. Alternsforschung

Alterungsprozess hängt offenbar mit sinkendem Cortisol-Spiegel zusammen

Cortisol hat als Stresshormon eher ein schlechtes Image. Doch es hat eine wichtige Funktion für unser Immunsystem und Entzünunggsprozesse. Und: Ein sinkender Cortisol-Spiegel dazu trägt offenbar, dazu bei dass wir altern, wie Forscher jetzt zeigen konnten.
Mit sinkendem Cortisol-Spiegel nehmen Entzündungen zu und unsere Zellen altern

Mit sinkendem Cortisol-Spiegel nehmen Entzündungen zu und unsere Zellen altern

Dass Menschen altern, beruht auf einem verhängnisvollen Zusammenspiel vieler Faktoren. Ein wichtiger Faktor ist dabei das Immunsystem, das im Alter immer weiter herunterfährt. Das mühsam aufgebaute Immunsystem gegen Krankheitserreger wird mit der Zeit immer schwächer. Chronische Entzündungen sind die Folge, wodurch etwa alterstypische Erkrankungen wie Atherosklerose oder Arthritis entstehen. Wissenschaftler sprechen von Inflamm-Aging – dem untrennbaren Zusammenhang zwischen Entzündung und Altern.

Eine Ursache für Alterung gefunden

Zwar ist der Zusammenhang schon lange bekannt, doch nicht seine Ursachen. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes haben deshalb genauer hingeschaut und herausgefunden, dass einer der Gründe für das zunehmende Entzündungsgeschehen ein sinkender Cortisolspiegel ist.

„Der Entzündungsprozess beruht darauf, dass im Alter die Menge des vom Körper gebildeten Hormons Cortisol abnimmt“, erklärt Pharmazeutin Dr. Jessica Hoppstädter.

Das Stresshormon ist als biochemischer Botenstoff an vielen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt und wichtig für unser Immunsystem. Kann der Körper nicht mehr genug Cortisol bilden, nehmen Entzündungen zu. Gebildet wird das Hormon hauptsächlich in der Nebenniere. Aber auch wichtige Immunzellen, die Makrophagen, stellen aktives Cortisol aus inaktivem Cortison her. „Das funktioniert mit zunehmendem Alter aber schlechter. Es kommt zu einem Macroph-Aging – also einem Altern der Makrophagen“, sagt Jessica Hoppstädter.

 

Makrophagen außer Kontrolle

Das Ausmaß der Entzündung wird laut der Wissenschaftlerin also durch alternde Makrophagen maßgeblich mitbestimmt. Folge ist, dass erhöhte Mengen von Entzündungs-Botenstoffen freigesetzt werden und Entzündungszellen ungehindert aktiver werden können.

Hinter den fehlgesteuerten Makrophagen wiederum steckt ein Protein namens Gilz (Glucocorticoid-induzierter Leuzin Zipper), wie Experimente zeigten. Gilz wird unter anderem von Cortisol reguliert und ist an einer Vielzahl wichtiger Abläufe im Körper maßgebend beteiligt. Im Immunsystem kommt dem Protein eine Schlüsselrolle zu. Es hilft etwa dabei, in Makrophagen die Entzündungsreaktion abzuschalten.

Entzündungen nehmen zu

Daher stellten die Forscher die Hypothese auf, dass der Verlust von Gilz dazu beiträgt, dass die Makrophagen im Alter Entzündungen auslösen. Ihre Daten zeigen: Nimmt der Cortisol-Spiegel ab, führt dies dazu, dass die Makrophagen weniger Gilz herstellen, wodurch Makrophagen ungebremst Entzündungs-Botenstoffe ausschütten. Tatsächlich waren die Gilz-Spiegel im Alter verringert. Um zu untersuchen, ob das schon reicht, um Entzündungen zu verursachen, schaltete die Forscherin das Protein Gilz genetisch aus. Das Ergebnis bestätigte den Verdacht: Die Makrophagen wurden aktiviert, die schwelenden Entzündungsprozesse nahmen zu.

„Einen Stein der Weisen haben wir zwar nicht gefunden“, meint Hoppstädter,, „aber wir haben Vorgänge im Immunsystem entlarvt, die mit dazu beitragen, dass wir altern.“

Foto: © Adobe Stock/blackday

Autor: ham
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alter
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alterung

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
 
. Weitere Nachrichten
Immer wieder wird die gesundheitsfördernde Wirkung von Weihrauch diskutiert. Kleinere Studien konnten bereits die Wirksamkeit bei einigen Krankheiten belegen. Sie beruht offenbar vor allem auf den im Weihrauch enthaltenden entzündungshemmenden Substanzen.
Immer öfter klagen Verbraucher nach dem Verzehr von Produkten aus Weizenmehl über gesundheitliche Probleme. Kurios dabei ist: Manche vertragen die Brötchen vom einen Bäcker nicht, die vom anderen schon. Viele haben Probleme mit Weizen, aber nicht mit Dinkel – dabei sind beide Getreide eng verwandt. Ein Forschungsprojekt der Uni Hohenheim liefert neue Erkenntnisse darüber, warum.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.