Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Allergien: Hyposensibilisierung mit großen Altersunterschieden

Dienstag, 2. Juni 2020 – Autor:
Bei Allergien gegen Bienen- und Wespengift, Gräser- oder Baumpollen sowie Milben kann eine Hyposensibilisierung helfen. Beim Einsatz der Therapie gibt es große Altersunterschiede.
Allergie, Heuschnupfen, Pollenallergie

Einzige Therapie gegen Allergien wie Heuschnupfen ist eine Hyposensibilisierung – Foto: ©Robert Kneschke - stock.adobe.com

Bei Allergien gegen Bienen- und Wespengift, Gräser- oder Baumpollen sowie Milben kann eine Hyposensibilisierung helfen. Beim Einsatz der Therapie gibt es große Altersunterschiede. Das berichtet der Statistik-Dienstleister Insight Health.

Der jüngsten Studie "Gesundheit in Deutschland aktuell" des Robert Koch-Instituts zufolge leidet fast jeder dritte Deutsche unter einer allergischen Erkrankung. Asthma ist hiervon ausgenommen. Mit einer Hyposensibilisierung können solche Überreaktionen des Immunsystems effektiv behandelt und Symptome reduziert werden.

Allergien: Hyposensibilisierung mit großen Altersunterschieden

Eine Analyse der gesetzlich krankenversicherten Patienten, die im Jahr 2019 mindestens eine Hyposensibilisierung der Indikation Biene/Wespe, Gräser/Bäume oder Milben erhalten haben, zeigt große Altersunterschiede. So bekommt mehr als jeder zweite dieser Patienten bis zu einem Alter von neun Jahren eine Behandlung gegen eine Gräser- und Baumpollen-Allergie. Währenddessen sind es bei der Patientengruppe über 70 Jahren lediglich 11 Prozent.

Gegensätzlich verhält es sich bei der Hyposensibilisierung einer Insektengiftallergie. Hier werden nur drei Prozent der bis Neunjährigen behandelt. Bei den Patienten über 70 Jahren sind es hingegen mehr als zwei Drittel. Interessant ist auch die Betrachtung der Medikation: Patienten unter zwölf Jahren, die im Jahr 2018 eine Hyposensibilisierung erhalten haben, bekommen ein Jahr danach weniger Nasensprays und Antihistaminika verordnet als ein Jahr davor. Die Behandlung scheint also angeschlagen zu haben.

 

Hyposensibilisierung trotz Corona fortführen

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) rät Allergikern, trotz des Coronavirus die spezifische Immuntherapie beziehungsweise Hyposensibilisierung mit Allergenen fortzuführen. Das betrifft besonders auch die Insektengiftallergiker, denn im Sommer sind die Patienten wieder verstärkt dem Risiko ausgesetzt, von Insekten gestochen zu werden.

Das sagte DGAKI-Präsidentin Prof. Margitta Worm in einem Interview auf der Homepage der Fachgesellschaft. Bei Allergenen wie Pollen, Milben oder Schimmelpilzsporen sollten Therapien mit subkutanen (mit Spritzen verabreichten) oder sublingualen (unter der Zunge angewandten) Präparaten ebenfalls fortgeführt werden, wenn die Behandlung bereits eingeleitet wurde, so die Medizinerin. Worm leitet an der Charité-Universitätsmedizin in Berlin den Bereich Allergologie und Immunologie.

Inhalative Steroide weiter einnehmen

Auch ihre Medikamente sollten Allergiker weiter einnehmen. Inhalative Steroide wie das Kortison über ein Spray oder Pulversysteme haben laut Worm keine systemischen Nebenwirkungen und unterdrücken nicht das Immunsystem. Vielmehr mildern sie die Entzündungsreaktion in den Schleimhäuten und sollten deshalb auf alle Fälle weiter angewandt werden, um der Entwicklung einer chronisch entzündlichen Atemwegserkrankung vorzubeugen.

Für antikörperbasierte Therapien mit Biologika in der Allergologie gebe es keine Hinweise darauf, dass das Immunsystem unterdrückt wird. Eher wird durch die Biologika die Überempfindlichkeit des Immunsystems normalisiert und theoretisch die Virusabwehr unterstützt. Patienten,die diese Behandlung bekommen, haben teilweise moderate bis schwere Allergien. Deshalb besteht hier das Risiko, dass die allergische Erkrankung und die Atemwegsentzündung sich verschlechtern, wenn man die Biologika absetzt.

Foto: Adobe Stock/Robert Kneschke

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Allergie , Heuschnupfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hyposensibilisierung

Insektengifte gelten gemeinsam mit Nahrungsmitteln als Hauptauslöser für schwere allergische Reaktionen in Kindheit und Jugend. Die Wespengiftallergie tritt dabei am häufigsten auf. Experten raten Eltern dazu, ihre Kinder mit einem Notfallset auszustatten, das sie stets bei sich tragen sollten - in Kita oder Schule, in der Freizeit oder beim Sport.

28.11.2020

Jedes dritte Kind in Deutschland leidet inzwischen an einer Allergie, sagen Studien. Gleichzeitig gibt es große Fortschritte bei den Behandlungsmöglichkeiten, vor allem durch neue Antikörper. Auf dem Deutsche Allergiekongress wurden die Grenzen und Möglichkeiten der Allergologie beleuchtet.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Bevor eine Multiple Sklerose diagnostiziert wird, haben Betroffene oft schon unerkannte Krankheitsschübe. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler aus München in einer neuen Studie gekommen. Damit stellt das Team die Theorie der sogenannte Prodromalphase in Frage.

 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin