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Allergien im Kindesalter erhöhen Risiko für psychische Erkrankungen

Dienstag, 30. April 2019 – Autor:
Kinder, die an Allergien leiden, haben im Erwachsenenalter ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen sowie für chronische Entzündungskrankheiten. Das zeigt zumindest eine aktuelle Studie.
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Wer als Kind an Allergien leidet, könnte in späteren Jahren ein höheres Risiko für psychsiche Erkrankungen haben – Foto: ©Robert Kneschke - stock.adobe.com

Kinder, die in jungen Jahren an Allergien leiden, haben im späteren Leben ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen sowie chronische Entzündungskrankheiten. Das zeigen Forscher der Universitäten Zürich und Lausanne in einer aktuellen Studie. Sie konzentrierten sich dabei auf das Immunsystem der Probanden.

Das Immunsystem wird in der Kindheit geformt. Nach der so genannten Hygienehypothese haben eine bessere Hygiene, Veränderungen in der Landwirtschaft und die Verstädterung in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass das menschliche Immunsystem mit manchen Mikroben seltener oder erst später im Leben in Kontakt kommt. Als negative Folgen dieser Entwicklung werden eine Zunahme von chronisch entzündlichen Erkrankungen, Allergien und psychischen Erkrankungen wie Depressionen vermutet.

Fünf Gruppen anhand des Immunsystems klassifiziert

Von dieser Hypothese ausgehend untersuchten die Forscher die epidemiologischen Daten einer Kohorte von knapp 5.000 Mitte des 20. Jahrhunderts geborenen Personen. Dabei konzentrierte sie sich auf die Auftreten von Allergien, viralen und bakteriellen Krankheiten sowie psychosozialen Belastungen in der Kindheit.

Aus den frühen Krankheitsmustern identifizierten die Wissenschaftler fünf Gruppen, die sie anhand biologischer Marker (weiße Blutkörperchen, Entzündungsmarker) charakterisierten. Die Hauptgruppe (knapp 60 Prozent) verfügte über ein unauffälliges, neutrales Immunsystem. Ihre Krankheitsbelastung im Kindesalter war vergleichsweise gering.

 

Besonders widerstandsfähiges, resilientes Immunsystem

Die zweitgrösste Gruppe (über 20 Prozent) zeigte ein besonders widerstandsfähiges, resilientes Immunsystem. Selbst Symptome zu jener Zeit unvermeidbarer Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln manifestierten sich in dieser Gruppe deutlich schwächer als in der neutralen Gruppe.

In der atopischen Gruppe (7 Prozent) traten mehrere allergische Erkrankungen auf. Die gemischte Gruppe (rund 9 Prozent) war gekennzeichnet durch einzelne Allergien wie Medikamentenallergien sowie bakterielle und mit Hautausschlägen einhergehende Kinderkrankheiten wie Scharlach, Keuchhusten oder Röteln.

Jüngere Jahrgänge häufiger von Allergien geplagt

Die kleinste Gruppe (rund 5 Prozent) umfasste Personen, die in der Kindheit traumatisiert wurden. Sie waren anfälliger für allergische Erkrankungen, reagierten aber vergleichsweise resilient bei typischen viralen Kinderkrankheiten.

Vergleichende Analysen ergaben, dass die neutrale und die resiliente Gruppe bei älteren Jahrgängen häufiger vertreten sind als bei jüngeren. Die atopische Gruppe wiederum nahm bei den jüngeren Jahrgängen zu. "Damit bestätigt unsere Studie die Hygienehypothese", so Dr. Vladeta Ajdacic-Gross, Leiter der in BMC Medicine veröffentlichten Studie. "Sie geht zugleich aber über diese hinaus", so der Zürcher Wissenschaftler.

Allergien im Kindesalter erhöhen Risiko für psychische Erkrankungen

Personen, die zur resilienten Gruppe gehören, waren im Erwachsenenalter besser vor chronischen Entzündungskrankheiten und psychischen Beschwerden geschützt. Wer hingegen der atopischen oder der gemischten Gruppe angehörte - in der im Kindesalter eine bis mehrere Allergien auftraten - hatte ein erhöhes Risiko für psychische Erkrankungen. Die traumatisierte Gruppe zeigte ebenfalls eine höhere Anfälligkeit für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter und - allerdings nur bei Frauen - ein höheres Risiko für chronische Entzündungskrankheiten.

"Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Immunsystem wie eine Schaltstelle zwischen somatischen und psychischen Prozessen funktioniert", resümiert Ajdacic-Gross. Dies helfe zu verstehen, weshalb viele Menschen ohne psychosoziale Vorbelastungen von psychischen Beschwerden eingeholt werden und weshalb umgekehrt traumatisierte Personen zu chronischen Entzündungskrankheiten neigen.

Foto: robert kneschke/fotolia.com

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