. Kriminalpsychologie

Amokläufer selten psychisch krank

Neueste Auswertungen zeigen: Amokläufer sind nicht psychisch krank, sondern leiden unter sozialer Isolation und persönlichem Versagen. Oft gibt es für die Tat schon Warnzeichen im Vorfeld.
Es gibt Warnzeichen: Viele Amokläufer kündigen ihre Tat im Vorfeld an

Es gibt Warnzeichen: Viele Amokläufer kündigen ihre Tat im Vorfeld an

Amokläufer sind in der Regel nicht geisteskrank, wie vielfach angenommen wird. Vielmehr sind den Taten meist negative Ereignisse wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder das Scheitern einer Beziehung vorausgegangen. Dieses Versagen wird als Erniedrigung erlebt, die bei einigen wenigen Menschen zu unermesslicher Wut wird. Meist sind die Täter Einzelgänger. Der Zugang zu Waffen begünstigt das das Risiko für einen Amoklauf. Das sagt Prof. Eric Madfis von der Universität Washington (USA).

"Merkwürdige Einzelgänger"

Der Experte für Kriminaljustiz forscht im Bereich der Bedrohungsanalyse und kommt  zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Amokläufer nicht dem Stereotypen eines Geisteskranken entspricht. „Aber ein Stereotyp scheint sich zu bewahrheiten: Amokläufer sind häufig sozial isoliert“, sagte er der online Ausgabe des „New Scientist.“ So sei auch der „Oregon gunman“, der kürzlich an einer Schule neuen Menschen erschoss, als zurückgezogen und still beschrieben worden. „Ein merkwürdiger Einzelgänger ist kein ungewöhnliches Täterprofil“, so Madfis. Seinen Analysen zufolge sind 95 Prozent der Amokläufer in den USA weiß, männlich und relativ jung. Die meisten stammen aus der Mittelklasse und sind heterosexuell.

 

Amokläufe kommen nicht aus heiterem Himmel

Viele kündigen ihre Tat schon im Vorfeld an und lassen bestimmte Muster erkennen. Fünf solcher Muster erklärt Madfis als signifikant. Dazu gehören die Fixierung auf ein Thema, die Identifizierung mit der Mentalität eines Soldaten oder mit früheren Tätern, die Planung der Tat und die Ausweglosigkeit, das heißt, die Gewalttat wird als alternativlose angesehen.

Auch der Oregontäter soll seine Pläne online gepostet haben. Daher ist es laut Madfis von entscheidender Bedeutung, dass gerade in sehr verbundenen Umfeldern wie Schulen entsprechend reagiert werde. Madfis belegt, dass es bei elf Schulen im Nordwesten der USA von entscheidender Bedeutung war, dass geplante Taten von Schülern gemeldet wurden. Sein Fazit: Ein Amoklauf kommt nicht aus heiterem Himmel.

„Die Wissenschaft beschäftigt sich erst seit kurzem mit diesem Feld“, sagte Madfis dem New Scientist. „Aber ich denke, wir tragen mit unserer Arbeit dazu bei, das Bewusstsein für Amokläufe zu schärfen.“

© denisismagilov - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
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