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25.06.2016

Anabolika führen dem Körper schweren Schaden zu

Der Muskelaufbau durch Anabolika hat einen hohen Preis: Die Hormonpräparate können Organe schädigen und zu Schlaganfällen bis zu Herzversagen führen. Eine weitere Nebenwirkung sind Depressionen nach Absetzen des Präparats.
Muskel-Tuning mit Anabolika ist gefährlicher als viele meinen. Immer wieder kommt es zu Todesfällen bei jungen Sportlern

Muskel-Tuning mit Anabolika ist gefährlicher als viele meinen. Immer wieder kommt es zu Todesfällen bei jungen Sportlern

Sie werden in Fitness-Studios und vor allem im Internet angeboten: Illegale Anabolika sind eigentliche Hormonpräparate. In Fachkreisen werden sie auch „Performance and appearance enhancing drugs“ – kurz PEAD genannt. Sportler, Bodybuilder und zunehmend auch Freizeitsportler nutzen die Mittel zum Muskelaufbau und zur Leistungssteigerung. Doch viele bezahlen das mit schwersten Nebenwirkungen. Dazu gehören Schädigungen von Herz, Leber und Nieren. Den Anwendern drohen Thrombosen, Schlaganfälle und schlimmstenfalls der Tod durch Leber- oder Herzversagen. Nach dem Absetzen können Sportler außerdem langanhaltende Depressionen bekommen. Das berichteten Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) auf ihrer Jahrestagung am 17. bis 18. Juni in Köln. Immer wieder habe es Todesfälle von Freizeitsportlern gegeben, die nach der langjährigen und hochdosierten Einnahme von Anabolika in jungen Jahren an Herzversagen gestorben seien, hieß es.

Immer wieder sterben junge Freizeitsportler an den Nebenwirkungen

„Die Einnahme von Anabolika wird häufig bagatellisiert“, kritisierte Prof. Eberhard Nieschlag aus Münster. Anders als im Leistungssport, wo ein Ausschluss drohe, hätten Freizeitsportler wenig zu befürchten. „Das ist ein fataler Irrtum“, so der Hormonexperte. Er berichtete von den Todesursachen, wonach Pathologen bei der Autopsie oft eine ausgedehnte Verkalkung der Blutgefäße vorfänden. „In den Herzkranzgefäßen kann dies einen Herzinfarkt auslösen.“

Anabolika steigern die Bildung von roten Blutzellen im Knochenmark. Der gewünschte Effekt ist eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Gewebe. Der unerwünschte ist eine Verschlechterung der Fließeigenschaften des Blutes. Dadurch können sich gefährliche Blutgerinnsel bilden. „Im Gehirn hat das einen Schlaganfall, in den Lungen eine Lungenembolie und in den Beinen eine Thrombose zur Folge“, so Professor Nieschlag. Da die meisten Anabolika in der Leber abgebaut werden, kann es dem Experten zufolge bei dauerhafter Einnahme zu einer Fettleber kommen, bei einer Überdosis drohe ein tödliches Leberversagen.

 

Anabolika verändern die Psyche

Die Psyche verändert sich ebenfalls. Während der Einnahme von androgenen anabolen Steroiden sind die Anwender häufig leicht erregbar und aggressiv. Sie neigen zur Selbstüberschätzung oder entwickeln sogar psychotische Symptome. „Die Kehrseite dieser manischen Hochgefühle sind starke Depressionen, unter denen Anabolika-Anwender nach dem Absetzen über viele Jahre leiden können“, berichtete Professor Nieschlag.

Viele Sportler kombinieren verschiedene Präparate, um die Wirkung zu steigern. Doch kaum einer ist sich bewusst, welche gesundheitlichen Risiken damit verbunden sind. DGE-Sprecher Prof. Matthias Weber sieht hier die Nationale Anti Doping Agentur NADA in der Pflicht, besser über die Gefahren aufzuklären. „Freizeitsportler sind hier stärker gefährdet, da sie keinen Kontrollen unterliegen und häufig sogar größere Mengen einnehmen als die Profis“, so der Endokrinologe von der Universität Mainz.

 Foto: © Artem Furman - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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