umwelt. Bei Personen, die unter Angstsymptomen litten, nahm die DNA-Methylierung des Gens ASB1 um fast 50 Prozent zu, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

Das ASB1-Gen kann die Bildung von Zellen in verschiedenen Geweben, einschließlich Blut und Gehirn, anstoßen und spielt nicht nur im Nervensystem, sondern auch im Immunsystem eine wichtige Rolle. Schwere Angst beeinflusst danach anscheinend das stressempfindliche ASB1-Gen.

 

Auch bei Mäusen zeigten sich Veränderungen

Dies wurde dann in einem klinischen Versuch an 131 Patienten untersucht, die an einer Angststörung litten und keine Medikamente nahmen. Die Kontrollgruppe bildeten 169 gesunde Probanden. Auch hier zeigte sich die veränderte Regulierung von Stress und Angst durch das ASB1-Gen.

Die Ergebnisse wurden in ein Tiermodell übertragen. Ergebnis: Auch bei Mäusen konnte die Bedeutung des ASB1-Gens für die Regulation von Stress und Angst nachgewiesen werden.

Angst beeinflusst das Immunsystem

Dass Stress und Angst mit epigenetischen Veränderungen einhergehen, die nicht nur das Gehirn, sondern auch das Immunsystem beeinflussen, könnte ein wichtiger Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung von Diagnose, Therapie und Prävention dieser häufigen psychischen Erkrankung sein, schlussfolgern die Wissenschaftler. Die entsprechende Studie erschien im Fachmagazin Neuropsychopharmacology.

Foto: pichetw/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Angst
 

Weitere Nachrichten zum Thema Angst

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Zur Senkung hoher Cholesterinwerte werden Statine als Mittel der Wahl eingesetzt, da sie wirksam vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Berichte über Nebenwirkungen verunsichern viele Patienten. Wie sicher und verträglich sind diese Cholesterinsenker?

 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin