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Aneurysma: beobachten oder behandeln?

Aneurysmen bleiben häufig unbemerkt. Werden sie dann doch – meist durch Zufall – entdeckt, besteht oft Unsicherheit, ob und wie sie zu behandeln sind. Forscher haben nun ein neues Beurteilungssystem entwickelt, das die Entscheidung erleichtern soll.
Aneuryma richtig behandeln

Ein Aneurysma kann lange unauffällig bleiben

Bei einem Aneurysma handelt es sich um eine Aussackung beziehungsweise Erweiterung einer Arterie. Am häufigsten kommt sie im Bauchraum oder in den Hirngefäßen vor. Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind Schätzungen zufolge von einem Aneurysma betroffen. Häufig wird es gar nicht oder zufällig entdeckt. Viele dieser Aneurysmen verursachen keine Beschwerden, so dass sich die Frage stellt, ob man es gleich behandeln oder erst einmal mit einer Therapie warten sollte. Unter Leitung der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf hat nun ein internationales Forscherteam weltweit erstmalig ein systematisches Beurteilungsmodell für die Behandlung von unrupturierten Aneurysmen der Hirngefäße entwickelt. Das sogenannte „Unruptured Intracranial Aneurysm Treatment Score“-System (UIATS) soll die Therapieentscheidung bei Patienten vereinheitlichen und optimieren. Die Forscher haben ihre Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.

Aneurysmen werden oft zufällig entdeckt

Aneurysmen werden aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit bildgebender Verfahren, wie beispielsweise der Magnetresonanztomographie (MRT), immer häufiger zufällig entdeckt. Die Einschätzung über eine adäquate Behandlung fällt dann abhängig vom Arzt häufig sehr verschieden aus. Vor allem geht es dabei um die Abwägung zwischen dem Risiko für Komplikationen bei der Durchführung eines Eingriffs und der Gefahr einer eventuell lebensbedrohlichen Blutung durch Platzen des Aneurysmas bei der Verlaufsbeobachtung.

Um hier mehr Klarheit zu schaffen, riefen vor vier Jahren 39 weltweit anerkannte Aneurysmaexperten eine fächerübergreifende Arbeitsgruppe unter Leitung von Neurochirurgen der Universitätskliniken Düsseldorf und Toronto ins Leben. Ziel war es, ein System zu entwickeln, das alle relevanten Faktoren bei der Beurteilung eines Aneurysmas berücksichtigt und behandelnden Ärzten die Entscheidung über eine Behandlung erleichtert.

 

Therapie eines Aneurysmas abwägen

Als entscheidend für die Behandlung gelten demnach verschiedene Faktoren wie Größe, Form und Ort des Aneurysmas sowie Alter und Lebenserwartung des Patienten. So ist beispielsweise bei einem 77-jährigen Patienten mit einem glatt geformten, fünf Millimeter großen Aneurysma sowie dem gleichzeitigen Vorliegen von Lungenkrebs die Verlaufsbeobachtung die adäquate Variante. Eine 32 Jahre alte rauchende Frau mit Bluthochdruck und einem irregulär geformten, ebenfalls fünf Millimeter großem Aneurysma würde man hingegen eher invasiv behandeln. Die Gültigkeit der Therapieempfehlungen des UIATS-Systems wurde mit hoher Übereinstimmung von 30 weiteren unabhängigen Aneurysmaexperten bestätigt.

Foto: © freshidea - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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