. Studie

Alkohol im Fernsehen stark präsent

In vielen Fernsehsendungen ist Alkohol präsent oder wird sogar konsumiert. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Bundesdrogenbeauftragten und des Gesundheitsministeriums. Diese Sichtbarkeit kann insbesondere Jugendliche zum Alkoholkonsum verleiten.
Alkohol im Fernsehen

Alkohol wird im Fernsehen sehr oft gezeigt

In vielen TV-Sendungen ist Alkohol präsent. Er ist zu sehen, er wird getrunken oder es wird über ihn gesprochen. Das zeigt eine neue Studie, die im Auftrag der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) und des Gesundheitsministeriums durchgeführt wurde. Die Forscher von der Universität Würzburg haben für ihre Analyse „Die Darstellung von Drogen und Sucht im deutschen Fernsehen“ eine Woche lang das Programm der für deutsche Jugendliche acht wichtigsten deutschen Fernsehsender zwischen 13 und 22 Uhr ausgewertet.

Der Studie zufolge ist Alkohol in 35,9 Prozent der Sendungen ein Gesprächsthema. In sechs von zehn Sendungen ist er in irgendeiner Form sichtbar und in vier von zehn Sendungen wird er auch konsumiert. In den privaten Fernsehsendern ist Alkohol dabei stärker präsent als in den öffentlich-rechtlichen.

Sichtbarkeit von Alkohol im TV kann Verhalten beeinflussen

„Die Studie zeigt in erschreckender Weise auf, welche Präsenz Alkohol und Alkoholkonsum gerade im privaten Fernsehen haben“, so Marlene Mortler gegenüber der Funke Mediengruppe. „Die Botschaft, die davon ausgeht, ist klar: Ohne Alkohol geht es nicht!“ Dieses Signal sei besorgniserregend. „Die Wissenschaft zeigt heute deutlich, dass derjenige, der im Fernsehen dauernd mit Alkohol konsumierenden Protagonisten konfrontiert wird, auch im realen Leben leichter zur Flasche greift.“ Auch die Studienautoren warnen davor, „dass die Darstellung von Drogen und Süchten im Fernsehen einen negativen Sozialisierungseffekt auf Jugendliche haben kann."

In Anbetracht der Häufigkeit von Suchterkrankungen ruft Mortler zu einem sensibleren Umgang mit dem Thema auf. Im Vorfeld der diesjährigen Jahrestagung der Drogenbeauftragten wies sie erneut darauf hin, wie wichtig es sei, Suchtkranken und ihren Angehörigen noch besser und schneller zu helfen.

 

Gegen die Stigmatisierung von Suchterkrankungen

„Es ist fatal, suchtkranke Menschen zu verurteilen und sie auszugrenzen – für die Betroffenen selbst, aber auch für uns als Gesellschaft. Jeder und jede in diesem Land kann und muss helfen“, so Mortler. Das gelte für Kollegen wie Arbeitgeber oder auch Kindergärtnerinnen, die Kinder suchtkranker Eltern betreuen. Drogen und Sucht seien keine Randerscheinungen, sondern sie hätten Auswirkungen auf nahezu jeden Bereich der Gesellschaften.

"Wenn man bedenkt, dass jede sechste Kündigung aufgrund von Alkoholmissbrauchs ausgesprochen wird, jeder zehnte Arbeitnehmer zu viel Alkohol, teilweise sogar während der Arbeit trinkt, dann wird deutlich, dass das Thema jeden etwas angeht", erläutert Mortler weiter. Keiner solle sich wegducken und sagen: „Sucht geht mich nichts an, ich bin ja nicht abhängig“.

Nach Angaben der Drogenbeauftragten sind etwa 8,2 Millionen Menschen in Deutschland von verschiedenen Substanzen oder Glücksspiel abhängig. Als alkoholabhängig gelten rund 1,3 Millionen Deutsche; etwa 9,5 Millionen konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form.

Foto: © Syda Productions - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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