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09.07.2020

Altenpfleger von allen Berufsgruppen am häufigsten an COVID-19 erkrankt

Altenpfleger waren von März bis Mai 2020 von allen Berufsgruppen am häufigsten an COVID-19 erkrankt. Das zeigt zumindest eine Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-Mitglieder.
Altenpflege, Pflegeheim, Pflegerin

Altenpfleger erkrankten im Vergkeich zu anderen Berufen besonders oft an COVID-19

Altenpfleger waren von März bis Mai 2020 von allen Berufsgruppen am stärksten von Krankschreibungen im Zusammenhang mit COVID-19 betroffen. Das zeigt eine Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-Mitglieder durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO).

In diesem Zeitraum haben 1.283 je 100.000 Beschäftigte in der Altenpflege im Zusammenhang mit COVID-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt. Ihre Rate liegt damit mehr als das 2,5-fache über dem Durchschnittswert von 474 Betroffenen je 100.000 AOK-versicherte Beschäftigte. Auf die Altenpfleger folgen Berufe der Gesundheits- und Krankenpflege (1.237 Betroffene je 100.000 Beschäftigte).

Altenpfleger von allen Berufsgruppen am häufigsten an COVID-19 erkrankt

Altenpfleger waren von allen Berufsgruppen nicht nur am häufigsten an COVID-19 erkrankt, sondern landeten auch häufiger im Krankenhaus: Je 100.000 Beschäftigte wurden 157 Personen mit COVID-19-Diagnose in einer Klinik behandelt. Der Durchschnittswert aller AOK-Mitglieder lag bei bei 91.

Noch häufiger wurden Beschäftigte in der Fleischverarbeitung im Zusammenhang mit COVID-19 in ein Krankenhaus eingewiesen: 173 je 100.000 Beschäftigte. "Bestimmte Beschäftigtengruppen, die auch in Pandemiezeiten weiter zur Arbeit gegangen sind, scheinen stärker von COVID-19 betroffen zu sein. Dies sind vor allem Berufe mit Kontakt zu anderen Menschen. Aber auch Berufe in der Fleischverarbeitung oder der Lagerwirtschaft waren stark betroffen", sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO, in einer Pressemitteilung.

 

0,5 Prozent waren wegen COVID-19 krankgeschrieben

Insgesamt erhielten von den 11,6 Millionen AOK-versicherten Erwerbstätigen von März bis Mai 2020 circa 55.000 Beschäftigte von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Zusammenhang mit einer COVID-19-Diagnose. Das entspricht 0,5 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen.

Bei mehr als drei Viertel der betroffenen Beschäftigten wurde der gesicherte Nachweis des SARS-CoV-2 auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dokumentiert (78,7 Prozent), bei weniger als einem Viertel ein klinischer COVID-19-Verdacht ohne Virusnachweis.

Regionale Hotspots spiegeln sich auch in den AU-Daten wider

Die niedrigsten krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit COVID-19 zeigten sich bei den Berufen in der Hochschullehre und -forschung (110 Betroffene je 100.000 Beschäftigte) und in der Landwirtschaft (121 Betroffene je 100.000 Beschäftigte) - also Tätigkeiten, die eher im Homeoffice oder in der freien Natur ausgeübt werden.

Regionale Unterschiede im COVID-19-Infektionsgeschehen spiegeln sich in den AU-Daten wider. Hotspots wie der Landkreis Heinsberg und der Hohenlohekreis belegten bei den AU-Quoten die Spitzenplätze. 2,2 und 2,1 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen wurden dort wegen COVID-19 krankgeschrieben. Regionen wie Cottbus mit einer AU-Quote von 0,03 Prozent oder Dessau-Roßlau mit 0,06 Prozent zeigten hingegen nur einen Bruchteil an Corona-bedingten Fehlzeiten.

Ältere landeten eher im Krankenhaus

Die durchschnittliche Behandlungsdauer der ins Krankenhaus eingewiesenen Beschäftigten lag bei etwa sieben Tagen. Die Daten zeigen, dass von einem möglichen schweren COVID-19-Verlauf eher die älteren Erwerbstätigen betroffen sind: Von 100.000 Beschäftigten über 60 Jahren wurden 168 stationär behandelt, während der Wert bei Beschäftigten unter 20 Jahren bei weniger als einem Drittel liegt (51 je 100.000 Beschäftigte).

Die Daten zeigen auch, wie sich die Regelung zur telefonischen Krankschreibung bei leichten Erkältungskrankheiten - ohne COVID-19-Verdacht - ausgewirkt hat. Die Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung bei leichten Erkrankungen der oberen Atemwege galt bundesweit vom 9. März bis zum 31. Mai 2020. Der Anteil der Atemwegserkrankungen an allen Diagnosen lag im März 2020 knapp drei Prozentpunkte und im April etwa zwei Prozentpunkte über dem jeweiligen Monatsdurchschnitt der letzten fünf Jahre.

Foto: Adobe Stock/Satjawat

Autor: bab
Hauptkategorie: Corona
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