Fachtagung KRITIS 2024 bis 2026: Gesundheitssicherheit rückt in den Mittelpunkt
Die Sicherheit des Gesundheitswesens ist längst nicht mehr allein eine Frage der medizinischen Versorgung. Cyberangriffe, hybride Bedrohungen, Sabotage kritischer Infrastruktur und die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa haben Gesundheitseinrichtungen zu einem zentralen Bestandteil der nationalen Sicherheitsarchitektur gemacht. Mit der Veranstaltungsreihe Fachtagung KRITIS hat Gesundheitsstadt Berlin gemeinsam mit dem BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) seit 2024 ein Forum geschaffen, das Politik, Bundeswehr, Behörden, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Hilfs- und Blaulichtorganisationen zusammenbringt, um die Gesundheitssicherheit Deutschlands neu zu denken.
2024: „Krankenhaus in Krise, Terror, Krieg“
Den Auftakt bildete am 14. März 2024 die erste Fachtagung „Krankenhaus in Krise, Terror, Krieg“. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Krankenhäuser in bewaffneten Konflikten, bei Terroranschlägen oder einem Massenanfall von Verletzten zunehmend selbst zu potenziellen Angriffszielen werden. Die Verwundbarkeit der Krankenhausinfrastruktur rückte ebenso in den Fokus wie die Frage, wie Kliniken auf außergewöhnliche Schadenslagen vorbereitet werden können. Deutlich wurde bereits damals, dass eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung ein wesentlicher Bestandteil der nationalen Resilienz ist.
2025: „Das deutsche Gesundheitswesen in Krieg und Katastrophe: Prüfstein für den Föderalismus“
Mit der zweiten KRITIS-Fachtagung am 6. März 2025 rückten die sicherheitspolitischen Veränderungen in Europa stärker in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Das deutsche Gesundheitswesen in Krieg und Katastrophe: Prüfstein für den Föderalismus“ diskutierten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Bund und Ländern, Bundeswehr, Kommunen, Hilfsorganisationen sowie Wirtschaft die Folgen hybrider Bedrohungen und möglicher militärischer Konflikte für das Gesundheitswesen.
Ein zentrales Thema war der Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU), mit dem die Bundeswehr die Rolle Deutschlands als logistische Drehscheibe der NATO beschreibt. Welche Aufgaben ergeben sich daraus für Krankenhäuser, Kommunen und Länder? Wie müssen sich die föderalen Strukturen auf Krisenlagen vorbereiten? Und welche Konzepte braucht Deutschland für Bevölkerungsschutz, Patientensteuerung und medizinische Versorgung im Spannungs- und Verteidigungsfall?
Die Fachtagung machte deutlich, dass eine wirksame Krisenvorsorge nur gelingen kann, wenn zivile und militärische Akteure enger zusammenarbeiten und Zuständigkeiten klar geregelt werden.
2026: Das Gesundheitswesen in der Gesamtverteidigung: resilient und sicher“
Die dritte Fachtagung am 5. März 2026 stand unter dem Motto „Das Gesundheitswesen in der Gesamtverteidigung: resilient und sicher“ und weitete den Blick von der klassischen Krisenvorsorge auf das Leitbild der Health Security. Ausgangspunkt war das Fazit der Vorjahrestagung: Deutschlands Gesundheitswesen ist auf Krisen und Katastrophen größeren Ausmaßes weiterhin nicht ausreichend vorbereitet.
Die Angriffe auf das Berliner Stromnetz im September 2025 sowie die zunehmende Zahl von Cyberattacken auf kritische Infrastrukturen verdeutlichten, dass Bedrohungen längst Realität geworden sind. Im Mittelpunkt der Diskussion standen deshalb Strategien, um die Resilienz des Gesundheitswesens nachhaltig zu stärken und die medizinische Versorgung auch unter außergewöhnlichen Bedingungen sicherzustellen.
Diskutiert wurden unter anderem die Einführung eines Gesundheitssicherstellungsgesetzes mit klar geregelten Zuständigkeiten, der Aufbau belastbarer Versorgungs- und Lieferketten, die Bevorratung von Medikamenten und Medizinprodukten sowie die bessere Verzahnung ziviler und militärischer Strukturen. Darüber hinaus rückten neue Themen wie Bioterror, klinische KI-Plattformen, nationale Datenarchitekturen und Innovationen für Gesundheit und Sicherheit in den Fokus.
Plattform für Vernetzung und strategischen Dialog
Innerhalb von drei Jahren hat sich die Fachtagung KRITIS als eines der führenden Dialogformate an der Schnittstelle von Gesundheitswesen, Sicherheitspolitik und Katastrophenschutz etabliert. Sie verbindet Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Bundeswehr, Wissenschaft, Gesundheitswirtschaft sowie Hilfsorganisationen und schafft einen Raum für den strategischen Austausch über die Zukunft der Gesundheitssicherheit in Deutschland.
Dabei zeigt die Entwicklung der Veranstaltungsreihe auch den Wandel der Debatte: Standen 2024 vor allem einzelne Krankenhäuser und deren Krisenfähigkeit im Mittelpunkt, rückten 2025 die föderalen Strukturen und die Gesamtorganisation des Gesundheitswesens in Krisenzeiten in den Fokus. 2026 schließlich wurde deutlich, dass Gesundheitssicherheit zu einer gesamtstaatlichen Aufgabe geworden ist. Die Resilienz des Gesundheitswesens entscheidet heute nicht nur über die Versorgung von Patientinnen und Patienten, sondern zunehmend auch über die Handlungsfähigkeit und Widerstandskraft des gesamten Landes.