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11.11.2019

Ambulante Pflegedienste: Wegen Personalmangels werden Anträge abgelehnt

Den ambulanten Pflegediensten fehlt es an Personal. Schon heute werden viele Anträge von Patienten abgelehnt, zum Teil müssen Verträge sogar gekündigt werden. Experten befürchten, dass sich die Situation weiter verschlechtern wird.
Pflegedienst, ambulante Pflege, Personalmangel

Ambulante Pflegedienste sind jetzt schon überlastet; Experten erwarten für die Zukunft noch eine Verschärfung der Situation

In der Pflegeversicherung gilt das Prinzip „ambulant vor stationär“. Das entspricht dem Wunsch der meisten Menschen, im Alter zu Hause zu bleiben. Doch den ambulanten Pflegediensten fehlt es an ausreichend Personal, um alle Patienten, die das wünschen, versorgen zu können. Das teilt die Stiftung ZQP (Das Zentrum für Qualität in der Pflege) mit.

Bei einer bundesweiten Befragung unter 535 ambulanten Pflegediensten durch die ZQP gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass in ihrem Dienst Stellen für Pflegefachpersonen seit mindestens drei Monaten unbesetzt sind. Hochgerechnet gibt es in Deutschland in ambulanten Pflegediensten etwa 16.000 offene Stellen.

Versorgung durch ambulante Pflege nicht gesichert

80 Prozent der Pflegedienste berichten zudem, in den letzten drei Monaten Versorgungs-Anfragen abgelehnt zu haben, weil sie die Pflege nicht hätten sicherstellen können. 13 Prozent der Dienste geben sogar an, in den letzten drei Monaten Klienten gekündigt zu haben, weil sie deren Versorgung nicht sicherstellen konnten.

„Personalmangel in der gesundheitlichen Versorgung und nicht zuletzt in der Pflege ist ein Risiko für die Patientensicherheit“, warnt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. „Wenn sich die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland wie prognostiziert von heute etwa 3,4 auf 4,9 Millionen im Jahr 2054 erhöht, wird es sehr schwer werden, alle diese Menschen gut zu versorgen.“

Denn selbst falls kurzfristig deutlich mehr Pflegefachpersonen gewonnen werden können, scheiden in den nächsten Jahren viele Fachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus. „Die Frage muss erlaubt sein, wie das Versprechen von einer bedürfnisorientierten, menschenwürdigen Pflege sowie von besser unterstützten pflegenden Angehörigen zukünftig eingelöst werden soll“, so Suhr.

 

Patientensicherheit gefährdet

In der ambulanten Pflege ist das Thema Patientensicherheit besonders relevant, weil dort oft mehrere Akteure wie pflegende Angehörige, professionell Pflegende und Ärzte nebeneinander wirken. Ungenügende Kommunikation, fehlendes Wissen, Unachtsamkeit und Zeitdruck sowie unklare Prozesse erhöhen gesundheitliche Risiken, etwa für Stürze, Infektionen und Medikationsschäden. Mangelnde ambulante Pflegekapazitäten können zudem zu einer Überforderung pflegender Angehöriger oder zu einem Heimeintritt führen, der bei angemessener ambulanter Versorgung nicht nötig geworden wäre.

Pflegeberuf attraktiver machen

Vor diesem Hintergrund sieht es Suhr daher als besonders dringlich an, das Berufsfeld Pflege attraktiver zu machen. Insbesondere gehe es um die Aufgaben der Pflegenden, deren Qualifizierung und die Organisationskultur in den Einrichtungen. Diese müssten so ausgestaltet sein, dass es möglich ist, dort professionell und gerne zu arbeiten.

Für Suhr ist allerdings auch klar, dass das alleine nicht reichen wird: „Wir müssen zusätzlich die Chancen gezielter Prävention und der Digitalisierung im Gesundheitswesen nutzen. Sonst werden wir die Pflegequalität in Deutschland zukünftig nicht relevant verbessern können.“

Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

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Autor: anvo
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