. Qualität in der Medizin

Aktionsbündnis Patientensicherheit: „Aus Fehlern lernen“

Menschen machen Fehler – auch Ärzte oder andere Angehörige von medizinischen Berufen. Diese Fehler transparent zu machen und aus ihnen zu lernen, ist das Anliegen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, dessen Jahrestagung am 18. und 19. April 2013 in Berlin stattfand.
Aktionsbündnis Patientensicherheit: Aus Fehlern lernen

Mit Fehlern bei Operationen muss offen umgegangen werden

In jedem Gesundheitssystem treten auch unerwünschte Ereignisse auf. Diese so weit wie möglich zu vermeiden und die Sicherheit der Patienten in der Gesundheitsversorgung zu schützen, ist das Ziel des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), das im Jahr 2005 gegründet wurde. Das Aktionsbündnis ist ein Netzwerk zwischen Vertretern aller Gesundheitsberufe und -institutionen, Patientenorganisationen und anderen Interessierten. Mittlerweile hat das Bündnis mehr als 350 Mitglieder. Schirmherr ist der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Für das Aktionsbündniss Patientensicherheit sind Fehler ein wichtiges Instrument, um die Patientensicherheit nachhaltig zu verbessern. Nur wer aus Fehlern lernt, kann die Sicherheit medizinischer Behandlungen optimieren. Das bedeutet aber auch, eventuell aufgetretene Fehler transparent zu machen. Dafür wirbt das Aktionsbündnis. Sanktionen und Verbote werden vom Bündnis als ungeeignete Maßnahmen zur Qualitätssicherung betrachtet. Vielmehr sollte im Falle eines medizinischen Fehlers genau geklärt werden, wie es dazu kommen konnte.

Handlungsempfehlungen zu Methotrexat

Seit seiner Gründung hat das APS eine Vielzahl von Partnerschaften und Projekten auf den Weg gebracht. Eines der bekanntesten Projekte ist die „AKTION Saubere Hände“ zur Verbesserung er Händedesinfektion. Ein weiteres wichtiges Instrument des Bündnisses sind die Handlungsempfehlungen, praxisorientierte Anleitungen zur Umsetzung von Sicherheitsstrategien, die von Experten in interdisziplinären Arbeitsgruppen erarbeitet werden. Im Gegensatz zu betriebsinternen Richtlinien sind Handlungsempfehlungen nicht verbindlich und haben keine juristische Bewandtnis.

Aktuell hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit eine Handlungsempfehlung zur Einnahme des Rheumamittels Methotrexat herausgegeben. Methotrexat, das bei rheumatoider Arthritis verschrieben wird, darf nur einmal pro Woche eingenommen werden. Nehmen Patienten das Arzneimittel versehentlich häufiger, kann es zu schweren Nebenwirkungen wie Atembeschwerden, Übelkeit und Erbrechen oder sogar Knochenmarksschädigungen kommen. Darauf macht das Aktionsbündnis in seiner jüngsten Veröffentlichung aufmerksam.

Jahrestagung des APS: Experten diskutieren Folgen der Ökonomisierung

Die Handlungsempfehlung zu Methotrexat war eines der Themen, die bei der Jahrestagung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit am 18. und 19. April 2013 in Berlin besprochen wurden. Weitere Punkte waren unter anderem die Folgen der Ökonomisierung des Gesundheitswesens sowie die Umsetzung des Patientenrechtegesetzes. Zudem wurde über Ergebnisse aus den APS-Arbeitsgruppen berichtet.

Vorgestellt wurden auch die aktuellen Ergebnisse der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). In dieser Initiative engagieren sich Krankenhäuser für mehr medizinische Qualität bei der Behandlung ihrer Patienten. Dafür stellt die IQM den teilnehmenden Krankenhäusern anwenderfreundliche Instrumente zur Verfügung. Die drei Grundsätze der IQM lauten: Qualitätsmessung auf Basis von Routinedaten, Transparenz der Ergebnisse sowie Qualitätsverbesserungen durch Peer Review Verfahren.

Die IQM-Mitgliedskrankenhäuser gehen damit freiwillig über die bestehenden gesetzlichen Anforderungen zur Qualitätssicherung hinaus. Seit der Gründung des IQM im Jahr 2008 haben sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits mehr als 245 Krankenhäuser sowie zahlreiche Universitätskliniken zur Teilnahme entschieden. In Deutschland liegt der Anteil der IQM-Krankenhäuser an der stationären Patientenversorgung bei rund 19 Prozent.

Foto: Gennadiy Poznyakov / Fotolia.com

Lesen Sie auch:
  • Unerwünschte Ereignisse in der Medizin
  • AKTION Saubere Hände
  • Tipps für Patienten im Schadensfall
Autor:
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Patienten

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) Hedwig François-Kettner über Hygieneskandale, den Personalmangel an deutschen Kliniken und den Umgang mit Fehlern im medizinischen Alltag.
. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.