. Sucht

Alkoholabhängigkeit hat ähnliche genetische Grundlagen wie andere psychische Erkrankungen

Dass Alkoholabhängigkeit auch genetischen Komponenten hat, ist bereits bekannt. Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass sich diese zum Teil mit denen anderer psychiatrischer Störungen überschneiden.
Alkoholismus, Alkoholabhängigkeit

Alkoholismus ist zum Teil auch genetisch bedingt

Alkoholismus kommt in vielen Familien gehäuft vor. Das kann unter anderem genetische Gründe haben. So ist bereits seit vielen Jahren aus Adoptions- und Zwillingsstudien bekannt, dass die Vererbbarkeit von Alkoholabhängigkeit bei etwa fünfzig Prozent liegt. Dennoch bedeutet das nicht, dass Kinder von Alkoholsüchtigen selbst abhängig werden müssen. Vielmehr konnten Wissenschaftler zeigen, dass die individuelle Lebensgeschichte und Erfahrungen am ehesten Rückschlüsse darauf zulassen, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand zur Flasche greift. Einzelne genetische Prädispositionen haben trotz der erblichen Komponente dagegen wenig Vorhersagekraft.

Wie genau die genetischen Grundlagen und eine tatsächliche Alkoholabhängigkeit zusammenhängen, ist bislang noch nicht bekannt – ebenso wenig die Verbindung zu anderen psychiatrischen Störungen. Daher hat ein internationales Forscherteam unter Mitwirkung von Wissenschaftlern des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim nun die genetischen Zusammenhänge zwischen Alkoholabhängigkeit und anderen psychischen Erkrankungen genauer untersucht.

Gemeinsame genetische Grundlagen

Für die bisher größte Studie dieser Art analysierten die Forscher genetische Daten von fast 15.000 Personen mit diagnostizierter Alkoholabhängigkeit und verglichen diese mit Daten von fast 38.000 gesunden Menschen aus Europa und Afrika.

Eines der Ergebnisse: Die Forscher konnten frühere Erkenntnisse bestätigen, dass sich die genetischen Ausprägungen von Alkoholabhängigkeit nur teilweise mit denen des tatsächlichen Alkoholkonsums überschneiden. „Das unterstreicht die Unterscheidung zwischen pathologischem und nicht-pathologischem Trinkverhalten“, erklärt Prof. Dr. Marcella Rietschel, Direktorin der Abteilung Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie, die an der Studie beteiligt war.

Die Studie zeigt jedoch auch deutlich, dass der genetische Ansatz erfolgreich ist, Zusammenhänge aufzuklären, die bislang nur vermutet werden konnten. So konnten die Forscher zeigen, dass deutliche genetische Zusammenhänge zwischen Alkoholabhängigkeit und 17 verschiedenen psychiatrischen Störungsbildern bestehen, darunter Schizophrenie, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Depression und dem Konsum von Zigaretten und Cannabis.

 

Hoffnung auf wirksamere Therapieansätze

„Nun sind vor allem detailliertere Untersuchungen von vielen Patienten von Nöten, um herauszufinden, wie genau die genetischen Faktoren dazu beitragen, dass jemand abhängig wird“, erklärt Prof. Dr. Falk Kiefer, ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. Auf diese Weise hoffen die Forscher, bessere Wege zu finden, um die Widerstandskraft von Betroffenen zu stärken.

Foto: © Rainer Fuhrmann - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Psychiatrie , Depression , Essstörungen , Schizophrenie , Alkohol , Sucht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alkoholabhängigkeit

| Jede sechste Kündigung wird aufgrund von Alkoholmissbrauch ausgesprochen. Dies geschieht selten sofort, sondern meist erst nach Monaten oder sogar Jahren mit häufigen Fehlzeiten oder Verhaltensauffälligkeiten. Kollegen und Vorgesetzte sollten daher frühzeitig das Gespräch mit den Betroffenen suchen.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Der Klimawandel weckt bei jungen Eltern mehr Furcht als Terroranschläge. Eine Umfrage zeigt, dass die Sorge um die Zerstörung unserer Umwelt in den letzten Jahren rasant gestiegen ist.
Chronische Bronchitis, ADHS, Entwicklungsstörungen: Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind, haben später auffällig größere gesundheitliche Probleme als auf natürlichem Wege geborene Kinder. Das ergibt sich aus dem Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK). Besonders groß ist das Risiko für krankhaftes Übergewicht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.