. Hirnaneurysma

Aneurysma-Screening bei familiär vorbelasteten Patienten sinnvoll

Hirnaneurysmen können zu lebensbedrohlichen Hirnblutungen führen. Da Aneurysmen familiär gehäuft auftreten, kann für Verwandte von Betroffenen die vorsorgliche Untersuchung bei einem Neuroradiologen sinnvoll sein.
Aneurysma-Screening bei familiär vorbelasteten Patienten sinnvoll

Aneurysmen können Hirnblutungen verursachen

Etwa zwei bis drei Prozent aller Erwachsenen entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Hirnaneurysma: Dabei erweitert sich ein Blutgefäss im Gehirn sackartig oder spiralförmig. Bei der Mehrzahl der Patienten - rund 200 000 im Jahr - finden Ärzte das Aneurysma zufällig, etwa bei Abklärung anderer Erkrankungen mittels Computertomografie oder Magnetresonanzangiografie.

"Für Patienten kommt die Diagnose Aneurysma dem Gefühl gleich, eine ‚Zeitbombe im Kopf' zu tragen: Denn ein Aneurysma birgt stets die Gefahr zu reissen und eine lebensbedrohliche Hirnblutung zu verursachen", sagt Professor Dr. med. Jens Fiehler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neuroradiologische Diagnostik und Intervention am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf "Das Risiko einer Ruptur liegt bei etwa fünf Prozent in einem Zeitraum von fünf Jahren." Reisst das Aneurysma, kommt es zu einer Blutung im Gehirn, der sogenannten Subarachnoidalblutung, die das Leben akut gefährdet. Nur etwa jeder zweite Betroffene überlebt.

Ein Hirnaneurysma kann eine lebensgefährliche Hirnblutung auslösen

Da Hirnaneurysmen familiär gehäuft auftreten, kann für Verwandte von Betroffenen die vorsorgliche Untersuchung bei einem Neuroradiologen jedoch sinnvoll sein. Für Verwandte ersten Grades eines Betroffenen ist das Risiko, selbst ein Aneurysma zu tragen, drei- bis siebenfach erhöht. Sind zwei erstgradige Verwandte betroffen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf bis zu 20 Prozent. "Bei Menschen, in deren nahem Verwandtenkreis bereits Aneurysmen oder Subarachnoidalblutungen aufgetreten sind, kann eine Abklärung deshalb sinnvoll sein", so Fiehler. Denn im Falle eines Funds besteht die Möglichkeit einer "Entschärfung" des Aneurysmas, etwa durch die endovaskuläre Therapie. Dabei führen Neuroradiologen durch einen Katheter haarfeine, platinbeschichtete Spiralen in das Blutgefäss ein und füllen die Aussackung damit teilweise aus. "Die Spiralen verhindern die weitere Blutzirkulation im Aneurysma, was das Risiko einer Subarachnoidalblutung senkt", erklärt Fiehler.

Bei 5 Prozent kommt es während der Behandlung zu Komplikationen

Zwar hat sich das Behandlungsrisiko der endovaskulären Therapie in den letzten Jahren deutlich vermindert. Aber bei etwa fünf Prozent der Patienten kommt es während der Behandlung zu Komplikationen. Ähnlich risikobehaftet ist auch der chirurgische Eingriff zur Ausschaltung eines Aneurysmas. "Bereits vor Durchführung eines Screenings müssen Arzt und Patient deshalb genau abwägen, was der Befund eines Aneurysmas für die Lebensqualität des Betroffenen bedeutet und welche Risiken eine Behandlung für den Patienten birgt", betont der Experte.

Auf jeden Fall sollten sich Patienten zur Behandlung in spezialisierte Zentren begeben, rät die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) zur Behandlung von Aneurysmen in spezialisierten Zentren. Denn die Qualität der Untersuchung und Behandlung entscheidet massgeblich über das Ergebnis. Die DGNR empfiehlt dies nicht nur, um eine lebensgefährliche Hirnblutung abzuwenden, sondern auch, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Denn diese ist bei den meisten Patienten durch das Wissen um eine ‚Zeitbombe im Kopf' erheblich beeinträchtigt. Die Experten raten allerdings davon ab, Patienten reihenweise zu untersuchen und zu behandeln. Denn Nutzen und Risiken eines Screenings und der anschliessenden Behandlung des Aneurysmas müssten bei jedem Patienten individuell abgewogen werden.

Foto: Fiehler J et al. Fortschr Röntgenstr 2012; 184: 97-104, Georg Thieme Verlag KG

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