. Alzheimer-Demenz

Alzheimer: Pharmafirmen forschen an neuen Medikamenten

Derzeit gibt es in Deutschland rund 700.000 Alzheimer-Kranke. Schätzungen zufolge wird sich die Zahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Für die Pharmafirmen hat die Entwicklung neuer Alzheimer-Medikamente daher hohe Priorität.
Alzheimer

GordonGrand / fotolia.com

Die Alzheimer-Demenz geht mit einer fortschreitenden Zerstörung der geistigen Fähigkeiten und der Persönlichkeit einher. Derzeit sind zur Behandlung der Krankheit vier Medikamente zugelassen. Sie können den geistigen Verfall bis zu zwei Jahre hinauszögern, stoppen können sie ihn jedoch nicht. Doch bald soll es Medikamente geben, die wirksamer in das Krankheitsgeschehen eingreifen können, wodurch die geistigen Fähigkeiten über einen längeren Zeitraum bewahrt werden sollen. Derzeit werden mindestens 57 Medikamente in klinischen Studien erprobt. Vier davon befinden sich bereits in Phase-III-Studien, könnten also - wenn alles gut geht - in den nächsten Jahren die Zulassung erlangen. Für die Pharmafirmen ist die Entwicklung neuer Medikamente gegen Alzheimer von grossem Interesse, da sich aufgrund des demographischen Wandels die Zahl der Betroffenen und damit der Markt für diese Medikamente stark vergrössern werden.

Alzheimer-Demenz

Bei der Alzheimer-Demenz ist die Übertragung der Signale von einer Nervenzelle zur anderen gestört. Was genau diese Störung verursacht, ist noch ungeklärt. Bekannt ist allerdings, dass im Verlauf der Krankheit im Gehirn bestimmte Eiweissablagerungen entstehen, die sich zwischen den Nervenzellen festsetzen und so die Signalübertragung hemmen. Eine Art dieser Eiweisse sind die Beta-Amyloid-Plaques (BAP). Die meisten neuen Medikamente, die derzeit in Studien mit Patienten erprobt werden, setzen hier an. Einige dieser Medikamente enthalten künstlich hergestellte Antikörper, die sich an die Beta-Amyloid-Proteine heften und diese so "markieren". Anschliessend baut das Immunsystem die markierten Proteine ab. Dieser Vorgang wird "passive Immunisierung" oder "Passivimpfung" genannt. Auch zwei der bereits in Phase-III-Studien befindlichen Medikamente setzen bei diesem Mechanismus an.

 

Forschung an neuen Medikamente

Bekannt ist auch, dass besonders diejenigen Hirnregionen betroffen sind, bei denen die Nervenzellen die Botenstoffe Glutamat und Acetylcholin verwenden. Drei der bereits zugelassenen Medikamente sind daher sogenannte AchE-Hemmer, die den raschen Abbau des Botenstoffs Acetylcholin hemmen. Dadurch wird die Signalübertragung zwischen den noch funktionstüchtigen Nervenzellen verstärkt, was den Ausfall anderer Nervenzellen bis zu einem gewissen Grad auffangen kann. Auch eines der kurz vor der Zulassung stehenden Medikamente nutzt diesen Ansatz, um die Auswirkungen der Krankheit zu vermindern.

Da die Veränderungen im Gehirn, die schliesslich zur Demenz führen, schon viele Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnen, wird es von besonderer Bedeutung sein, die frühen Prozesse bei der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit zu verstehen. Eines der wichtigen Themen für die Pharmafirmen wird daher in den nächsten Jahren auch die Grundlagenforschung sein.

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