Alzheimer: Erste Symptome zeigen sich an den Augen

Alzheimer ist bislang unheilbar. Bei der Früherkennung sind Forscher jetzt einen Schritt weiter gekommen: Erste Symptome lassen sich offenbar an der Netzhaut des Auges ablesen.
Alzheimer, erste Anzeichen

Alzheimer im Frühstadium lässt sich möglicherweise bald mit einem Augentest diagnostizieren

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Allein In Deutschland sind rund 1,2 Millionen Menschen von der neurodegenerativen Erkrankung betroffen. Medikamente, die den Untergang von Hirnzellen stoppen könnten, gibt es bislang nicht. Das Fortschreiten lässt sich lediglich etwas verzögern, allerdings sprechen nur 50 Prozent der Patienten auf die Alzheimer-Medikamente an.

Möglicherweise lässt sich die Krankheit jedoch bald früher erkennen, noch bevor erste Symptome der Vergesslichkeit auftreten. Und zwar mit einer Untersuchung der Augen, wie sie in vielen Augenarzt-Praxen üblich ist. Das legen aktuelle Forschungsergebnisse der Washington University School of Medicine nahe, die jetzt im Fachjournal JAMA Ophthalmology erschienen sind.

Plaques im Gehirn und Veränderungen an der Netzhaut gefunden

Das Team um Bliss E. O'Bryhim nahm die Netzhaut (Retina) von 30 noch gesunden Menschen um die 70 Jahre ins Visier und stellte fest: Jene die bereits die alzheimertypischen Plaques im Gehirn aufweisen, hatten auch eine verdünnte Netzhaut. Umgekehrt zeigten sich diese Veränderungen an der Retina nicht, wenn im Gehirn keine Eiweißablagerungen nachweisbar waren.

Plaques wie Amyloid- oder Tau-Proteine lagern sich oft schon ein bis zwei Jahrzehnte vor dem Ausbruch der Alzheimer-Krankheit im Gehirn ab. Mittels PET-CT oder einer Lumbalpunktion lassen sie sich nachweisen. 

 

Große Areale ohne Blutgefäße

Um die Dicke der Netzhaut zu messen, nutzten die Forscher eine gängige Technik von Augenärzten, bei der Licht ins Auge eingestrahlt wird. Zusätzlich wurde per Angiografie die Durchblutung des Zentrums der Netzhaut gemessen. Dabei zeigte sich, dass bei den Probanden mit Plaques große Areale nicht mehr durchblutet waren – Blutgefäße existierten nicht mehr.

Ganz überraschend ist der Fund aus Washington nicht: Eine ebensolche Verdünnung der Netzhaut konnte in der Vergangenheit bei Menschen festgestellt werden, die an Alzheimer gestorben waren. Studienleiter Professor Rajendra S. Apte hat eine mögliche Erklärung: "Die Retina und das zentrale Nervensystem sind eng miteinander verknüpft. Veränderungen im Gehirn spiegeln sich darum auch in den Zellen der Netzhaut wider“

Erste Alzheimer-Anzeichen früher erkennen

Der Alzheimerforscher betont, dass weitere Studien nötig sind, um die Ergebnisse zu erhärten. Aber wenn künftig Veränderungen mit einem einfachen Augentest diagnostiziert werden könnten, dann könnte man das für Screenings nutzen. „Wir wissen, dass sich Alzheimer über Jahre entwickelt. Möglicherweise können wir eines Tages die Behandlung so früh beginnen, dass wir weitere Schäden abwenden können.“

Foto: © sebra - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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