Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Alkohol bleibt Suchtproblem Nummer Eins

Alkohol bleibt das größte Suchtproblem in Deutschland. Das geht aus dem aktuellen Jahrbuch Sucht 2018 vor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) nun vorgelegt hat.
Suchtproblem Alkohol in Deutschland an erster Stelle

Alkoholkonsum ist in Deutschland das größte Suchtproblem.

Erstmals hat die DSH den Alkoholverbrauch in Deutschland nach verbesserten Kriterien ermittelt. Damit kommt sie zu dem Ergebnis, dass jeder Bundesbürger über 14 Jahre im vergangenen Jahr durchschnittlich 10,7 Liter Reinalkohol zu sich genommen hat. Mit Abstand das beliebteste alkoholische Getränk ist Bier mit einem Verbrauch von fünf Liter Reinalkohol pro Kopf, gefolgt von Wein (2,3 Liter), Spirituosen (1,8 Liter) und Schaumwein (0,4 Liter).

Den Pro-Kopf-Verbrauch an alkoholischen Getränken insgesamt beziffert die DSH auf 133,8 Liter. Das waren zwar rund 1,25 Prozent weniger als 2016. Doch die DSH sieht darin keinen Anlass zur Entwarnung. Sie verweist auf Ergebnisse repräsentativer Umfragen und Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes. Diese würden zeigen, dass insgesamt 3,38 Millionen Erwachsene in Deutschland in den letzten zwölf Monaten von einer alkoholbezogenen Störung betroffen waren. Dabei wird knapp der Hälfte der Betroffenen (1,61 Millionen) Missbrauch attestiert und 1,77 Millionen Deutsche gelten als alkoholabhängig. 74.000 Todesfälle jährlich werden den Folgen des Alkoholkonsums oder des kombinierten Konsums von Tabak und Alkohol zugeschrieben.

Mehr Jugendliche wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus

Auch die Entwicklung beim Alkoholkonsum von Teens betrachtet die DSH kritisch. Erneut mussten mehr Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Zahl stieg 2016 im Vergleich zu 2015 um 1,8 Prozent auf 22.309 Patienten. Verglichen mit dem Jahr 2000 entspricht das laut DSH einer Steigerung von 134,5 Prozent.

Bei Männern aller Altersgruppen war den Angaben zufolge die Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“ im Jahr 2016 die häufigste Hauptdiagnose im Krankenhaus mit 234.785 Behandlungsfällen. Insgesamt war sie laut DSH mit 322.608 Behandlungsfällen die zweithäufigste Hauptdiagnose in Akutkliniken.

Weitere Entwicklungen im Suchtmittelkonsum laut Jahrbuch Sucht 2018:

  • Der Zigarettenkonsum wuchs im Vergleich zu 2016 um 1,1 Prozent auf 75.838 Millionen Zigaretten.
  • Der Verbrauch von Pfeifentabak stieg binnen Jahresfrist um 28,7 Prozent auf 3.245 Tonnen im vergangenen Jahr.
  • Als arzneimittelabhängig gelten etwa 1,2 bis 1,5 Millionen überwiegend ältere Menschen in Deutschland.
  • 1333 Todesfälle aufgrund des Konsums illegaler Suchtmittel wurden im Jahr 2016 polizeilich registriert. Die Zahl der Drogentoten stieg damit um 8,7 % im Vergleich zu 2015.
 

Maßnahmen gegen Suchtproblem Alkohol gefordert

Die DHS fordert auf Basis dieser Daten effektive Präventionsmaßnahmen, wie Preiserhöhungen, Angebotsreduzierung und Werbeeinschränkungen. Zudem seien eine Optimierung des Jugendschutzes und das Verbot der Abgabe an Jugendliche unter 18 Jahren notwendig. Verhaltens- und Verhältnisprävention müssten flächendeckend und kontinuierlich eingesetzt werden, damit Deutschland endlich die internationalen Spitzenplätze im gesundheitsschädlichen Konsum legaler Drogen verlasse.

Foto: kmiragaya – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Sucht , Prävention , Psychische Krankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Suchtproblem Alkohol

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Klimaanlagen, Zigarettenqualm, langes Sitzen vorm PC-Bildschirm: So können situativ trockene Augen entstehen, die reiben und schmerzen. Trockene Augen können aber auch eine chronische Krankheit sein. Hier ein paar Tipps dazu von Experten.


Im Gegensatz zur Bundespolitik ist offenbar eine klare Mehrheit von Apotheken-Mitarbeitern in Deutschland für eine Legalisierung von sogenanntem Genuss-Cannabis – unter der Bedingung einer streng kontrollierten Abgabe. Das ergibt sich aus einer Studie des Berliner Marktforschungsinstituts Aposcope.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin