. Digitale Gesundheit

An Deutschland rast ein Rennwagen vorbei!

Deutschland befindet sich, was die digitale Gesundheit anbelangt, auf einem guten Weg. Dieser Meinung waren zumindest Experten bei der Veranstaltung „Kompetenzzentrum Deutschland 2015“ des Wirtschaftsrates in Berlin.

Alles auf APP? Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran.

„Bis vor zwei Wochen dachte ich noch, ich könnte das alte Redemanuskript vom letzten Jahr einfach wieder verwenden“, sagte Frank Gotthardt, Vorsitzender des Vorstands der CompuGroup AG. Doch es habe sich gerade in den vergangenen Tagen und Wochen einiges verändert. „Glücklicherweise sind wir da einige Schritte vorangekommen – wir können noch nicht hundertprozentig zufrieden sein, aber wir sind auf einem guten Weg, auch weil das Thema sehr stark von den Interessen der Patienten getrieben wird“, so der Unternehmer, der auch privat das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen stark treibt. 

Telematikinfrastruktur und E-Health-Gesetz sind zwei Meilensteine der Digitalisierung

Zwei Meilensteine seien für ihn die Telematik-Infrastruktur und das E-Health-Gesetz. „Bei der Telematik bringen wir gerade eines der größten Infrastrukturprojekte, die es je in Deutschland gegeben hat, auf den Weg – und der Entwurf zum E-Health-Gesetz ist für mich ein deutliches Bekenntnis zu mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen“, so Gotthardt. Der Unternehmer warnte jedoch davor, bei allen Bemühungen das wichtigste Anliegen zu vergessen: „Auch in der Digitalisierung muss der Mensch immer im Vordergrund stehen.“ Kernfrage müsse sein, welchen Vorteil Versicherte und Patienten von mehr Digitalisierung im Gesundheitswese haben – und es müsse sichergestellt werden,  dass sie stets Herren ihrer Gesundheitsdaten bleiben. „Digitalisierung kann nicht am Menschen vorbei, sondern muss um ihn herum gebaut werden“, so Gotthardt. 

Max Müller, Chief Strategy Officer von DocMorris meinte, E-Health sei auch eine Frage des Vertrauens: „Sicherheit und Akzeptanz hängen gerade in diesem Bereich sehr stark zusammen.“ Gelinge es nicht, für mehr Akzeptanz bei den Versicherten zu sorgen, „dann rast da ein Rennwagen an uns vorbei“, so Müller. Während es schon mehr als 100.000 Gesundheits-Apps in Europa gebe, zerrede man in Deutschland die Chancen der Digitalisierung: „Wir diskutieren ernsthaft darüber, ob ein Medikationsplan bei der Verordnung von mehr als fünf Arzneimitteln verpflichtend eingeführt werden soll oder nicht – und dann auch noch auf Papier!“ 

Thema Patientenorientierung muss in E-Health-Gesetz 2.0 größere Rolle spielen!

Dr. Katja Leikert, Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für das Thema E-Health beschwichtigte die Impulsredner: „Wir fangen jetzt mal mit dem E-Health-Gesetz 1.0 an – und dann beschäftigen wir uns anschließend damit, was in ein Gesetz 2.0 reinkommen muss“, so die Bundestagsabgeordnete. Dann würde auch das Thema Patientenorientierung eine größere Rolle spielen müssen. „Meine Hoffnung ist es, dass in fünf Jahren solche Themen wie Patientenakte und der elektronische Impfpass eine Selbstverständlichkeit sind.“

Die Hoffnung aufgegeben hat Norbert Niedworok nie, „aber wir haben lange Zeit das Ziel nicht gesehen – jetzt sehen wir zumindest den Weg dahin“, so der Geschäftsführer der Vitaphone GmbH. Seiner Meinung nach wird der demographische Wandel die Digitalisierung beschleunigen: „Gerade die Zunahme der Zahl chronisch Erkrankter und der Ärztemangel in ländlichen Regionen wird uns dazu bringen, dass wir stärker auf E-Health setzen“, ist sich der Unternehmer sicher.

Foto: Fotolia - santiago silver

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Demografischer Wandel

Weitere Nachrichten zum Thema Digitale Gesundheit

| Die elektronische Gesundheitskarte wurde eingeführt, um darauf alle medizinisch relevanten Daten des Patienten zu speichern. Die Pläne gerieten ins Stocken. Die Krankenkassen AOK und TK machen nun einen eigenen Vorstoß und testen die digitale Patientenakte.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Dass körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bluthochdruck Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen sind, ist bekannt - wie ungleich diese innerhalb Deutschlands verteilt sind, jedoch weniger. Eine Studie zeigt, dass Menschen aus dem Ostteil des Landes ein ungünstigeres Risikoprofil aufweisen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.