. Studie der Indiana University:

Alte Väter - kranke Kinder?

Kinder, die ältere Väter haben, sind eher gefährdet, psychisch krank zu werden als diejenige, die von jüngeren Männern abstammen. Das belegt eine Studie von Ph.D. Brian M. D’Onofrio und seinem Team, die kürzlich in Jama Psychiatry veröffentlicht wurde.

Haben Kinder von älteren Vätern später öfter psychische Probleme?

Die Wissenschaftler der Indiana University Bloomington gehen davon aus, dass eine späte Vaterschaft mit genetischen Mutationen bei der Entwicklung der Spermien einhergeht, was die psychischen Probleme und auch intellektuelle Defizite erklären könnte. Dass eine späte Schwangerschaft Probleme für Mutter und Kind bedeutet, ist schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt – die Auswirkungen einer späten Vaterschaft wurde zwar in den vergangenen Jahren  untersucht – jedoch bisher ohne nennenswerte Ergebnisse. Umso frappierender ist das Ergebnis der Wissenschaftler der Indiana University: „Diese Erkenntnisse legen nahe, dass eine späte Vaterschaft ein größeres Risiko für gesundheitliche und soziale Probleme der Kinder bedeuten kann“, schließen die Autoren der Studie. Erstaunlich waren auch die statistische Eindeutigkeit und das Ausmaß der Ergebnisse.

Die psychische Morbidität des Kindes steigt mit dem zunehmenden Alter des Vaters

Die Wissenschaftler haben die Daten aller Schweden, die zwischen 1973 und 2001 geboren wurden, mit psychiatrischen Diagnosen in den Krankenregistern in Zusammenhang gebracht. Dies ist in Schweden möglich, da jeder Einwohner eine persönliche Identifikationsnummer hat (ähnlich der deutschen Rentenversicherungsnummer). Bei den meisten Diagnosen ermittelten D’Onofrio und sein Team eine psychiatrische Morbidität, die mit zunehmendem Alter des biologischen Vaters steigt. Kinder, die von Männern über 45 Jahren gezeugt wurden, litten 4,45 Mal häufiger an autistischen Störungen als Kinder von Männern, die bei der Zeugung zwischen 20 und 25 Jahre alt waren. Das Risiko, an ADHS zu erkranken, war um einen Faktor von über 13 erhöht. Psychosen wurden sogar doppelt so oft diagnostiziert. Auch die schulischen Leistungen waren messbar schlechter.

Einflüsse wie Einkommen und Bildungsstand haben die Wissenschaftler bereits ausgeklammert

D’Onofrio erklärte in einer Pressemitteilung, er sei von den Ergebnissen schockiert gewesen. Dies umso mehr, da er verschiedene soziale Einflüsse wie ein geringeres Einkommen der Eltern und einen geringeren Bildungsstand bereits ausgeschlossen habe. Die Studie ist allerdings kein Grund für ältere Väter, sich verstärkt Sorgen um die Gesundheit des Nachwuchses machen zu müssen: Denn die Studienergebnisse beschreiben (nur) relative und keine absoluten Risiken! 

Foto: Ermolaev Alexandr - fotolia.com

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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