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Alkohol in der Schwangerschaft: Das Kind trinkt mit

Rund 13.000 Kinder kommen jährlich mit alkoholbedingten Gesundheitsschäden zur Welt. Oft sind ihre Gesichtszüge anders, ihre Gehirnleistung kann lebenslang eingeschränkt sein. Experten raten deshalb glasklar: null Promille während der Schwangerschaft.
Schwangere Frau mit dickem Bauch hält Rotweinglas in der Hand

Kein Gläschen in Ehren: Welche Auswirkungen selbst geringe Alkoholmengen bei ungeborenen Kindern haben, ist nie vorhersagbar. Experten raten deshalb während der Schwangerschaft zu absolutem Alkoholverzicht.

131 Liter oder eine Badewanne voll alkoholischer Getränke konsumieren die Deutschen im Jahr. International gilt Deutschland nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) damit weiterhin als Hochkonsumland. 74.000 Menschen sterben laut DHS in Deutschland jedes Jahr am Konsum der legalen, günstigen und leicht verfügbaren Droge Alkohol – 58-mal so viele wie an illegalem Rauschgift (registrierte Tote 2018: 1276). Als besonders alarmierend gilt die explodierende Zahl an jugendlichen Rauschtrinkern. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Jugendlichen, die wegen Alkoholexzessen ins Krankenhaus mussten, um 135 Prozent erhöht. Das ist auch deshalb besorgniserregend, weil diese Generation früher oder später Kinder produzieren will. Denn Alkohol schadet nicht nur denen, die ihn selbst trinken beziehungsweise missbrauchen.

Ein Gläschen reicht: Alkohol wandert vom Blut der Mutter ins Kind

Die gesundheitlichen Auswirkungen auf ungeborene Kinder während der Schwangerschaft seien „besonders schlimm“, sagt Gerd Glaeske, Mitarbeiter des Medikamenten-Ratgebers und Bestsellers „Bittere Pillen“ und Wissenschaftlicher Leiter des Länger-besser-leben-Instituts. Die Einrichtung von Uni Bremen und BKK24 ist spezialisiert auf Fragen von Prävention und Gesundheitsförderung. Alkohol könne Kinder im Mutterleib „dauerhaft schädigen.“ Laut Glaeske kommen derzeit jährlich rund 13.000 Kinder mit alkoholbedingten Gesundheitsschäden zur Welt. Was vielen offenbar wenig bewusst ist: Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann Entwicklungsstörungen und bleibende körperliche Schäden verursachen, denn der Alkohol geht vom Blut der Mutter unmittelbar in das des Kindes über.

 

Alkohol: In jedem Stadium der Schwangerschaft gefährlich

„Alkohol ist in jedem Stadium der Schwangerschaft gefährlich“, warnen Gesundheitsexperten der AOK. Deshalb raten sie jungen Frauen dazu, schon dann konsequent auf Alkohol zu verzichten, wenn nur der Verdacht auf eine Schwangerschaft besteht oder sie die konkrete Absicht in sich tragen, schwanger zu werden. Welche Folgen Alkoholkonsum für das ungeborene Kind hat, hängt davon ab, in welcher Phase der Schwangerschaft sich Mutter und Kind befinden. Laut AOK reichen die Folgen von Fehlbildungen bei Organen bis hin zu einer möglichen Fehlgeburt:

Folgen im ersten Drittel:
Im ersten Schwangerschaftsdrittel ist der Embryo besonders empfindlich. Hier besteht ein hohes Risiko für Fehlbildungen des Gesichts sowie der Seh- und anderen Organe, da Alkohol das Zellwachstum und die Zellvermehrung stört. Dies betrifft insbesondere das Gehirn, welches deutlich weniger Zellen bildet und so auch die spätere geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen kann.

Folgen im zweiten Drittel:
Vom vierten bis sechsten Monat besteht ebenfalls eine hohe Wahrscheinlichkeit für Wachstumsstörungen. Das Risiko einer durch Alkoholkonsum verursachten Fehlgeburt ist in diesem Stadium besonders hoch.

Folgen im letzten Drittel:
In der letzten Phase der Schwangerschaft beeinträchtigt der Konsum von Alkohol die enormen Wachstumsfortschritte, die in dieser Phase normalerweise stattfinden. Auch das Wachstum des Gehirns ist weiterhin gefährdet, was sich später in verminderten geistigen Fähigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten äußern kann.

(Quelle: AOK)

Im Extremfall kann ein Kind gravierende Schädigungen davontragen, mit denen es lebenslang zu kämpfen hat: allgemeine Unterentwicklung, körperliche Missbildungen, Verhaltensstörungen oder eine Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit. Die Medizin spricht hier von einem „fetalen Alkoholsyndrom“.

Solidarische Männer: Neun Monate Abstinenz – dem Kind zuliebe

Da die genauen Auswirkungen selbst geringster Alkoholmengen nie sicher vorhersagbar sind, rät der Bremer Gesundheitsexperte Glaeske kompromisslos zur Null-Promille-Strategie und sagt: „Es ist dringend notwendig, dass schwangere Frauen auf jeglichen Alkoholkonsum verzichten, um ihre Babys nicht zu gefährden oder dauerhaft zu schädigen." Werdende Väter können Frauen während der Schwangerschaft so einfach wie konkret darin unterstützen, dem Baby zuliebe die Finger vom Alkohol zu lassen: Indem sie in dieser überschaubaren Zeit von neun Monaten Solidarität beweisen und ihrerseits auch auf Alkohol verzichten – mindestens schon einmal in Gegenwart ihrer Partnerin.

Foto: Fotolia.com/Light Impression

Hauptkategorie: Medizin
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