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Ambulant Pflegebedürftige häufig zu dick

Mehr als jede zweite ambulant gepflegte Person in Deutschland ist übergewichtig, jede vierte sogar adipös. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) mahnt zu frühzeitigen Kontrollen bei Gewichtsproblemen.
Ambulant Pflegebedürftige häufig zu dick

Übergewicht kann zahlreiche gesundheitliche Folgen nach sich ziehen

Übergewicht ist ein gesellschaftliches Problem. Dass auch Pflegebedürftige von dem Gesundheitsrisiko „Übergewicht“ betroffen sind, verwundert daher nicht. Nach einer Studie, die die Charité im Auftrag des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) durchgeführt hat, soll jede zweite ambulant gepflegte Person in Deutschland übergewichtig sein. Jede vierte leidet sogar an Fettleibigkeit. Die Charité hatte dazu 880 Pflegebedürftige befragt, die ambulant gepflegt werden. „Die Daten zeigen, dass Beratung und Prävention künftig gestärkt werden müssen, um etwaige Gesundheitsrisiken Pflegebedürftiger, wie beispielsweise Übergewicht, vorbeugen zu können“, sagt Dr. Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Beratung in der Pflege müsse noch gezielter Informationen zu geeigneten Präventionsmaßnahmen und zur Vermeidung von Fehlernährung vermitteln. Denn Übergewicht könne bei pflegebedürftigen Menschen beispielsweise verstärkt zu Mobilitätseinschränkungen, Herz-Kreislaufproblemen oder einem erhöhten Dekubitus-Risiko führen. Hier müsse gegengesteuert werden, so Suhr.

Pflege: Übergewicht ist ein Gesundheitsrisiko - Mangelernährung auch

Doch nicht nur Übergewicht gefährdet ambulant gepflegte Menschen. Bei jedem zehnten Befragten haben die Studienautoren einen Zustand der Mangelernährung festgestellt. Besonders gefährdet dafür sind alte Menschen oder Patienten, die an einer Krebserkrankung, Depressionen oder Magen-Darm-Erkrankungen leiden. Nur bei der Hälfte der gefährdeten Personen wurden laut Studie regelmäßige Gewichtskontrollen durchgeführt, obwohl diese fachlich geboten gewesen wären. Außerdem wurde gezeigt, dass bei 42 Prozent der Mangelernährten weder den Pflegebedürftigen selbst noch deren Angehörigen spezifische Beratungsleistungen angeboten wurden.

Die Studie deckte noch einen weiteren Missstand auf: Fast die Hälfte der gefährdeten Pflegebedürftigen gab an, weder einen intakten Zahnstatus noch eine intakte Prothese zu besitzen. Ein schlechter Zahnstatus kann jedoch das Problem der Mangelernährung weiter verschärfen. Hinzukommt, dass rund 80 Prozent der über 60-Jährigen unter einer mittelschweren bis schweren Form von Parodontitis leiden. Diese Entwicklung ist bedeutsam, da eine Entzündung des Zahnhalteapparates das Risiko allgemeinmedizinischer Erkrankungen, wie etwa Schlaganfall, erheblich erhöhen kann. „Gute Prävention fängt somit bei der Zahnpflege an“, sagt Suhr.

 

1,7 Millionen Menschen werden ambulant gepflegt

In Deutschland werden rund 1,67 Millionen Menschen von ambulanten Pflegediensten oder Angehörigen zu Hause gepflegt. Weitere 750.000 Menschen leben in Pflegeheimen. Die soziale Pflegeversicherung kostete die Versorgung Pflegebedürftiger im Jahr 2011 rund 20,4 Milliarden Euro. Rund die Hälfte der Ausgaben entfiel auf die ambulante Pflege.

Foto: © Miriam Dörr - Fotolia.com

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