. Wein und Bier gegen die Einsamkeit

Alkoholsucht im Alter verbreitet

Nicht nur junge Menschen, auch viele Senioren trinken mehr Alkohol, als ihnen guttut. Daran etwas zu ändern, ist für ältere Menschen oft besonders schwer. Dennoch lohnt es sich auch im Alter, dem Alkoholkonsum zu entsagen oder ihn zumindest zu reduzieren.
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Im Alter vertragen wir Alkohol immer schlechter

Tendenziell trinken Deutsche mit steigendem Alter immer weniger Alkohol. Dennoch konsumieren etwa 20 Prozent der Männer und fünf bis zehn Prozent der Frauen über 60 Jahren nach Einschätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) Alkohol in einem Maße, das ihrer Gesundheit schadet. Das kann sogar zu Krankenhausaufenthalten führen. So wurden im Jahr 2015 rund 14.500 Deutsche über 60 Jahre wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Dies sind rund 4.600 Fälle mehr als noch zehn Jahre zuvor.

Die Gründe, wegen derer ältere Menschen zur Flasche greifen, sind vielfältig. Dazu gehören Einsamkeit und soziale Isolation, zum Beispiel nach dem Verlust des Partners. Manche Betroffene müssen Angehörige pflegen und sind damit überfordert. Wiederum andere empfinden eine Leere, wenn sie nicht mehr täglich ins Büro gehen, und haben das Gefühl, von der Gesellschaft nicht mehr gebraucht zu werden. Zudem kann es sein, dass ein gewisser Druck wegfällt, wenn man nicht mehr täglich im Betrieb funktionieren muss.

Im Alter wird Alkohol schlechter abgebaut

Was vielen älteren Menschen nicht bewusst ist: Sie vertragen weniger Alkohol als in jüngeren Jahren. Das hat vor allem zwei Gründe, wie die Initiative „Kenn Dein Limit“ auf ihrer Website erklärt. Zum einen können die Körperzellen Wasser nicht mehr so gut speichern wie früher; dadurch ist der Wasseranteil im Körper geringer. Die gleiche Menge getrunkenen Alkohols verteilt sich bei älteren Menschen somit auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einer höheren Blutalkoholkonzentration. Der zweite Grund: Die Leber arbeitet mit steigendem Alter langsamer, so dass der Alkohol nicht mehr so schnell abgebaut wird. Letztlich wird man dadurch schneller betrunken.

Auch die Folgen des Alkoholkonsums im Alter sind nicht zu unterschätzen: So erhöht sich im betrunkenen Zustand die Gefahr von Stürzen, Unfällen und schweren Verletzungen wie beispielsweise Oberschenkelhalsbrüchen. Auch die geistige Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis lassen durch den Alkoholkonsum nach und Alterserkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck verschlimmern sich.

Ein weiteres Problem: Die Kombination von Alkohol und Medikamenten kann schädlich für die Gesundheit sein. Zu den möglichen Folgen gehören Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen und Erbrechen. Außerdem kann es sein, dass der Alkohol die Wirkung eines Medikaments verringert, aufhebt oder auch unkontrollierbar verstärkt. Im schlimmsten Fall ist die Kombination von Alkohol und Medikamenten sogar lebensbedrohlich.

 

Weniger Alkohol lohnt sich auch für Ältere

Die Initiative „Kenn Dein Limit“ rät daher, ab einem Alter von 60 Jahren mit Alkohol besonders vorsichtig umzugehen. Das Problem für viele Senioren ist jedoch, dass sie schon seit Jahrzehnten abhängig sind. Zudem wird ein problematisches Trinkverhalten von Senioren häufig nicht entdeckt, weil Ärzte nicht danach fragen und weil die Folgen wie Schlafstörungen, Orientierungslosigkeit oder Nachlässigkeit bei der Hygiene mit typischen Alterserscheinungen verwechselt werden.

Dennoch ist es wichtig, bei älteren Menschen auf den Alkoholkonsum zu achten. Und auch im Alter ist es möglich, Gewohnheiten zu verändern. Dass es sich lohnt, zeigen Studien: Demnach hat der Verzicht oder die Reduktion von Alkohol nachweislich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit – auch und besonders im Alter.

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Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
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