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01.02.2019

Alle zehn Minuten startet ein Rettungshubschrauber

Fast 55.000 Mal sind im vergangenen Jahr in Deutschland die Rettungshubschrauber des ADAC zu Einsätzen gestartet. 2018 stießen die gelben Helikopter dabei in eine neue Dimension vor: Im brandenburgischen Senftenberg flogen Besatzungen mit einer neuen Generation von Maschinen erstmals Nachteinsätze in unbekanntem, unbeleuchtetem Gebiet.
ADAC Rettungshubschrauber mit Seilwinde

Der Notarzt kommt aus der Luft: Spezialeinsätze, bei denen etwa das Rettungsteam per Seilwinde abgelassen wird, nehmen zu. Neu sind ebenso Einsätze in der Nacht.

Gerade bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen gilt: Je schneller der Patient  vor Ort vom Notarzt versorgt und in eine geeignete Klinik transportiert wird, desto besser sind seine Überlebenschancen beziehungsweise seine Rekonvaleszenz. In Deutschland hat die Notfallversorgung aus der Luft inzwischen ein Niveau erreicht, das in ihrer der Entstehungszeit in den 1970er-Jahren kaum vorstellbar war. Alleine der größte Anbieter, die ADAC Luftrettung, flog zuletzt 54.356 Einsätze. Diese teilte das Unternehmen anlässlich seiner Jahresbilanz für 2018 mit. Damit erreichten die Einsätze der gelben Hubschrauber mit rund 150 Notfällen pro Tag das hohe Niveau des Vorjahres (54.491). Im Schnitt startet deutschlandweit etwa alle zehn Minuten einer der gelben Helikopter. Durchschnittliche Flugzeit pro Einsatz: 30 Minuten.

Einsatzursache Nummer eins: Herz-Kreislauf-Notfälle 

Während ursprünglich die Versorgung von (Verkehrs-)Unfallverletzten im Vordergrund stand, spielen heute Unfälle auf der Straße mit elf Prozent nur noch eine untergeordnete Rolle. Einsatzursache Nummer eins waren beim ADAC mit 48 Prozent wieder internistische Notfälle wie akute Herz- und Kreislauferkrankungen. In elf Prozent der Fälle wurden die Lebensretter zu neurologischen Notfällen (zum Beispiel Schlaganfall) und in 13 Prozent zu Freizeitunfällen (Sport- und häusliche Unfälle) gerufen. Unter den versorgten Patienten waren mit knapp 60 Prozent auch diesmal wieder deutlich mehr Männer als Frauen. Etwa jeder zwölfte Patient war ein Kind oder Jugendlicher.

Frédéric Bruder, der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, sprach bei der Vorlage der Bilanz 2018 von besonders vielen außergewöhnlichen Einsätzen, bei denen die schnelle Hilfe aus der Luft oft über Leben oder Tod entschieden habe. Deutlich zugenommen hat die Zahl der sogenannten Windeneinsätze: Das sind Einsätze, bei denen der Hubschrauber nicht landen kann und das Rettungsteam an einer Seilwinde ablassen muss.

 

Neue ADAC-Hubschrauber können auch nachts fliegen

Obwohl Rettungshubschrauber grundsätzlich auch nachts eingesetzt werden können, ist das Risiko für Landungen in unbekanntem Gelände aber so hoch, dass sich die Dienstzeit meist nur auf die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang beschränkt. Nachteinsätze sind deshalb nach wie vor entsprechend selten. Der ADAC geht hier seit 2018 neue Wege. 17 ältere Helikopter ersetzte der ADAC durch hochmoderne Maschinen vom Typ H145 und H135. Sie sind leiser, leistungsstärker – und nachtflugtauglich. Mit den ersten Nachteinsätzen in unbekanntem, unbeleuchtetem Gelände wurde hier im vergangenen Jahr in Senftenberg in Brandenburg ein neues Kapitel des Rettungsdienstes aus der Luft aufgeschlagen. Möglich sind solche Rettungseinsätze in der Dunkelheit durch spezielle Nachtsichtbrillen, die bisher nur im militärischen Bereich eingesetzt wurden. Um das Risiko für die Besatzung zu minimieren, müssen bei Nachtflügen mit Spezialbrillen bestimmte technische Standards erfüllt sein. So müssen die Hubschrauber über ein besonders gestaltetes Cockpit, ein Satellitennavigationssystem mit digitaler Karte sowie eine spezielle Außenbeleuchtung verfügen.

3147 Rettungsflüge: Berlin ist die Stadt mit den meisten Einsätzen

Gerade in ländlichen Regionen, wo es oft an Notärzten mangelt, ist der Rettungshubschrauber häufig der schnellste und einzige Weg, einen Arzt zeitgerecht zu schwerverletzten oder kranken Menschen zu bringen und diese schonend in eine geeignete Klinik zu transportieren. Im Flächenland Bayern, in dem die ADAC-Luftrettung auch die meisten ihrer Stationen unterhält, fanden mit 12.472 auch die meisten Einsätze statt. Bei den Städten lag die Station in Berlin vorne. Der dort stationierte "Christoph 31" flog in der Region zu 3147 Notfällen.

„Christoph 1“: Der erste Rettungshubschrauber startete 1970

Der erste im Dauerbetrieb fliegende Rettungshubschrauber in Deutschland war der in München stationierte „Christoph 1“. Er ging am 1. November 1970 in Betrieb. Die Etablierung der Luftrettung im damaligen Bundesgebiet hatte aus der steigenden Zahl von Straßenverkehrsunfällen mit Unfalltoten in den 1960er Jahren resultiert. Die Hubschrauber werden heute als schneller Notarzt-Zubringer und Ersatz für ein bodengebundenes Notarzt-Einsatzfahrzeugs genutzt. Gleichzeitig führen sie Patiententransporte durch, wenn zum Beispiel eine weiter entfernte Spezialklinik angeflogen werden muss wie bei Brandverletzungen oder kein Rettungswagen vorhanden ist.

Bundesweit gab es im Jahr 2018 89 Rettungshubschrauber-Stationen. Die meisten davon sind in die primäre Luftrettung eingebunden. Unter den privaten Anbietern verfügt der ADAC mit 35 Maschinen an 33 Standorten über die größte Flotte. Auf Platz zwei liegt die DRF-Luftrettung mit 30 und auf Platz drei die Johanniter-Unfall-Hilfe mit sechs Helikoptern.

Foto: ADAC

Foto: Rasmus Kaessmann

Autor: zdr
 

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